Veranstaltungsinfo

Sa, 21.10.2017
20:00 Uhr
Klassik
30,00 / 15,00 €*
* Vorverkauf ab 08.07.2017

Berlin Counterpoint: Debussy, Thuille, Wagner, Strauss, Poulenc

Berlin Counterpoint ist ein relativ neues Ensemble, das innerhalb kurzer Zeit in der Musikwelt von sich reden gemacht hat. Seine Musik ist geprägt von der kulturellen Diversität jedes einzelnen Mitglieds.
Ohne diese Verschiedenheit aufzulösen, gelingt es den Musikern eine harmonische Virtuosität zu schaffen, die sich – dank kluger Interpretationen, Experimentierfreude und eines erfrischenden Klangs – immer wieder neu erfindet und ein breites Publikum anspricht. Die Spielfreude der sechs steckt an und lädt die Zuhörer zum Entdecken ein.

 Die jungen Musiker können mit Reisepässen aus Rumänien, Deutschland, England, Slowenien, den USA und der Türkei aufwarten. Sie sind passionierte Grenzgänger, die vor allem eine gemeinsame Sprache sprechen: die Sprache der Musik. In diese bringen sie alle ihre verschiedenen Traditionen ein, um zu einem eigenen Stil zu gelangen. Dass Berlin im Ensemblenamen auftaucht, ist nicht allein dem Zufall ihrer Begegnung dort zu verdanken. Berlin ist eine der wenigen Städte, wo es nicht nur wahrscheinlich ist, dass solch kreative Köpfe sich finden, sondern wo eine solche Begegnung auch fruchtbar werden kann.

Die sechs Instrumentalisten repräsentieren das moderne, multikulturelle, energiegeladene und kreative Berlin. Ihr brillanter Klang, ihre durchgehend virtuosen, risikofreudigen und doch stets durchdachten Interpretationen haben einiges mit ihrer Wahlheimat zu tun.

 Das stetig wachsende Repertoire von Berlin Counterpoint vereint die Musik vom Barock bis heute und umfasst neben Originalrepertoire auch Arrangements für Holzbläserquintett und Klavier, eigene Kompositionen sowie Auftragswerke. Im Konzert spielen sie in verschiedenen Besetzungen vom Solostück bis zum Sextett. Zudem erweitern sie ihre Formation gerne mit Gästen. 
Seit seiner Gründung 2007 hat Berlin Counterpoint hochgepriesene Konzerte geben, etwa beim Schleswig-Holstein Musik Festival, im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie, in der Sociedad Filarmonica de Bilbao, im Palau de la Musica Valencia sowie beim Istanbul Festival. 

In den letzten Saisons trat das Ensemble auf u.a. mit Debüts beim Rheingau Festival und Brandenburgischen Musiksommer, beim Summerwinds Festival Kulturkreis Göppingen, Musikverein Bamberg, Zeughauskonzerten Neuss, bei den Grünwalder Konzerten, beim Beethovenorchester Bonn und der BASF in Ludwigshafen. Lunchkonzerte in der Berliner Philharmonie, eine Reise zu den March Music Days in Ruse sowie eine Einladung zu Zweimal Hören der Körberstiftung rundeten die rege Konzerttätigkeit ab.

Seine erste CD (2014 bei Genuin erschienen) mit Werken von Barber, Connesson, Strauss, Beethoven und Poulenc hat dem Ensemble gute Kritiken eingebracht.
Berlin Counterpoint erhielt 2013 den Usedomer Musikpreis, gefördert durch die Oscar und Vera Ritter-Stiftung.

