Veranstaltungsinfo

Fr, 25.09.2015
20.00 Uhr
Jazz
Musik
22,00 €
Axel Zwingenberger & Lila Ammons - Foto: www.dobias.at

Axel Zwingenberger & Lila Ammons: Ammons meets Zwingenberger

Axel Zwingenberger, der legitime Erbe der großen Blues- und Boogie-Piano-Meister, musiziert gemeinsam mit Lila Ammons, der faszinierenden Sängerin, Enkelin von Albert Ammons und Nichte von Gene Ammons. Swingende, groovende Emotionalität: »Ammons meets Zwingenberger«
Lila und Axel bestritten ihren ersten gemeinsamen Auftritt 2007 beim Blues Fest in Cincinnati, Ohio, USA. Dort begann diese wirklich internationale Kooperation der in Chicago geborenen Sängerin und dem Hamburger Pianisten. Mittlerweile haben sie Tourneen in ganz Europa gepielt, in Brasilien genauso wie 2012 in New York City im Lincoln Center und The Iridium Jazz Club. Das warme Timbre ihrer Stimme, gepaart mit der klaren Artikulation betont die wunderbaren Bluesgeschichten, die das Duo swingend und mit viel Gefühl vorträgt, immer unterstrichen von der excellenten Pianobegleitung, die Axel in jahrzehntelanger Erfahrung im Zusammenspiel mit herausragenden Bluessängern wie Big Joe Turner, Sippie Wallace und anderen entwickelt hat. Lilas und Axels gemeinsame CD "Lady Sings The Boogie Woogie" ist 2009 erschienen. Sie enthält 20 der schönsten Blues‐ und Boogie Woogie‐Songs aus der "Goldenen Epoche" der Sänger‐Piano‐Teams.
Der Münchner Merkur schrieb über ein Konzert der Künstler: “Grauer Anzug, ein jungenhaftes Lächeln unter dem langen Pony, wirbelnde Finger auf den Klaviertasten – Axel Zwingenberger, wie er leibt und lebt. Aber was ist das? Grasgrün und glänzend stechen sie sofort ins Auge – Zwingenberger hat am Montagabend seine üblichen red Shoes in grüne umgetauscht. Die Veranstalterin hat eine Erklärung: „Grün ist die Farbe des Herzens.“ Die Bedeutung dieser Worte wird klar, als Lila Ammons, Enkelin des legendären und charismatischen Boogie Woogie‐Pianisten Albert Ammons, die Bühne betritt. Der King of Boogie Woogie hat sich eine Königin mitgebracht – die Queen of Blue Notes. Eine Lady von Kopf bis Fuß, deren überschäumendes Temperament keinen im Publikum kalt lässt. Quasi sekundenschnell springt der Funke über. Ihre emotionsgeladene Stimme elektrisiert nicht nur das Publikum, sondern fordert auch Zwingenberger zu Höchstleistungen heraus. Gegen soviel gelebte Bühnenpräsenz muss Mann sich schließlich behaupten. Hatte der bekennende Dampflokomotiven‐Freak schon zuvor das Publikum mit einigen Stücken, die das stampfende Rollen einer Dampflok in Töne fassen, begeistert, legte er sich jetzt so richtig ins Zeug. Frei nach dem Motto: „Let’s start a Boogie Woogie‐Party!“ Im Stile großer klassischer Blues‐Sängerinnen hielt Lila Ammons dagegen und schickte einem charmantem „I’m very happy to be here tonight!“ einen zeitlosen Song für die Damen im Publikum hinterher: „Women be wise“. In Folge beförderte sie zusammen mit Zwingenberger eine Perle aus der Welt ihres Großvaters nach der anderen ans Licht. Wahre Kleinode des frühen Blues in glanzvollen Interpretationen dieses unvergleichlichen Duos. Der Meister des Grooves ließ seine Finger noch eine Idee virtuoser über die Tasten tanzen, Lila Ammons legte viel Gefühl in ihre Melodien und das Publikum war nicht mehr zu bremsen und klatschte enthusiastisch mit.”
Erleben Sie einen Abend wie den beschriebenen!
Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
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2015

