Nach(t)kritik

So, 27.11.2016
17.00 Uhr
Tee bei Sabine

Eli Tschibengo, Musiker

Künstler: 
Tee bei Sabine
Nach(t)kritik von Christine Cless-Wesle
Eli Tschibengo, Musiker und Flüchtling aus dem Kongo zum „Tee bei Sabine“ am 27. 11. 2016 im bosco.  
„Far from home“: Mit einem berührenden Song, unterstützt von Gitarrist Daniel Brandl aus München, stimmt Eli an diesem ersten Advent aufs Thema ein: Denn der Kongolese lebt seit zwei Jahren als Flüchtling in Gauting.  
Zum „Tee“ trägt der junge Vollblut-Musiker aus Schwarzafrika ein schneeweißes, frisch gebügeltes  Hemd. Es ist nicht sein erster Auftritt. Eli hat auch schon bei den Begegnungsfesten im Gautinger Rathaus die Zuhörer aus ihren Sitzen gehoben.
Doch im Gespräch mit Sabine Zaplin antwortet der 30jährige  ernst - und manchmal traurig.  Auf Englisch erzählt der Jurastudent von erlittenen Qualen in seiner fernen Heimat. 
Tschibengo ist in einer kleineren Stadt im Ost-Kongo geboren und aufgewachsen.
Musik spielte in seiner Familie die große Rolle. Ebenso Religion, denn:  „99 Prozent“ in der einstigen Kolonialmacht Kongo „sind Christen.“
Nur einmal scherzt der Flüchtling in diesem einstündigen Gespräch mit Sabine Zaplin: Seine Familie war „so groß wie eine Fußballmannschaft“, sagt der Schwarzafrikaner lachend.    
Mitte der 1990er-Jahre öffnete Elis Vater sein Haus, nahm Kriegs-Flüchtlinge aus dem verfeindeten Ruanda auf – und landete im Gefängnis.
Elis Großfamilie blieb zurück, hatte weder Geld noch Essen.  Mutter und Schwester wurden vergewaltigt, so der Kongolese weiter. Sein Vater war im Gefängnis Brutalitäten ausgesetzt.
„Das ist nicht mehr meine Heimat“: Der Jura-Student beteiligte sich deshalb „an friedlichen Demonstrationen.“ Als Eli erlebt, wie seine friedlich demonstrierenden Kommilitonen, die zum Teil  „schon eigene Kinder haben“, von Soldaten niedergeschlagen oder erschossen werden, flieht er.
Seit zwei Jahren lebt der Kongolese in Gauting. „Ich habe hier große Hilfsbereitschaft erlebt“, dankt der Musiker Claudia von Maltitz vom örtlichen Helferkreis.
Doch wenn er mit seinen Landsleuten spreche, wollten die „in Ruhe gelassen werden.“ Die Schwarzafrikaner aus dem Bürgerkriegsgebiet Ost-Kongo interessiere nur, ob ihre Familien noch leben.
Doch „ich will nicht, dass meine Kinder einmal wie ich selbst verzweifelt und traurig im Wald leben müssen“ -  hungernd, ohne Unterricht, weil ihre Eltern das Schulgeld nicht bezahlen können.
Der Musiker schaut deshalb nach vorn: Mit Hilfe eines Unterstützerkreises will der Flüchtling eine Stiftung „Hope for Kongo“ auf den Weg bringen. Das könnte klappen: Denn mit seiner Band möchte Eli das Hilfs-Projekt für Kinder im Kongo anschieben.  
Ehrenamtliche vom Gautinger Helferkreis Asyl, aber auch anwesende junge Münchner/innen im Publikum applaudierten begeistert.
Denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.  
Gleich beim „Tee“- Gespräch gab der afrikanische Vollblut-Musiker mit der wunderbaren Blues-Stimme eine Kostprobe. Eli Tschibengo sang - für den Frieden.
 
  
 
 
 
 
  
 
   
 
Christine Cless-Wesle, 27.11.2016
Galerie 
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2016