Presse

Di, 10.10.2017
16:00 Uhr
Kinder
Musik

Fantastische Tierwelt

Veranstaltung: 
Karneval der Tiere
Künstler: 
Kinderkonzert
Erschienen in: 
Süddeutsche Zeitung - Starnberg
Auch ein Wolpertinger darf dabei sein, bei diesem Karneval der Tiere, den die berühmte Geigerin Julia Fischer mit anderen Musikereltern im Gautinger Bosco präsentiert

Diese Musikstunde werden die Schüler der Gautinger Josef-Dorsch-Grundschule so schnell nicht vergessen. Erstens fand sie nicht im Klassenzimmer statt und zweitens spielten auf der Bühne die Eltern ihrer Mitschüler. Ganz vorne an der ersten Geige Julia Fischer. Sie dürfte die bekannteste Musikermama in Gauting sein. Die Idee entstand gemeinsam mit Violonistin Lena Neudauer und der Pianist Adrian Oetiker, deren Nachwuchs dieselbe Klasse besucht. Die drei Profis unterrichten außerdem an der Hochschule für Musik und Theater in München. "Wir dachten, wir müssten einmal etwas zusammen für diese Klasse auf die Beine stellen", erzählt Julia Fischer zwischen zwei Vorstellungen im Gautinger Theaterforum bosco.Im Foyer wuselt es wie in einem Ameisenbau. In kleinen Kompanien schlängeln sich Grundschüler jeder Größe entweder Richtung Garderobe oder Richtung Theatersaal. Die einen kommen gerade aus einer Vorstellung, die anderen warten aufgeregt schwatzend auf die nächste. In zwanzig Minuten wechseln 300 Schüler die Plätze. Rund 1000 werden am Ende des Tages durch das Theaterforum in Gauting marschiert sein.

Die Wahl der Musiker-Eltern fiel schnell auf die fröhliche Suite von Camille Saint-Saens, doch zwei Klaviere in einem Klassenzimmer unterzubringen war denkbar schwierig und so fragte Fischer das Bosco als Veranstaltungsort an. Das war vor einem Jahr. Aus zwei Vorstellungen wurden vier. Nicht nur die Grundschule, sondern auch die Gautinger Kindergärten lud man ein und einige Klassen kamen auch aus Gräfelfing und München. "Wir wollten nicht, dass Kinder zu Hause bleiben müssen," erzählt Fischer und so spielen die Künstler-Eltern am Dienstag Vormittag im Stundentakt.Das Publikum war hellauf begeistert von dem Spektakel. Foto: Georgine TreybalZusammen mit ihrem Mann Dirk Schönlebe hat Fischer das Werk des französischen Komponisten Camille Saint-Saens in einen zeitgemäßen Textrahmen gefasst. Der Löwe lädt zum Geburtstagsfest im Dschungel. Das Partymotto lautet: Karneval der Tiere. Schauspieler Sebastian Hofmüller führt wunderbar szenisch durch die fantastische Tierwelt. Ein paar Tiere haben sich neu eingeschlichen darunter der Wolpertinger und seine Frau. Er spricht à la Monaco Franze und nennt seine Frau "Spatzl".

Saint-Saens komponierte den Karneval der Tiere in 14 kleinen Sätzen und ließ darin Löwen, Hühner, Schildkröten, Elefanten und viele Tiere mehr musikalisch interpretiert auftreten. Anlass seines fröhlichen Konzertes war ein Kammerkonzert am Fastnachtsdienstag im Jahr 1886. Wie es im Karneval Sitte ist veralberte Saint-Saens darin auch einige seiner Berufskollegen. So verlangsamt er im Auftritt der Schildkröten den bekannten Can-Can von Jaques Offenbach und zitiert auch die Komponisten Berlioz und Rossini.Es ist eine großartige Tierwelt aus Löwen, Hühner oder Elefanten, die Julia Fischer und andere Musiker-Eltern wie Lena Neudauer auf die Bühne im Gautiger Bosco zauberten. Foto: Georgine TraybalJulia Fischer hat sich entschlossen in ihrer Interpretation den Can-Can von Offenbach erst einmal schnell zu spielen. Überhaupt kommen bei den jungen Zuhörern die schnellen Stücke besser an. Der Esel auf Rollschuhen bekommt spontanen Applaus und auch Geigerin Julia Fischer klappert auf der Bühne mit ihren Absätzen, obwohl das bei einem Kammerkonzert ja nicht so gern gesehen ist. Als der Kuckuck (Klarinette: gespielt vom einzigen Nicht-Profi des Ensembles Florian Satzl) seinen Ruf irgendwo aus dem verdunkelten Zuschauerraum erklingen lässt, geht ein neugieriges Hälserecken los. Nach dem mitreißenden Auftritt der Fossilien sind die kleinen Zuschauer schließlich nicht mehr zu halten: es gibt begeisterten Applaus mit kräftigem Fußgetrampel. Bei der Zugabe müssen Fischer und ihre Musiker schließlich alles geben, um nicht im Begeisterungsjubel der Kinder unterzugehen.
Ute Pröttel, 11.10.2017