Nach(t)kritik 
Im Grunde sind die Übergänge vom Boogie-Woogie zum Blues fließend. Das liegt daran, dass sich der Boogie des Blues-Schemas bedient. Und Axel Zwingenberger bewegt sich auf diesem Feld geradezu schlafwandlerisch, zwischen den beiden Polen gewandt changierend. Es hatte schon etwas Schelmisches an sich, wie er sich schmunzelnd dem Publikum zuwandte, während die Piano-Walze unerbittlich rollte. Vor wenigen Monaten ist Zwingenberger 60 geworden und spielt schon seit 43 Jahren Boogie-Woogie und Blues. Lang genug, um die Finger alleine arbeiten zu lassen. De facto wussten die auch exakt und mit Uhrmachers Präzision, was zu tun war. Trotz virtuoser Fingerakrobatik ließ er von etwaiger Anstrengung nicht das Geringste spüren. Schon gar nicht hören. Axel Zwingenberger spielt das Klavier, wie andere Menschen die Zeitung lesen: entspannt und mit Vergnügen.

Dass ein Hamburger Boogie-Geschichte schreibt, ist im Grunde kurios genug, lag doch der Ursprung dieser Musik in den Händen schwarzer Bluesmusiker in den USA. Einer davon war Albert Ammons, der es schaffte, in seinem kurzen Leben von nur 42 Jahren zur Legende zu werden. Dass seine Enkelin, die Blues- und Jazz-Sängerin Lila Ammons, hier mit Zwingenberger auftrat, adelte das ausverkaufte Ereignis. Ursprünglich war sie nach klassischem Gesangsstudium Opernsängerin geworden, doch davon war hier wenig zu spüren. Ammons versteht es, mit ihrer warmen Altstimme mühelos die klassische Gesangstechnik gegen den bauchgefühlgesteuerten Jazz-Gesang zu tauschen und das natürliche Vibrato weitgehend unter Kontrolle zu halten.

Der euphorische Jubel des Publikums zeigte allerdings, dass sich hier vor allem die Boogie-Anhänger eingefunden haben, um Zwingenbergers solistisches Boogie- und Blues-Spiel zu hören. Davon bekam es auch mehr als genug. Klassiker wie „Boogie Woogie Stomp“ (von Albert Ammons) oder „Suitcase Blues“ waren denn auch zweifelsohne Höhepunkte im Programm und sorgten für Begeisterung. Nicht minder die eigenwilligen Eigenkompositionen Zwingenbergers wie der „Blues-Moms Boogie“, im blitzblanken Ebenmaß, „Madhatten Boogie“, der langsame Blues „Long lost love“ oder der lässig-melodiöse „Five Spot Stomp“.

Absolute Publikumslieblinge sind aber offenbar all die Titel, die irgendwie etwas mit der guten alten Dampflock zu tun haben. Zweifelsohne: Keine andere Musik gibt das gnadenlos vorantreibende Rattern einer Dampflok besser wieder als der Boogie Woogie. Es ist nur folgerichtig, dass Zwingenberger ein bekennender „Dampflokfreak“ ist, der sich aktiv für die Erhaltung dieses Kulturguts einsetzt. Es war sogleich auch zu spüren, dass da eine Menge Emotionen dahinter stecken, als er den „Boogie Train mystic“ wesentlich differenzierter in Klang und Durchformung rollen ließ. Sein gnadenlos exaktes Rhythmusstampfen war nun nicht nur Mittel zum Zweck, sondern auch die akustische Umsetzung der schnaufenden und pochenden Loks. Natürlich durfte hier keinesfalls der „Honky Tonk Train Blues“ von Meade Lux Lewis fehlen. Das monotone, extrem repetitive Rattern ist schon eine geradezu klassische Nummer, die Zwingenberger engagiert zum Klingen brachte.Dennoch ist gerade die unermüdlich voran hastende Bassmaschinerie, mit monoton repetitiv eingesetzten Motiven auf die Dauer doch allzu einförmig. Lila Ammons‘ Stimme durchbrach geradezu diese Monotonie und bot willkommene Abwechslung. Die einfühlsame Formung etwa vom leichten, melodiösen „When I was loving you“ oder dem lässigen „Breakfast Blues“, die Emmons erzählerisch-suggestiv vortrug, brachte auch differenzierte Klänge ins Spiel. Begeisterter Applaus und mehrere Zugaben.