Veranstaltungsinfo

Sa, 11.11.2017
19.00 Uhr
Kabarett
Musik
22,00 / 10,00 €*
* Vorverkauf ab 08.07.2017

Gogol & Mäx: Concerto Humoroso – Das Geburtstagskonzert

Clowneske Musik-Akrobatik für Jung & Alt, für Kinder ab 8 und die ganze Familie
Wenn im ehrwürdigen Konzertsaal klassische Musik erklingt und sich das Publikum vor Lachen und Staunen kaum auf den Stühlen halten kann, dann sind die Musikkomiker Gogol & Mäx am Werk. Was für ein Glück fürs Publikum, dass Maestro Gogol, dieser eitle Tastenlöwe alter Schule, vor 25 Jahren und über 2500 Theaterabenden im In- und Ausland, den genial-anarchistischen Erzkomödianten Mäx als seinen persönlichen Orchesterdiener engagiert hat. Gut zwei Dutzend Instrumente und ihre musikalischen und artistischen Lieblingsszenen haben die Publikumsverzauberer im Jubiläumsgepäck.

Zwei herzerfrischende Stunden größter Heiterkeit und Freude über und mit zwei Großmeistern des musikalischen Lachtheaters sind garantiert.

"Große Kunst, nach der der Jubel im Saal zu Recht kein Ende nehmen wollte."
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2017

Nach(t)kritik 

Wie konnten wir leben ohne die Clowns? Es ist bestimmt fünfzehn oder mehr Jahre her, dass Gogol und Mäx - damals noch in der Turnhalle der Hauptschule - zuletzt zu Gast in Gauting waren. Und auch, wenn die Zuschauer von damals aus den Kinderschuhen heraus und wohl auch sonst nicht mehr dieselben sind: Christoph Schelb alias Gogol und Max-Albert Müller alias Mäx scheinen um keinen Tag älter geworden zu sein. Im Gegenteil.

„Concerto Humoroso“, lautet bescheiden der Titel des aktuellen Programms. Tatsächlich war es ein Feuerwerk an Musikalität und Akrobatik, an Witz, Situationskomik, Virtuosität und Körperbeherrschung. Die Grundidee ist scheinbar simpel: Gogol will ein klassisches Klavierkonzert geben, ein Soloprogramm für eine Virtuosen mit den gängigen Titeln der Pianoliteratur. „Concerto Piano solo“, verkündet er immer wieder nach Angabe der Titel, die er zu spielen plant, Werke von Chopin, Schumann, Beethoven oder Bach. Doch kaum beginnt er, entdeckt Mäx, der zunächst als Faktotum dem Künstler Gogol die Frackschöße gerichtet, den Klavierdeckel geöffnet und das Publikum entsprechend angeheizt hat, irgendwo im Raum einen Gegenstand, der sich zum Musizieren anbietet, und beginnt, das Solo serioso in ein Duo infernale zu verwandeln. Mal ist es ein Arsenal an kleineren und größeren Kuhglocken, mal ein Xylophon aus Glas, das Mäx bearbeitet und dem er derart groovige Sounds entlockt, dass Beethovenbachschumann zu Jazz oder Blues werden, zu Balladen von unglaublich melancholischer Schönheit oder zu swingenden Superlativen an Sound.

Natürlich lässt Gogol sich das nicht so ohne weiteres gefallen. Doch sobald er versucht, einzugreifen oder sich zu wehren, entsteht ein solcher Tumult, dass einzig waghalsigste Akrobatik die Situation noch zu retten vermag. Da muss er sich, um Mäx am Mitspielen zu hindern, rücklings über den Klavierrücken werfen und von dort die Tastatur bearbeiten (was zu einem atemberaubenden vierhändigen Klavierrückensalto führt); da muss er mit einer windigen Leiter über ein Bühnengestell einen hoch oben befestigten Notenständer erklimmen oder am Ende gar über eine zwischen Klavier und Tuba gelegte Teppichstange balancieren. Und auch, wenn zarter besaitete Gemüter schon die Hand vor die Augen pressen: es gelingt - in bezaubernder, höchst charmanter, stets gefährdeter Schönheit. Piano solo scheint zu siegen.

Doch das Imperium schlägt zurück, in Form eines ohren- und lachmuskelbetäubenden Krieges der Bläser. Mäx schafft mit Lungenvolumen, Gartenschläuchen und verschiedenen Blasinstrumenten einen Luftangriff, der seinesgleichen sucht. Und während Gogol noch mit Tuba auf dem Kopf in die Tasten haut, geistert Mäx mit noch größerem Blech über die Bühne und lehrt alle das Gruseln. Concerto horribile con spirito giganto.

Das Publikum, rasend vor Begeisterung durch alle Generationen, erkämpft sich Zugabe um Zugabe und bekommt ein großartig groteskes Geschenk aus schrägem Klavier und noch schrägerem Saxophon - beides wörtlich und musikalisch gelöst. Was für ein Abend an diesem 11.11. - ein besserer Auftakt in die närrische Zeit wäre nicht denkbar gewesen.

Pressestimmen 
Die Musikartisten vermischen im Bosco Klaviersolos, tollkühne Artistik und Clownerien. Heraus kommt ein fantastisches Konzert.