AARON DAN, Flöte
FRIEDERIKE ROTH, Klarinette
DOǦA SAÇILIK, Oboe
ANDREJ ŽUST, Horn
HEIDI MOCKERT, Fagott
ZEYNEP ÖZŞUCA, Klavier

19.00 Konzerteinführung durch den Kulturjournalisten Reinhard Palmer

Programm:
DEBUSSY "Prélude à l'après-midi d'un faune"  arr. Aaron Dan
THUILLE Sextett Op.6
WAGNER Ouvertüre zu "Tristan und Isolde" arr. Aaron Dan
STRAUSS Ouvertüre zu "Die Fledermaus" arr. Aaron Dan
POULENC Sextett Op.100

Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
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2017

Nach(t)kritik 
Eine gewisse Skepsis im Vorfeld war angesichts der nicht unproblematischen Besetzung gewiss nicht aus der Luft gegriffen. Flöte, Klarinette, Oboe, Fagott, Horn und Klavier haben den Vorteil, klanglich ein orchestrales Spektrum anbieten zu können. Doch die Kombination mit dem Klavier ist ein sensibler Punkt, auch wenn es tatsächlich Originalliteratur für diese Besetzung gibt. „Mein Sextett geht nur sehr langsam vorwärts, da mir das ungewohnte Material viel Kopfzerbrechen sowohl nach Seite der Erfindung als auch Ausführung macht“, schrieb denn auch Ludwig Thuille an seinen Freund Richard Strauss, als er sich mit seinem op. 6 abmühte. Ganze zwei Jahre dauerte der Kampf mit der Materie, bis das Sextett vollendet war. Bei der Interpretation durch Berlin Counterpoint wurden gerade in dem Werk die Vorzüge der Besetzung überdeutlich: Farbigkeit im Klang, plastische Formbarkeit, satte Substanz – um nur die wichtigsten zu nennen.
Vielleicht war gerade die Besetzung der Grund dafür, dass Thuille darin nicht seinen Vorbildern Wagner, Liszt und Strauss folgte, sondern Brahms, dessen Stilistik insbesondere in Bezug auf die Modellierung der satten Substanz, aber auch auf den mächtigen Klavierpart, den idealen Nährboden für diese instrumentale Konstellation lieferte. Doch eben nur, weil – wie in allen Werken des Abends – der Klavierpart von der Dichte und Intensität seines Einsatzes dem Bläserensemble gleichwertig gegenüberstand.
Anders das Verhältnis im Sextour op. 100 von Francis Poulenc, dem Spaßvogel der Groupe des six, die sich an der Tradition orientierte und dem diffusen Impressionismus eine klare Absage erteilt hat. Während Tuille großen Wert aufs handwerkliche Können legte, ging es Poulenc um intuitive Frische von improvisatorischem Charakter. Hier war Berlin Counterpoint in seinem Element: Der Spritzige, beherzte, mit Spielwitz ausgestattete Ensemblesatz lieferte ein packendes Finale, zumal mit effektvollen Rücknahmen ausgestattet.
Die Farbigkeit in der Instrumentation war zweifelsohne das Thema des Abends. Und dies vom ersten Ton an, der Debussy mit seiner sinfonischen Dichtung „Prélude à l’après-midi d’un faune“ gehörte. Allerdings war dies keine Originalliteratur für die Besetzung und auf das Können des Arrangeurs und Flötisten im Ensemble, Aaron Dan, angewiesen. Bei Debussy gelang es ihm zwar nicht, den orchestralen Nuancenreichtum wiederzugeben. Doch erwies sich die Klarheit und Transparenz in der ersten impressionistischen Komposition schlechthin als Gewinn.
Dan ist ein etwas eigenwilliger Arrangeur, dem es leider nicht immer gelang, den polyphonen Orchestersatz auf die kammermusikalische Besetzung in adäquater Qualität herunterzubrechen. Die sechs hervorragenden Instrumentalisten verstanden es zwar, den dramaturgischen Bogen stets schlüssig zu spannen und den thematisch-melodischen Fluss herauszuarbeiten, doch gegenüber den Originalkompositionen von Poulenc und mehr noch von Thuille wurde eine gewisse Sperrigkeit spürbar. Deutlich in der Ouvertüre zur Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauss Sohn, in der das Klavier die tragende Rolle übernahm, während die Bläser als einfühlsame Farbfolien im Hintergrund für die entsprechende Atmosphäre sorgten.
Dan ist auch nichts heilig. Die Operettenouvertüre mittels einer Überleitung ans Vorspiel zur Oper „Tristan und Isolde“ dranzuhängen, war für Wagnerianer gewiss ein Sakrileg. Für Strauss-Anhänger indes ein Gewinn, offenbarte sich dadurch zumindest im ersten Teil des Operettenvorspiels eine symphonische Weite, die sonst allzu gern vernachlässigt wird angesichts der nachfolgenden, populären Gesichter. Für die Anreihung der Hauptthemen der Operette hatte sich das Ensemble noch reichlich Euphorie aufbewahrt, um beschwingt für Publikumsbegeisterung zu sorgen. Manuel de Fallas temperamentvolles „El paño moruno“ als Zugabe.
 
