Presse

So, 14.01.2018
17:00 Uhr
Tee bei Sabine

Mittler zwischen den Kulturen

Veranstaltung: 
Monika & Petra Bezdek, EKP
Künstler: 
Tee bei Sabine
Erschienen in: 
Starnberger Merkur
Bis ins ferne China verbreitet sich das pädagogische Konzept des von Ursula Bezdek Anfang der 1970er-Jahre gegründeten Eltern-Kind-Programms (EKP): Beim jüngsten Tee-Gespräch im Gautinger Bosco erzählten deren Töchter Monika und Ursula Bezdek von einer Visite in Shanghai. Die beiden Pädagoginnen vom Familienzentrum Stockdorf hatten dort Anfang November den ersten EKP-Privat-Kindergarten Chinas besucht – und waren erstaunt über die Unterschiede.

Schon Anfang der 1970er-Jahre hatte Ursula Bezdek am Institut für Frühpädagogik ein neues Modell mit Vorschulprogramm für die ganze Familie entwickelt. Aus dem einstigen „Kinderpark“ in der Alten Schule Stockdorf, wo Mütter früher ihre Kleinen stundenweise „parkten“, wurden die Eltern-Kind-Gruppen – mit Mittagsbetreuung, Netz für Kinder und Familien-Freizeiten auf Spiekeroog. Neugierig waren die beiden Pädagoginnen also, was aus ihrem Modell in China geworden war. „Das erste Mal waren wir dort schon 2011“, so Sozialpädagogin und EKP-Gruppenleiterin Monika Bezdek. Damals wurde nach dem schweren Erdbeben von Chengdu ein Kindergarten nach dem pädagogischen Vorbild der „Kind zentrierten Elternarbeit“ im Würmtal aufgebaut. In Shanghai gründete die vom EKP überzeugte Mama Ce Zhang, die als Übersetzerin zwischen ihrem Wohnort Pöcking und China pendelt, danach eine zweite, private EKP-Einrichtung. „Nach unserem Konzept“, so Kulturpädagogin Petra Bezdek. Und das sei schon erstaunlich, denn in China bleibe der Nachwuchs bis zum dritten Lebensjahr grundsätzlich zu Hause. „Es ist echt schlimm“, sagt Monika Bezdek, die von der Ein-Kind-Leistungs-Gesellschaft berichtete, in der nur der Beste zähle. Sechs Erwachsene, nämlich zwei Großeltern und das Elternpaar, kümmerten sich um ein einzelnes Kind. Mit drei Jahren müssten Tochter oder Sohn die Aufnahmeprüfung zum besten Kindergarten schaffen – in Englisch und Mathematik. Ein kleiner Chinese, der dieses Ziel nicht erreiche, habe auch keine Chance auf eine gute Uni. Vor diesem Hintergrund hätten die Erzieherinnen in Shanghai auch das Programm des EKP durchgepeitscht – „auf Englisch“, ohne Bezug zu den Kindern und ihrer eigenen Kultur.

Bei ihrer Schulung haben Monika und Petra Bezdek die Shanghaier Kolleginnen dazu gezwungen, chinesische Lieder und Spiele aufzugreifen. Und siehe da: Das populäre Spiel „Schau nicht um, der Fuchs geht um“ kennt nicht nur jedes Kind in Europa, sondern auch jeder Mensch in China. Eltern und Großeltern hätten auch die neu eingeführten chinesischen Lieder sofort begeistert mitgesungen, freuen sich die Schwestern. Beziehung sei of wichtiger als Erziehen, sagen beide, deshalb reisten sie in den Herbstferien nach China.
Christine Cless-Wesle, 22.01.2018