Das gibt es nicht so oft im Bosco in Gauting: Schon am Eingang des Kulturhauses wird am Samstagabend klar, dass eine ganz besondere Vorstellung auf dem Programm steht. Denn neben dem vorwiegend grau- und weißhaarigen Abonnement-Publikum quirlen Jugendliche und Kinder durchs Foyer. Vor Beginn des "Concerto Humoroso" mit Gogol & Mäx. Die Erwartungen sind hoch, kaum haben Christoph Schelb alias Gogol und Max-Albert Müller alias Mäx die Bühne im Stil eines Musiksalons betreten, empfängt sie Applaus. Gogol, der feine Virtuose mit Mittelscheitel, begibt sich ans Klavier, Mäx, das Helferlein mit fliegender grauer Haarmähne, rückt dem Pianisten den Hocker zurecht, ordnet dessen Frackschöße, öffnet den Klavierdeckel - und los kann's gehen.Gogol hat vor, ein klassisches Klavierkonzert zu geben mit Werken von Chopin, Schumann, Strawinsky, Beethoven oder Bach, jeweils ein "Concerto Piano solo". Doch kaum hat er den Namen des Werkes angesagt und die ersten Noten seines Solos gespielt, kommt Mäx mit einem anderen Musikinstrument an und spielt entweder mit oder konterkariert das Concerto mit einer neuen Melodie. Oder er kramt aus einem der zahlreichen Kisten und Kästen ein einfaches Haushaltsobjekt hervor, dem er dann einen eigenen Rhythmus entlockt und den Klängen von Schubertbeethovenbachmozart entgegensetzt. Das können Handschrubber sein, ein Gartenschlauch, eine Säge, ein Trichter, Mäx verwandelt alles in Musik. Zum Missfallen von Gogol stimmt er immer aufs Neue den spanischen Ohrwurm "La Cucaracha" an.

Die Kinder lieben ihn dafür, Stören kann so schön sein. Mäx, der riesige Clownschuhe und eine Schlabberhose mit Hosenträgern trägt, watschelt über die Bühne und findet immer neue Möglichkeiten, um den Maestro bei seinen Soli zu behindern. Da steigt er auch schon mal aufs Klavier und greift von oben in die Tasten, da entlockt er einer Sammlung von Kuhglocken einen hippen Sound, benützt er einen Gartenschlauch mit Trichter als Trompete, eine Tonne als Schlagzeug. Mäx, Jahrgang 1956, ist am 29. Februar geboren, also irgendwie mitten in der Pubertät. Seit 25 Jahren spielt er mit Gogol zusammen, der ebenfalls Akrobat ist und sich zu helfen weiß. Als es ihm zu bunt wird, steckt er den Störenfried kurzerhand in die Tonne. Nur noch die langen Schuhe des Clown schauen heraus, doch dann wedelt ein weißes Fähnchen über dem Rand, und Gogol hilft Mäx mit einer gekonnten Zirkusnummer aus dem Fass heraus.

Faszinierend auch der Auftritt mit dem Alphorn. Der Klang ist auf jeden Fall dumpfer und lauter als der jedes anderen Instruments, das Hantieren damit veranlasst die Zuhörer auf den besten Plätzen, schnell die Köpfe einzuziehen. Er bringt den Meister jedes Mal aufs Neue aus dem Konzept. Dieser gibt aber nicht auf, wie gerne würde er doch ein Klavierkonzert darbringen. Das Publikum stimmt in die Ansage ein.

Wie sich nach der Pause zeigt, steht der ernsthafte Pianist dem kleinen Spaßmacher Mäx in nichts nach. Immer unter den gestrengen Augen der Büsten von Johann Sebastian Bach und dem jungen Mozart spielt er neben seinen nicht vollendeten Solo-Stücken am Klavier mindestens zehn Instrumente, improvisiert und duelliert sich klanglich mit Mäx und dessen Geräten. Als Mäx mit einer Posaune ankommt, holt Gogol die Tuba. Und nun geht es nur noch darum, wer am lautesten kann. Als Mäx ihm den Notenständer auf ein Gerüst postiert, gelingt es dem Pianisten, auf rollenden Dosen das Gleichgewicht zu finden und das wackelnde Gerüst zu erklimmen.

Gemeinsam bringen sie zwei Glas-Xylophone zum Klingen, gemeinsam liegen sie auf dem Klavier und spielen rücklings. Und während Mäx ein atemberaubendes Balanciergerät baut und ein Rohr zwischen dem Klavier und der auf einem Kasten stehenden Tuba platziert, betritt es Gogol furchtlos mit rosa Tutu bekleidet und schwingt einen rosa Sonnenschirm. Es ist mucksmäuschenstill, die Kinder halten den Atem an, doch es klappt. Nicht ganz so anmutig wie eine Seiltänzerin, aber mindestens genau so mutig absolviert Gogol seine Nummer. Und dann das schräg stehende Klavier, das den Gesetzen der Schwerkraft folgend, umfallen müsste. Da zeigt Mäx, dass er nicht nur Späße treiben kann, sondern auch wunderbar Piano spielt. Allerdings gönnt er seinem Mitspieler kein Solo, er setzt ihm die Tuba auf den Kopf und bringt das Publikum zum Stöhnen. Alles in allem: ein Concerto fantastico. Das Publikum raste und erklatschte sich drei Zugaben.