Veranstaltungsinfo

Do, 21.05.2015
20.00 Uhr
Klassik
25,00 €
Christel Lee, USA, Violine - Foto: Daniel Delang
Florian Mitrea, Rumänien, Klavier
Yura Lee, Südkorea, Viola - Foto: Daniel Delang
Bruno Philippe, Frankreich, Violoncello - Foto: R. Daniel Delang

ARD-Preisträger: 2. Konzert

Die Preisträger des Internationalen Musikwettbewerbs der ARD werden während einer kurzen, intensiven Probenphase ein für das Festival der ARD-Preisträger ausgewähltes Programm erarbeiten. Die Künstler treffen sich im Rahmen dieser Tournee meist das erste Mal als Kammermusikpartner. In unterschiedlichen Ensemble-Formationen werden sie in diesem Jahr voraussichtlich Werke von Beethoven, Brahms, Fauré, Haydn, Kodály, Mozart und Schubert spielen und in Gauting an zwei Abenden mit unterschiedlichen Programmen zur Aufführung bringen.

BESETZUNG
Christel Lee, USA, 2. Preis Violine + Publikumspreis
Yura Lee, Südkorea, 1. Preis Viola
Bruno Philippe, Frankreich, 3. Preis Violoncello
Florian Mitrea, Rumänien, 3. Preis Klavier

PROGRAMM
BEETHOVEN Klavierquartett op. 16, Es-Dur Sonate für Violine und Klavier nr. 8, G-Dur, op. 30 nr. 3
SCHUBERT Streichtriosatz D 471 B-Dur
BRAHMS Klavierquartett op. 25, g-Moll

Christel Lee (*1990) studierte an der Juilliard School in New York, wo sie 2011 ihren Bachelor of Music abschloss. Solistisch trat Christel Lee unter anderem mit dem Vancouver Symphony Orchestra und dem Bangor Symphony Orchestra auf. Sie musizierte bei zahlreichen Festivals in Nordamerika und Europa.

Yura Lee (*1985) ist als Bratschistin genauso erfolgreich wie als Geigerin. Als Violinistin erhielt sie den 1. Preis und den Publikumspreis beim Internationalen Violinwettbewerb Leopold
Mozart 2006, im gleichen Jahr war sie außerdem Preisträgerin des Internationalen Violinwettbewerbs von Indianapolis und des Internationalen Violinwettbewerbs Niccolò Paganini in Italien.
Sie konzertierte u.a. mit dem Tokyo Philharmonic Orchestra, und dem New York Philharmonic Orchestra unter Lorin Maazel.

Bruno Philippe (*1993) studierte an Konservatorien in Paris, wo er im Juni 2014 seinen Master mit Auszeichnung erhielt. Er spielte bei diversen Festivals und gewann internationale Preise, u.a. den Nicolas-Firmenich-Preis beim Verbier Festival (Schweiz).

Florian Mitrea (*1989) studierte bis 2014 an der Royal Academy of Music in London, wo er im Juli 2014 seinen Master mit Auszeichnung erhielt. Er erspielte sich 1. Preise bei mehreren internationalen Wettbewerben, auch mit verschiedenen Kammermusik-Ensembles war er bei Wettbewerben erfolgreich.

 
Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Nach(t)kritik 
Selbstverständlich fühlen sich Musiker wohler, wenn sie spüren, ein begeisterungsfähiges und wohlwollendes Publikum vor sich zu haben. Erst recht, wenn sie auf derselben Bühne schon einen Erfolg erlebt haben. So traten denn auch die vier Preisträger des Internationalen ARD-Musikwettbewerbs an ihrem zweiten Konzertabend schon wesentlich entspannter, wenn auch nicht minder konzentriert auf die bosco-Bühne. Das anfängliche Fremdeln legte sich rasch, und der Weg von der Wiener Klassik in die Romantik Wiens im schlüssigen Programm Musikern wie Publikum zu Füßen.

