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Zwei Preisträger, die Gautings Kulturleben geprägt haben

Erschienen in: 
Starnberger Merkur

Einen herausragenden Ruf als Kulturort hat Gauting – dank großem Bürgerengagements. Bei der Verleihung des Klinge-Kulturpreises, musikalisch umrahmt von Pianistin Halina Bertram und der Band „Stray Colors“, ehrte Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger die jungen Kreativen des Kulturspektakels mit dem Förderpreis. Für den schwer erkrankten Rainer A. Köhler, künstlerischer Leiter der Konzertreihe Klassikforum, nahm seine Ehefrau Gertrud den mit 4000 Euro dotierten Preis entgegen.

Zwei Preisträgern, „die unser Kulturleben sehr geprägt haben“, dankte die Bürgermeisterin. Als Jahrgangsbester sei Rainer A. Köhler (73) einst als Architekt durchgestartet. In Gauting tragen der Kindergarten Spielkiste, die Grundschule Stockdorf an der Würm, Einheimischenmodell Waldpromenade, Sozialwohnungen beim Rathaus, aber auch die Sparkasse die Handschrift Köhlers. Trotz seines großen beruflichen Pensums, organisierte er mit dem damaligen Pfarrer Johannes von Bonhorst ein Orgel-Benefiz-Konzert in der Frauenkirche. 1999 musierten erstmals Berliner Philharmoniker in Gauting – das war der Start für Köhlers Klassikforum im Bosco – „mit 50 000 Besuchern bis heute“, sagte die Bürgermeisterin. Nicht zu vergessen das Mäzenatentum des Ehepaares Köhler.

Wie sein Vater, der mit dem Klinge-Preis 1987 geehrte Kunstmaler Karl Köhler, liebt der Sohn die Musik, sagte Reinhard Palmer in seiner Laudatio. Mit seiner Konzertreihe habe er Weltklasse-Musik in seinen Heimatort und ins Münchener Umland getragen. Bis Ende 2019 habe ihr Mann sein Klassikforum unter Dach und Fach, sagte Gertrud Köhler. Es sei sein Vermächtnis, dass der Preis diesen Konzerten zugute kommt.

Dann stand die Jugend im Fokus. Schon 1991 war das einst am Gautinger Otto-von-Taube-Gymnasium gegründete Festival Kulturspektakel geehrt worden, sagte die Bürgermeisterin. Die jetzige Generation mit Kommunikationswissenschaftsstudent Daniel Leicher an der Spitze habe den mit 500 Euro dotierten Förderpreis ebenso verdient, lobte Kössinger das Team 30 gleichberechtigter Aktiver. Zuletzt hatten die Jugendlichen den „Taxistrand“ erfolgreich gemanagt. Und am kommenden Wochenende geht wieder das Open-Air-Festival mit 50 Bands über fünf Bühnen. „Wir sind stolz auf unser lebendiges Kulturleben“, sagte die Bürgermeisterin. Das war nicht immer so: Als Pioniere wie Monika und Petra Bezdek vom EKP und Multitalent Jane Höchstetter 1983 das erste Kult mit Rock-, Blues-Bands, Theater, Klassikkonzerten, Floh-, Modemarkt und Kinderplanschbecken organisierten, „kam Gegenwind aus dem Gemeinderat“, warf Laudator Hans-Georg Krause den Blick zurück: Doch dort, „wo damals Gemeinderäte gegen das Kult polterten“, tagten heute 35 Jugendliche vom Kult-Team – um das nächste Festival zu organisieren. Daniel Leicher dankte höflich.
Christine Cless-Wesle, 17.07.2017