Veranstaltungsinfo

Di, 21.11.2017
19.30 Uhr
Musik
25,00 / 15,00 €*
* Vorverkauf ab 08.07.2017

Bluesnacht: Anson Funderburgh & The Rockets feat. Big Joe Maher

Die 2. Gautinger Bluesnacht mit einer der führenden Blues Bands aus Texas und den "Down Home Percolators" als Support
1978 gegründet, hat sich Anson Funderburgh (Dallas/Texas) mit seinen „Rockets“ international zu einer der führenden Bluesbands aus dem Staate Texas entwickelt. Er beschreibt seinen Stil als Mischung aus all seinen musikalischen Favoriten von Little Walter bis Jimmy Reed, von B.B. King bis Freddie King. Treibender Texas Blues, der swingt und rockt.

ANSON FUNDERBURGH, guitar
BIG JOE MAHER, drums, vocals
GENTLEMAN JOHN STREET, organ
CHRISTIAN DOZZIER, piano, harp, accordion, vocals
ERIC PRZYGOCKI, bass

Support: DOWN HOME PERCOLATORS
Sie spielen traditionellen Blues der 20er bis 50er Jahre – mit authentischem Sound, aber in eigenen Interpretationen, mit Respekt vor der Tradition, aber immer mitreißend und mit unbändiger Spielfreude. Die neuere Live-CD »Homebrew« wurde von »bluesnews« als »überaus hörenswertes Album« bezeichnet und gewann den Preis der Deutschen Schallplattenkritik.

KLAUS "MOJO" KILLIAN, vocals, bluesharp, guitar
BERND SIMON, vocals, guitar

Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2017

Nach(t)kritik 

„I´m the most unpredictable musician in history“, sagt Big Joe Maher, der Drummer und Spiritus rector der aus Texas kommenden Formation „Anson Funderburgh & The Rockets“ - der unberechenbarste Musiker der Geschichte also. Bei der 2.Bosco-Bluesnacht wusste man als Zuhörer wirklich nicht, was noch kommen würde an Überraschungen. Nur eines war bald klar: Das Allermeiste war vom Feinsten. Ludwig Seuss hatte mal wieder seine unerschöpflichen Kontakte zwischen Hessen und Houston spielen lassen, um nach der Mojo Blues Band aus Wien und der Hamburger Legende Abi Wallenstein 2016 erneut Erlesenes zu präsentieren. Den Anfang bzw. den „Support“ für den „Main act“ machten Klaus „Mojo“ Kilian und Bernd Simon aus Frankfurt am Main, zwei wirklich hinreißende Haudegen, die seit 1991 gemeinsam unter „Down Home Percolators“ segeln und vor allem den Blues der dreißiger und vierziger Jahre im Gepäck haben: Kilian ist vor allem ein ganz vorzüglicher Bluesharp-Spieler sowie Sänger und Gitarrist, Simon der Gitarrenvirtuose mit einem ganz eigenen, extrem spitzfingrigen Stil. Das Duo verströmt trotz (oder gerade wegen?) seiner hessischen Sachlichkeit glaubwürdig den Staub der Hobo-Zeiten, als die Mississippi Sheiks „Sittin´ On Top Of The World“ komponierten und mit „On Top“ das Kreuz-und-quer-durchs-Land-Fahren oben auf den Zügen meinten. 1968 hat sogar „Cream“ diesen Klassiker gecovert, wie viele andere schon vor ihnen.
Die „Down Home Percolators“ jedenfalls haben auch den Chicago Style drauf, wenn sie mit „Trouble No More“ besingen und beharpen, dass die Frau weg ist und es endlich keinen Ärger mehr gibt. Sympathisch, wie die beiden hessischen Blueser in etwas mehr als 30 Minuten die Raumtemperatur anheizten und den Gastgeber Seuss, der sie einst bei irgendeinem Festival vor 25 Jahren kennengelernt hatte, auch noch in den Klassiker „Sugar Mama“ am Piano integrierten. Dass zuvor noch ein Tribute an den großen Louisiana Red heraussprang, dürfte dem Mann vom Gautinger „Bayoo“ sicher gefallen haben.