Beethoven war in etwa im Alter der vier Musiker, als er sein Werk Es-Dur op. 16 schuf. Ursprünglich als Quintett für Klavier und Bläser (Klarinette, Oboe, Horn und Fagott) – von den vielen großartigen böhmischen Musikern in Wien dazu animiert – geschaffen, erleichtert die klavierkonzertante Anlage die Übertragung, die es tatsächlich in unzähligen instrumentalen Varianten auch gibt. Hier als Klavierquartett interpretiert, wirkte es etwas weniger sinfonisch als es die Originalfassung tut. Im Grunde hätte es dadurch dem Vorbild Mozarts KV 452 näher stehen müssen, doch vermochten die großartigen Kammermusiker den ureigenen Impetus Beethovens dennoch klar herauszuarbeiten. Die schroffen Kontraste und Wendungen erklangen hier subtil gemildert, dennoch mit beethoven-gerechtem Gewicht. Christel Lee (Violine), Yura Lee (Viola), Bruno Philippe (Violoncello) und Florian Mitrea (Klavier) nahmen sich auch die nötige Zeit, das Andante im Ebenmaß geduldig auszuspielen. Das Rondo-Finale erhielt schließlich eine gewisse improvisatorische Frische. Die kunstvolle Coda musste konsequenterweise auf eine allzu prägnante Ausgestaltung verzichten und wirkte vielmehr durch ein unterschwelliges Auf und Ab in der Spannung.

In der Sonate für Violine und Klavier G-Dur op. 30/3 offenbarte sich schon ein selbstbewusster Beethoven, dem Christel Lee nun mehr Vitalität und virtuose Schöpferkraft zugestand, höchst einfühlsam, musikalisch und technisch präzis von Mitrea umgarnt. Der Kopfsatz kraftvoll-burlesk, das Tempo di Minuetto in zärtlicher Lyrik, bis zum ausgelassen tänzelnden Ländler stets im blühenden koloriert, ließ das Duo erstmals im Schlusssatz die Zügel etwas locker, um mit einem wirbelnden Finale zu begeistern.

Wollte man das Programm mit einem viersätzigen Werk gleichsetzen, so folgte diesem Scherzo nun der lyrisch-verhaltene, ja langsame Satz: der Streichtrio-Kopfsatz des unvollendeten Werkes B-Dur D 471 von Schubert. Noch ganz im Geist Mozarts und Haydns, wie sie Schubert als 19jähriger zu seinen Vorbildern erwählt hatte. Eine wunderbar erfrischende und geradezu harmlose Einlage, die dem großen Finale mit dem Klavierquartett g-Moll op. 25 von Brahms einen imposanten Auftritt verschaffte. Hier durfte nun nicht gekleckert werden, handelt es sich doch um das Gesellenstück des Komponisten, mit dem er erstmals das Wiener Publikum als Pianist und Komponist für sich gewinnen wollte. Es war ihm vor allem dank des damals in Mode stehenden ungarisch-zigeunerischen Impetus gelungen. Doch die vier ARD-Preisträger ließen es nicht sogleich krachen. Auch hier nahmen sie sich Zeit, den Weg auf das packende Rondo alla Zingarese zu einer langsamen, doch umso weiteren Entwicklung zu unterziehen. Mit vielen kleinen musikantischen Kunstgriffen schaukelten sich die Wogen raffiniert hoch. Zauberhaft das verhaltene Intermezzo von betörender Klangsinnlichkeit. Der triumphale Höhepunkt im Andante, mit einer soliden Entwicklung aus einem Trugschluss heraus vorbereitet, blieb jedoch recht beherrscht, für den selbstbewussten jungen Brahms vielleicht allzu geistreich ausgebremst. Den jugendlichen Übermut gestand ihm das homogene Ensemble erst im Rondo alla Zingarese zum Schluss zu, mit einer großartigen Vorstellung instrumentaler Beherrschung bis hin zu klanglichen Imitaten volkstümlicher Instrumente, die das Csárdás-Finale umso authentischer wirken ließen. Der virtuose Kracher musste geradezu phrenetische Ovationen auslösen. Und sie waren zweifelsohne gerechtfertigt.