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Späte Ehrung für einen Enthusiasten

Erschienen in: 
Süddeutsche Zeitung - Starnberg
Der Gautinger Günther-Klinge-Preis geht an Rainer Köhler, den Förderpreis erhält der Kulturspektakel-Verein.

Als er im Juli 1999 das erste klassische Konzert in der Gautinger Frauenkirche organisierte, war das als einmalige Sache gedacht. Doch nachdem das Solistenensemble der Berliner Philharmoniker Kammermusik aus dem 18. und 19. Jahrhundert gespielt hatte und Musiker, Publikum und Pfarrer voller Begeisterung waren, machte Rainer Köhler weiter. Der Architekt beschenkte den Ort mit mehr als 200 klassischen Konzerten auf höchstem Niveau und brachte ihm ein Renommee ein, das einmalig ist in der Region. Nun hat die Gemeinde den 73-Jährigen mit dem Günther-Klinge-Preis geehrt, ein wenig spät, denn er ist zu krank, um bei der Preisverleihung dabei sein zu können. Das lässt die Feier im Gautinger Rathaus ziemlich verhalten beginnen. Vertreten wird er durch seine Frau Gertrud Köhler, die später sagen wird, ihr Mann habe den großen Wunsch, dass die Klassikreihe in seinem Sinne weitergehe. Das Programm habe er bis Ende 2019 konzipiert. Musikalisch gestaltet wird die Ehrung von Pianistin Halina Bertram, die mit Werken von Bach, Brahms und Ravel glänzt.Rainer Köhler bedürfe eigentlich zwei Würdigungen, eine als Architekt und eine für die Organisation und Mäzen einer hervorragenden Klassikkonzert-Reihe, sagt Bürgermeisterin Brigitte Kössinger. Sie geht kurz auf Köhlers Erfolge als Planer und Baumeister ein, der schon als Architekturstudent seinen ersten Wettbewerb gewonnen hat und über die Jahre auch im Gemeindegebiet "Spuren hinterlassen" hat. Ebenso in der klassischen Musik, die er in Gauting etabliert hat. Die Musiker kommen gerne in die Würmtalgemeinde, die Klassikkonzerte haben bis heute etwa 50 000 Besucher erreicht. In seiner Laudatio geht der Musikkritiker Reinhard Palmer, der Köhler freundschaftlich verbunden ist durch das gemeinsame Interesse an der Klassik, viele Gespräche und Diskussionen, auf Köhlers Werk ein. Die strenge Systematik, die klare Linienführung in seinen Bauten sowie die kraftvollen Farben spiegelten sich in der Leidenschaft und Begeisterung für Bach, Brahms und Schostakowitsch. Köhlers große Begabung liege darin, Menschen zusammen zu bringen, sei es durch seine Baukunst, sei es durch die rund 220 Konzerte. Schon als CSU-Gemeinderat von 1972 bis 1984 habe er sich für Kultur stark gemacht, Projekte gefördert. "Sein Wirken kann nicht hoch genug eingeschätzt werden", sagt Palmer.

Ein wenig fröhlicher wird die Ehrung bei der Laudatio für die Förderpreisträger, die jugendlichen Organisatoren des Gautinger Kulturspektakels. Hans-Georg Krause, Begründer des Theaterforums und des Bosco-Kulturhauses, war bereits 1983 beim Start des ersten "Kult" dabei und sagt in seiner Lobrede, die Jugendlichen hätten den Wunsch gehabt, ein alternatives Kulturfest im Freien, ähnlich wie in Gräfelfing, auf die Beine zu stellen. Sie hätten es geschafft, auf dem Gelände des Gymnasiums. Als einmaliges Experiment, eine Gemeinsamkeit mit Köhlers Kammerkonzert.

Das Programm umfasste nicht nur Rock-, Blues- und Jazzmusik, erzählt Krause, sondern auch Theater mit Jens Groß (2018 Schauspieldirektor am Theater in Bonn), den Puppetplayers, Klassik mit Pianist Wolfgang Leipnitz, Lieder mit Florian Prey, Tanztee-Musik aus den 1920er Jahren mit Walter Erpf, jungen Liedermachern aus der Region, Blasmusik, Clowns, Dia-Vorträgen, Flohmarkt und Kinderprogramm.

Zwar habe sich einiges geändert, das Kulturspektakel sei jetzt ein Verein mit Vorstand und ordentlicher Steuererklärung, doch immer noch werde es von einer Schar ehrenamtlicher junger Leute organisiert. Sie zeichneten sich durch kreative Energie, soziale Kompetenz und Kommunikationsbereitschaft aus, sie könnten sich ausprobieren, und eine Generation gebe ihre Erfahrungen an die nächste weiter. Wenn der Landkreis ein Markenzeichen suche, so habe Gauting seins schon längst - die Kultur. Und wie das Bosco und das Klassikforum, das neue Kino und die Ateliers in der Reismühle, gehöre dazu auch das Kulturspektakel.

Stellvertretend für die zahlreichen Organisatoren und Helfer nahm Vorstand Daniel Leicher den Scheck über 500 Euro und die Urkunde entgegen. Mit fröhlichen, von Weltmusik inspirierten Rhythmen umrahmen Rüdiger Sinn, Zlatko Pasalic und Sebastian "Schoko" Kölbl von der Band StrayColors den Ausklang der Klinge-Preis-Verleihung.
Blanche Mamer, 17.07.2017