Veranstaltungsinfo

Do, 09.11.2017
20:00 Uhr
Vielklang
25,00 / 15,00 €*
* Vorverkauf ab 08.07.2017

Ganes: an cunta che

GANES machen Popmusik. Zeitgenössische, melodische, urbane und raffinierte Popmusik
Ein ganzes Leben schon begleiten sich GANES gegenseitig durch ihre musikalischen Welten. Gemeinsam sind die Schwestern Elisabeth und Marlene Schuen und ihre Cousine Maria Moling in La Val aufgewachsen, einem verwunschenen Dorf in den Südtiroler Dolomiten.

„an cunta che“. „Man erzählt, dass…“. So heißt das neue Album von Ganes, inspiriert von der Ladinischen Sagenwelt. Von Legenden, die man sich in den Dolomiten schon seit Jahrhunderten erzählt. Die bis heute nichts verloren haben von ihrer Verführungskraft und Magie, entsprungen aus einer kargen Berglandschaft. Ganes lassen die alten Geschichten ins Heute wirken. Tief eingetaucht in das untergegangene, märchenhafte Reich der Fanes, holen sie sirenenhafte Klänge in die Gegenwart. Alt und Neu steht sich gegenüber, untrennbar verbunden, neu betrachtet.

Ganes ziehen einen in diese Welt voller Sehnsucht, Melancholie und Fantasie. Sie zaubern mit „an cunta che“ das Reich der Ladinischen Sagen in eine eigene, epische Art der Popmusik, weit, warm, samtig und luftig. Mit ihrem dreistimmigen Gesang, den raffinierten, verspielten Melodien. Mal leicht und fröhlich, dann wieder tief, dunkel und geheimnisvoll. Die Musik von Ganes passt perfekt zur Mystik der Dolomitensagen. Ihre Sprache lockt, scherzt, zeichnet Bilder.

„an cunta che“ entführt und verführt, berauscht und lässt träumen. Mit einer Mischung aus traditionellem Instrumentarium und modernen, elektronischen Elementen. Hackbrett trifft Vermona Orgel trifft Drummachine. Dazwischen ein Streichquartett, Synths zu Querflöte und Klarinette, upright Piano zu Gitarre.

Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2017

Nach(t)kritik 

„Eine der der bekanntesten ladinischen Sagen erzählt von einem Prinzen des Dolomitenreichs, der zum Mond reist. Er führt die Mondprinzessin als Braut auf die Erde, doch erst, als die Salvans, Waldmenschen bzw. Naturgeister, die dunklen Berge mit Mondlicht überziehen, finden beide ihr Glück...“ Man könnte nun meinen, dies wäre die pure Romantik oder ein Trost spendender Mythos, den die Gruppe „Ganes“ da musikalisch nachempfindet und singend nacherzählt. Doch die drei Frauen und der eine Mann aus den Dolomiten sagen selbst, sie seien „ein bisschen stolz darauf, die Band mit den tragischsten Sagen zu sein“: Auf einen reichen Schatz von mündlichen Überlieferungen müssen die da gestoßen sein, denn Elisabeth und Marlene Schuen und ihre Cousine Maria Moling berichten aus ihrer Kindheit, sie hätten damals von ihren Eltern und Großeltern „viele alte Geschichten gehört“. Und weil sie es so sehr bedauern, „dass die Menschen doch immer alles vergessen“, haben sie all diese Sagen vom untergegangenen Reich der Fanes in Lieder verwandelt, die einen ungeheuren Zauber ausüben. Federführend bei Komposition und Text ist zumeist Elisabeth Schuen gewesen, doch auch Alex Trebo (an Keyboards und E-Piano der einzige Mann beim Auftritt im bosco), Marlene Schuen und der nicht mit nach Gauting gereiste Sebastian Borkowski haben das Projekt „an cunta che“ (zu Deutsch: man erzählt sich, dass...) mitgestaltet und 2016 als CD eingespielt. Live übernehmen vor allem die drei weiblichen „Ganes“ (Wasserfrauen) von der Gitarre bis zum Hackbrett noch einige Instrumente mehr als im Studio, doch getragen wird dieses Wunderwerk vor allem von den drei Frauenstimmen – wenn man so will, klar wie ein Bergbach oder auch leuchtend wie der von einem unglücklich Verliebten in einen See geworfene Regenbogen, den Ganes in einer der Sagen besingen.

„Es ist schön zu sehen, dass man mit einer kleinen Sprache so weit kommt“, hat Elisabeth im Interview einmal das Ladinische verteidigt. Laut Wikipedia sprechen nur noch etwa 30.000 Menschen in einigen Tälern Oberitaliens das Ladinische, wobei man noch zwischen Dolomiten-Ladinisch, Bündnerromanisch und Friaulisch unterscheidet. In Gauting spielte es überhaupt keine Rolle, dass die Konzertbesucher mit wenigen Ausnahmen nur „Bahnhof“ verstanden: Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, als Elisabeth sich stimmlich vorübergehend in ein Erinnyen-artiges Wesen verwandelte, das mit dem Teufel paktiert, um brave Bauersfrauen laut Legende als „Grillfleisch“ zu verspeisen. Tragisch und immer wieder tödlich gehen diese mystischen Geschichten aus, die man sich in den Dolomiten wohl schon vor Jahrhunderten am nächtlichen Feuer erzählte. Mal gruselig, mal flott und mit einem verschwörerischen Augenzwinkern werden sie von den drei Damen und dem einen „Mann am Klavier“ kredenzt, immer aber mit einem herausragenden Vokalpart, ein- bis dreistimmig, einander überlagernd oder gemeinsam. Es sind auch Lieder dabei, die geradezu modern und leichtfüßig und lebenslustig daherkommen und so das Düstere mancher Mythen für einige Augenblicke wegwischen, auf ein menschliches Maß zurückholen – man erkennt, dass man eben doch keine ätherischen Feenwesen vor sich hat, wie mancher die drei „Ganes“-Frauen schon interpretierte: Es sind kraftvolle Frauen, die ihre Heimat lieben, eine starke Identität ausstrahlen und mit ihrer musikalischen Botschaftertätigkeit vielleicht sogar ihre ladinische Sprache retten - dafür kann man sie nur bewundern: „...und die Hexen trafen sich jeden Donnnerstag und wollten grillen...“ Ein buchstäblich sagenhafter Abend.