Veranstaltungsinfo

So, 05.11.2017 bis So, 17.12.2017
16:00 Uhr
Ausstellung
Eintritt frei

Anne Kirchbach: "Cello on Tour" & "Opernsänger expressiv"

Nicht die Musiker, nicht die Instrumente, sondern die Cellokästen werden zu Protagonisten auf den Bildern von Anne Kirchbach. Ergänzt wird die Ausstellung durch Fotos mit dem Thema "Opernsänger expressiv" aus aktuellen Produktionen der Bayerischen Staatsoper und der Salzburger Festspiele.
Die Theater- und Portraitfotografin Anne Kirchbach war viele Jahre Hausfotografin an der Bayerischen Staatsoper und arbeitet nun als freie Fotografin. Den Schwerpunkt ihrer Arbeit bildet die Fotografie von Oper, Orchestern und Künstlerportraits. Anne kirchbach lebt in Starnberg. Auf verschiedenen Reisen mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks entstand der Werkzyklus »Cello on Tour«. Nicht die Musiker, nicht die Instrumente, sondern die Cellokästen werden zu Protagonisten auf den Bildern. Anne Kirchbach erinnern die weißen Cellokästen in ihrer Form an Fruchtbarkeitsidole der griechischen Kykladen. Die Bilder zeigen das faszinierende Eigenleben der Transportkästen, von denen man meint, sie erwachen zum Leben. Ergänzt wird die Ausstellung durch Fotos mit dem Thema "Opernsänger expressiv" aus aktuellen Produktionen der Bayerischen Staatsoper und der Salzburger Festspiele. Die Ausstellungseröffnung wird musikalisch umrahmt durch Eva-Christiane Laßmann (Violoncello) und Claudia Popp (Klavier). Auch das Cello von Eva-Christiane Laßmann war auf den Reisen mit dabei.

Einführung Gabriele Luster, Kulturredakteurin
Musikalische Umrahmung Eva-Christiane Laßmann (Violoncello) und Claudia Popp (Klavier) spielen Werke von Cassadó, Fauré und Piazzolla
Dauer der Ausstellung 05.11.2017 - 17-12.2017
Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2017

Nach(t)kritik 
 
Gran Canaria, Amsterdam, Tokio, Bonn – ein Cellist des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks kommt viel herum. Und mit ihm sein Cello. In einem stoßfesten, weißen Cellokasten reist es mit ihm um die Welt - in den Fotografien von Anne Kirchbach wird der Kasten selbst zum Reisenden. Die Kästen, mal geschultert, mal angeschnallt auf den Passagiersitzen auf dem Flug nach Gran Canaria, mal wartend am Gepäckband auf dem Flughafen oder abgestellt am Bühnenrand haben etwas Figürliches, ja, man erkennt doch deutlich Personen in ihnen: Auf den kurvig geschwungenen Körpern sitzen Hals und Kopf, nur Arme und Beine fehlen. Sie sind stumme, sehr geduldige Mitreisende, oftmals leicht ramponiert, mal mit Aufklebern versehen, immer zu Diensten des Musikers, Kasten auf, Cello rein, Kasten zu.
 
Kirchbach war über 20 Jahre lang Hausfotografin an der Bayerischen Staatsoper, heute arbeitet sie als freie Fotografin und begleitet unter anderem das Bayerische Symphonieorchester auf seinen Reisen. Die Celli in ihren weißen Behausungen, die nicht wie die Violinen oder die Bässe im Bauch des Flugzeugs als Gepäckstücke verschwinden, sondern stets mit an Bord dürfen, haben sie in all den Jahren an irgendetwas erinnert. Eines Tages wurde ihr klar, woran: an die Furchtbarkeitsidole der griechischen Kykladen. Die optische Verwandtschaft der Cellikästen mit den archaischen Darstellungen dokumentiert die Fotografin in einem Bild, das sie ganz beiläufig in den Cellokasten-Bilderzyklus einreiht. Die Assoziation war die Initialzündung, wie die Fotografin sagt, seitdem ist sie den weißen Reisebegleitern auf der Spur. Die Bilder wirken wie Schnappschüsse, sind nie gestellt, sondern immer aus dem Moment heraus entstanden. Und sie haben Witz. Auf einem Bild wirkt es, als würde einer der personifizierten Kästen hinter einem Türspalt stehen und beobachten. Bei einem Auftritt in Taormina erscheint es, als schauten sie vom Bühnenrand aus aufmerksam der Darbietung zu.
 