Der zweite Teil bzw. Hauptpart des Abends gehörte dann den Texanern um Big Joe Maher und den Wahnsinnsgitarristen Anson Funderburgh, die laut Seuss ihren einzigen Gig in Deutschland ausgerechnet dem Bosco weihten: Zur Band gehört außer dem Bassisten Eric Przygocki und dem Organ-Spieler „Gentleman“ John Street (mit feinem Händchen und Bierruhe gesegnet) auch noch der gebürtige Wiener Christian Dozzler: Gefühlte 2,20 Meter groß und irgendwie an Peter Rubin erinnernd, überraschte der Keyboard- und Akkordeon-Spieler mit der interessanten Stimme auch noch durch Zwischenansagen auf Deutsch: „Jetzt wunderts euch wohl?“ Nein, uns verwundert nichts mehr, denn wenn einer wie Dozzler seit 20 Jahren in Texas lebt, dürfte er es kurz genießen, mal wieder die Muttersprache zu pflegen. Dem „texanischen“ Element wurde freilich auch noch von Big Joe eine gute Portion „Washington D.C.“ beigemischt: Der Mann, der mit seiner Mütze wie ein Veteran aus dem spanischen Bürgerkrieg aussieht und hinter dem Drumset fast zu versinken schien, erzählte vor fast jeder Nummer aus der Deckung heraus eine passende Geschichte, oder er stellte philosophische Betrachtungen an, wie Blueser das so machen, wenn es heißt „Your Turn To Cry“ (großartiges Fundstück) oder „Sometimes Love Is Like That“ - wunderbare Songs von der Vergeblichkeit der Liebe, gekleidet in grimmige Trauer.

Womit wir bei dem erwähnten Wahnsinnsgitarristen Anson Funderburgh wären, musikalisch der eigentliche Chef der Band, der den ganzen Abend nichts sagt und auch kaum singt, sondern nur durch sein Instrument spricht: Sein Spiel kann völlig zurückgenommen sein und wie ein einziger Fadeout wirken, so sanft zupft er die Saiten seiner E-Gitarre. Er hat aber auch den jaulenden Riff des Südens im Repertoire, stets sich messerscharf herausschälend aus dem Duktus der Stücke und doch von unprätentiöser Grazie, wenn man einem Mann so etwas denn bescheinigen kann. Selten kann man durch alle Spielarten des Blues hindurch einen so konzentrierten, so präzisen Gitarristen erleben. Das Publikum, es lauschte genauso konzentriert, bis hin zur Session, bei der auch Ludwig Seuss und „Mojo“ Kilian wieder mitmischten. Die 2.Bosco-Bluenacht war, um mit Big Joe Maher zu sprechen, in der Tat ein Genuss von unvorhersehbaren Ausmaßen.

Pressestimmen 
Bei der Musiknacht im Gautinger Bosco spielen der texanische Gitarrist Anson Funderburgh, seine Band "The Rockets" und der singende Schlagzeuger Big Joe Maher aus Washington Songs zum Niederknien.

Es gibt einige Überraschungen an diesem Abend, aber mit am erstaunlichsten ist, wie dieser merkwürdige Drummer durchstartet. Big Joe Maher aus Washington D.C. sitzt anfangs völlig unbeteiligt da und spielt aus dem Handgelenk mit, sehr locker und wie nebenbei. Trotzdem sieht das aus, als wäre er auf seinem Hocker festbetoniert oder vom letzten Konzert irgendwie übrig geblieben. Ein Mann mit der Beweglichkeit einer Immobilie. Doch dann greift er sich das Mikro, singt erst ein Geburtstagsständchen für "Fräulein Julie", einen weiblichen Fan, und legt schließlich mit einer tiefschwarzen Stimme so gewaltig los, dass alle Sänger vorher wie brave Gesangsschüler wirken.

