Presse

So, 22.04.2018
18.00 Uhr
Heimspiel
Sonstiges

Nicht alle sind auf dem selben C

Veranstaltung: 
"DU SINGST...VERY BRITISH"
Künstler: 
Mitsingkonzert
Erschienen in: 
Starnberger Merkur
Draußen brennnt die Sonne vom Himmel, im Saal des Gautinger Bosco proben Frauen und Männer für ein Mitsing-Konzert. Johannes X.  Schachtner dirigiert 80 engagierte Sänger.

Gauting – „Takt 23“ ruft der junge Dirigent Johannes X. Schachtner den Bässen zu, „und jetzt die Tenöre“. Schon ist ein kräftiges mehrstimmiges „borning gold“ aus der britischen Hymne „Jerusalem“ zu hören. „Ich bin zum zweiten Mal dabei – und ganz begeistert“, bekennt Sopranistin Sibylle Sommer während der kurzen Kaffee-Pause.

Es ist ein eindrucksvolles Bild: Mit dem rotblauen Chorbuch „Du singst…very British!“ haben sich Samstagnachmittag 80 Frauen und Männer im Gautinger Bosco-Saal aufgereiht. Vorn neben dem Flügel gibt Johannes X. Schachtner die Einsätze. Seine Frau, die Pianistin Laurianne Follonier, begleitet den großen Chor am Konzertflügel.

Nach dem großen Erfolg von „Du singst…Oper!“ ist es bereits das zweite Mitsing-Werkstatt-Konzert, das der Gautinger Komponist und Dirigent Schachtner leitet. Externe Sänger verstärken die gut eingeübten Stimmen seines Kammerchors „collegium Bratananium“ vor dem großen Abschluss-Konzert am Sonntag. Zum Beispiel Henk Knuiman. Der gebürtige Niederländer mit dem weißen Vollbart wohnt seit drei Wochen in Weßling. „Meine drei Cousins singen im Gautinger Kammerchor mit“, erzählt der Tenor. Deshalb hat sich der 59-Jährige, der einst in Arnheim die Hauptrolle des „Jesus Christ“ sang, spontan bei der Probe eingereiht. „Alles, was es zu singen gibt, macht mir Freude“, bekennt er. Auch für Musical begeistert er sich.

„Es sind genug Damen da. Jetzt gegen die Herren – und ein bisschen mehr Schwung: Sie müssen singen“, feuert Schachtner seine 80 Sängerinnen und Sänger an. „Land of Hope and Glory“ – die britische Hymne von Sir Edward Elgar steht jetzt auf dem Probenprogramm. „Das kennt jeder“, sagt der 32-jährige Dirigent mit breitem Grinsen. Zum eindrucksvollen Forte steigern sich die Frauen- und Männerstimmen, aber: „Das Land of Hope and Glory muss vor der Wiederholung etwas leiser klingen“, sagt Schachtner. Auch an dem zunächst lang gesungenen „mooother“ zu Ehren der Queen wird noch etwas gefeilt. „Kurz mother“ bittet der Dirigent freundlich.

„Zadok the Priest“: Die von Georg Friedrich Händel komponierte Krönungshymne begeistert den großen Gautinger Chor sofort. Denn die etwas abgewandelte Eröffnungsmelodie der Champions League lässt Fußballteams und ihre Fans auf der ganzen Welt regelmäßig erschauern. „Nicht alle sind auf dem selben C“, bringt der Dirigent gekonnt Bässe und Tenöre zusammen auf den gemeinsamen Punkt. „Wir haben einen so schönen großen Chor“, feuert der Dirigent die Sänger nochmals an.

Kaffeepause. Klar, dass eine solch große Chorleistung nicht in einer Werkstatt von zwei Wochenendtagen zustande kommt, räumt Schachtner ein. Deshalb hörten sich die Mitwirkenden schon zuvor in die Werke ein. „Ich will meine Leute nicht zwei Tage schleifen, sondern sie dabei unterstützen, bei dem, was da ist“, erklärt der Leiter des „collegium bratananium“

„Für mich ist das ein wunderbarer Ausgleich“, sagt Kaufmann Ludwig Kultzen. Er hat sich ein Bein gebrochen. Das hält ihn aber nicht vom Mitsingen ab. Auf zwei Krücken geht er zurück zur Probe im Bosco-Saal.
Christine Cless-Wesle, 24.04.2018