Wechselnde Perspektiven
 
Kirchbach zeigt im Bosco zwei Bilderzyklen – Cello on Tour und Opernsänger expressiv, wie sie die ausgewählten szenischen Porträts der Opernstars bezeichnet, die alle in den letzten zwei Jahren bei den Salzburger Festspielen oder in der Bayerischen Staatsoper aufgenommen wurden. Der Ausstellungsbesucher wechselt dabei die Perspektive: In der Betrachtung der reisenden Cellikästen wird er als Beobachter hinter die Kulissen des Orchesterbetriebs geführt. Beim Anblick der Opernsängerporträts wiederum ist er ganz Betrachter im Zuschauerraum, der einen Moment der großartigen Bühneninszenierung erlebt. Kirchbach hat absichtlich jene Opernstars für die Ausstellung ausgesucht, die expressiv ihren Figuren Konturen verleihen. Kirchbach muss als Fotografin mit dem auskommen, was ihr geboten wird, Szenenbild, Licht, Mimik. Was den Bildern ihre ganz eigene Handschrift verleiht, ist der Moment in dem sie auf den Auslöser drückt, der die Szene einfriert und aus der wiederum alles sprechen muss: der Charakter der Figur und die Musik.
 
So ist ein eindrucksvolles Bild einer entfesselten Sara Maria Sun entstanden, die mit wild fliegenden Haaren die Elsa in Lohengrin gibt, da ist eine Anja Kampe als Brünnhilde zu sehen, ein Steckenpferd schwingend, in der Walküre. Kirchbach ist Opernkennerin durch und durch, sie weiß, wann Stars wie Anna Netrebko als Leonora, Placido Domingo als Graf Luna in Il trovatore oder Barbara Hannigen als Marie in Die Soldaten ihre großen Momente haben. Besonders stimmungsvolle Bilder sind die Szenen aus der Walküre oder die tanzende Gesellschaft im Gegenlicht in Guillaume Tell. Nur einmal weicht Kirchbach von der reinen Dokumentation ab und erlaubt sich eine Stellungnahme, wie sie es nennt: als sie das Porträt von Elina Garanca als Léonore in La favorite nachträglich so bearbeitet, dass die Léonore ganz als Diva, cool wie ein Popstar, im sündig roten Mantel daherkommt.
Kirchbach sagt, sie hört die Musik der fotografierten Szenen, wenn sie ihre Bilder betrachtet. Das geht nicht nur ihr so. Der Ton ist ganz leise gedreht, doch wer genau hinhört, kann die Musik wahrnehmen, die starken Stimmen, die aus den Bildern klingen.
 
Pressestimmen 
Anne Kirchbach, die langjährige Hausfotografin der Bayerischen Staatsoper, zeigt im Gautinger Bosco ihre Bilderserien von Sängern und weißen Cellokästen, die scheinbar zum Leben erwachen

Da sind sie wieder: die höchst eigenwilligen Fotos, die Anne Kirchbach von den Cellokästen des BR-Symphonieorchesters gemacht hat, wenn sie als Orchesterfotografin auf Konzertreisen dabei war. Die Bilder sind nicht ganz neu, sie waren auch in der Region schon in Ausstellungen zu sehen und sie sind noch mit einer analogen Kamera entstanden. Aber auch diesmal, bei der Vernissage von Anne Kirchbach im Gautinger Bosco, waren es nicht die großen Opernstars auf den übrigen Fotos der Ausstellung, über die allenthalben gesprochen wurde, sondern es waren eben jene, meist schon ein bisschen schmutzigweißen Instrumentenkästen.