Ja, so muss der Blues wohl klingen: mühelos swingend, rhythmisch raffiniert und mit Tiefgang, mal im Flüsterton, mal herausgeschrien. Dieser Big Joe Maher singt völlig ungekünstelt und hat einen bemerkenswerten Stimmumfang, allein ihn zu hören, den laut Eigenbeschreibung "unberechenbarsten" Drummer der Musikgeschichte, wäre den Eintritt zu der umjubelten Bluesnacht im vollen Bosco schon wert. Aber der Schlagzeuger gibt kein Solo, er kommt mit einer Band auf die Bühne, die in Texas Legendenstatus hat und in Gauting das einzige Deutschlandkonzert auf ihrer Europatour 2017 gibt: Anson Funderburgh & The Rockets. Und die Formation macht nach ein paar Nummern ihres aus Österreich stammenden Keyboarders Christian Dozzler ("The Blues and a Half", "All about the Music") gerade den Slow Blues zur aufregendsten Sache der Welt.

"Your turn to cry" heißt das Stück, das einem mitten ins Gemüt fährt. Wobei die dramatische Wirkung mit zwei Dingen zu tun hat: mit einem dynamischen Kniff, zwischendrin geht's nämlich ins Piano und sogar Pianissimo, und mit Funderburghs ungewöhnlich vokalem Stil. Dieser zurückhaltende Gitarrist ist wie Maher ein Mann der Herzenstöne. Er spielt nicht das Naheliegende, was die Sache spannend macht. Er schüttelt auch keine Instant-Riffs aus dem Ärmel, sondern hört darauf, was der Song braucht. Wer einschmeichelnd warmen Sound erwartet, ist bei ihm an der falschen Adresse. Seine Stratocaster klingt scharf schneidend an der Grenze zum Schrillen. Zwischen seinen kraftvollen, jazzig angehauchten Linien lässt er Luft, Bendings setzt er recht dezent ein, Plattitüden spart er sich. Und so wirkt Funderburghs Spiel ungemein frisch, überraschend, auf den Punkt und außerdem wie das Gegenstück zur weit verbreiteten Griffbrettraserei.

Im Endeffekt ist diese von dem Pianisten Ludwig Seuss organisierte Bluesnacht ohnehin ein Plädoyer für den Old Style im Blues und die Stärken des Minimalismus. Schon die Down Home Percolators aus Frankfurt machen das vor: Harp und Akustikgitarre, zweistimmiger Gesang - so funktioniert sogar Duke Ellingtons "Don't get around much anymore" und Songs von Muddy Waters, den Mississippi Sheiks ("Sitting on top of the World"), Woody Guthrie und Louisiana Red sowieso. Klaus Killian und Bernd Simon spielen "alten Kram aus den Dreißiger- bis Fünfzigerjahren", wie sie sagen, und das erdig, pfeilgerade, mit viel Groove und ohne Schnörkel. Killian ist an der Mundharmonika eine Wucht, er lässt sein Instrument quäken, klagen oder glasklar klingen, verzettelt sich in seinen Alleingängen aber nicht. Simon steuert ein paar vor Kraft strotzende Solos bei, weniger ist eben doch manchmal mehr.

Was natürlich genauso für Funderburgh & The Rockets und ihren phänomenalen Schlagzeuger gilt. Bassist Eric Przygocki beispielsweise hält so clever mit der Bassdrum mit, dass man ihn kaum wahrnimmt, Gentleman John Street legt seine Orgelakkorde wie feingewirkten Teppich aus, und der singende Keyboarder Dozzier ist als Pianist ebenfalls ein Mann der alten Schule. Die Band hat noch einen zweiten Slow Blues auf Lager, der auch wieder in den Flüsterton zurücksinkt, aber mehr nach Tom Waits und "Down by Law" klingt, dazu eine Zydeco-Nummer von Clifton Chenier ("I'm coming home") und den Song "What the hell were you thinking", den Tom Hambridge und die Grammy-Gewinner Delbert McClinton und Kevin Kevin McKendree offenbar wegen des Textes dem unberechenbarsten aller Schlagzeuger überließen. Dazu gibt's etliche schnelle Nummern wie Mahers mitreißenden Blues "Thunder and Lightning" und zum Finale eine kleine Session mit Seuss und Killian.

Bleibt nur noch die Frage, warum auf Big Joe Mahers Bassdrum der Namenszug Claudia Koreck prangt. Die Sache ist die: Das Vintage-Set stammt vom Drummer der Ludwig-Seuss-Band, der auch für Koreck trommelt. Und so viel Zeit, die Schrift wegzumachen, war nicht mehr.