Die Cellokästen sind Zaungäste und stumme Zeugen des großen Geschehens in den Konzertsälen der Welt. Sie stehen hinter den Kulissen, sie liegen auf den Gängen zur Garderobe oder sie ruhen während einer Probe aufgeklappt in den leeren Stuhlreihen des Konzertsaals. Im Flugzeug reisen sie auf eigenen Sitzen, sie werden angeschnallt und lehnen sich wie die übrigen Orchestermitglieder müde zurück.

Beim Einchecken im Hotel warten sie brav wie ein Hund hinter ihrem Besitzer, geht er später durch die Straßen der fremden Stadt, weisen sie ihn für jeden schon von weitem gut sichtbar als Künstler aus. Und kommt der Orchestermusiker schließlich mit seinem Cellokasten in der Hand an einer Reklametafel für ein Spielcasino vorbei, auf der in großen Lettern die Aufschrift "Go Play" prangt, dann ist der Moment für Anne Kirchbach gekommen, die genau jetzt auf den Auslöser drückt.

Warum die Cellokästen damals alle weiß waren, dafür hat Anne Kirchbach keine Erklärung. Aber es war wohl nicht so sehr die markante Form, sondern eben diese helle Farbe, durch die sie auf die mitreisende Gesellschaft der Cellokästen aufmerksam geworden ist. Jede Ausbuchtung wirft auf der weißen Fläche einen scharfen Schatten, sodass man schon mal an eine Nase, einen Mund oder eine Augenbraue denken kann. Die Fotografin dachte noch ein bisschen weiter und sah auf einmal merkwürdige Gestalten, die sie an die marmornen Kykladenidole aus der Jungsteinzeit und der frühen Bronzezeit erinnerten. Und so waren die weißen Instrumentenkästen für sie zum Leben erwacht, immer wieder wurden auch sie zu Protagonisten ihrer wundersam erzählerischen Bilder.

Und vielleicht ist damit schon das Geheimnis der Fotografin Anne Kirchbach erklärt: Sie kommt nicht nur schnell vorbei, um ein Foto zu machen, sondern sie bleibt da, sie schaut genau hin und sie hat Geduld. Anne Kirchbach ist in der Welt der Musik und mehr noch in der Welt der Oper zuhause. Sie kennt nicht nur jeden Sänger, sondern auch jedes Werk und jede Arie. Sie versteht es, auf den Moment des höchsten Ausdrucks zu warten und Bilder zu machen, die diesen musikalischen Ausdruck ganz ohne Ton, nur durch Körperhaltung und Mimik wiedergeben. "Opernsänger expressiv" heißt die zweite Bildserie in dieser Ausstellung, alle Aufnahmen stammen aus aktuellen Produktionen der Bayerischen Staatsoper und der Salzburger Festspiele. Es sind Fotografien, die gleichsam mitten im Bühnengeschehen, dabei aber scheinbar völlig mühelos, wie en passant entstanden sind. Wie sie das macht, darüber spricht die Fotografin nicht. Sie verrät auch ihr Alter nicht, und sie versteht es bestens, auf Fragen ausweichend zu antworten, ebenso wie sie es versteht, bei ihrer eigenen Vernissage weitgehend im Hintergrund zu bleiben, obwohl doch so viele Starnberger da sind, um sie zu feiern. Anne Kirchbach ist in Starnberg aufgewachsen, seit einigen Jahren lebt sie auch wieder dort. Von 1970 bis 1994 war sie fest angestellt als Hausfotografin an der Bayerischen Staatsoper, zuvor absolvierte sie eine Ausbildung in einer Londoner Werbeagentur und studierte an der Münchner Akademie für Foto-Design. Seit 1995 arbeitet sie als freie Fotografin. Als Vorsitzende des Vereins "Sozialwerk Starnberg" wurde sie 2016 mit der Bezirksmedaille des Bezirks Oberbayern ausgezeichnet. Aber das erzählt sie natürlich nicht. "Frau Kirchbach verrichtet ihre ehrenamtliche Arbeit still, beharrlich und optimistisch", sagte Bezirkstagspräsident Josef Mederer in seiner Laudatio - und das würde wohl auch auf ihre Arbeit als Fotografin passen.