Pressestimmen 
Das Berlin Couterpoint-Sextett tritt in einer seltenen, aber reizvollen Besetzung in Gauting an.

Es ist eine seltene, doch überaus reizvolle Besetzung, mit der das Ensemble Berlin Counterpoint seit nunmehr zehn Jahren erfolgreich konzertiert. Reizvoll in zweierlei Hinsicht: Mit Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott, Horn und Klavier ist es dem Ensemble einerseits möglich, mit orchestraler Fülle einen weiten Tonraum zu erschließen. Andererseits bietet die Besetzung einen üppigen Fundus an farblichen Potenzialen - die es zunächst zu bändigen gilt. Das Berliner Sextett tat es im Bosco mit viel Fingerspitzengefühl, aber vor allem mit großer Musizierlust.Zum Zuge kamen im Programm sehr unterschiedliche Zugriffe auf das instrumentale Material, obgleich in den Bearbeitungen von Orchesterwerken nicht immer glücklich vom Flötisten des Ensembles Aaron Dan arrangiert, wodurch sich die Originalwerke qualitätsmäßig deutlich davon abhoben. Zweifelsohne feierte Berlin Counterpoint mit Poulenc Sextour op. 100 den Höhepunkt des Abends zu dessen Abschluss. Ein humoristisches Originalwerk, in dem das Ensemble die vitalsten Register ihrer Instrumente ziehen konnte. In den 1930er-Jahren entstanden, erlaubt es ein mutiges Zupacken, mit dem die renommierten Musiker auch keck Dissonanzen für schrille Akzente nutzten. Die Rücknahmen und Moll-Trübungen darin offenbarten aber auch eine einfühlsame Seite des spaßigen Komponisten, für die das Ensemble eine wohlaustarierte Klangbalance bereithielt. Diesen Zugriff hatte Ludwig Thuille in seinem Sextett op. 6 vordringlich angestrebt. Seine eher rückgewandte Stilistik suchte die warmen, klangrunden und substanzvollen Eigenschaften der Instrumente, zumal die Reminiszenzen an Brahms darin auf Schönharmonik ausgerichtet sind. An Humor fehlte es der Komposition nicht, den die Musiker allerdings adäquat verhaltener als bei Poulenc zu kultivieren vermochten. Stark zeigte sich das Ensemble vor allem in den romantisch grundierten Rücknahmen. Der an Brahms orientierte Klavierpart brachte indes eine konzertante Note ins Spiel, zumal die türkische Pianistin Zeynep Özsuca gewandt zwischen einfühlsamem Ensemblespiel und solistischer Dominanz zu changieren verstand. Ihr perlendes Leggiero, bisweilen in der Art einer Harfe, trug viel zum impressionistischen Kolorit bei Debussy bei, dessen "Prélude á l'après-midi d'un faune" als die erste Komposition im seinerzeit neuen Still gilt. Dieses allerneuste, in Gauting erstmals gespielte Arrangement von Dan bewies schon ein größeres Gespür für polyfone Wirkungen. Zartes Schillern der Streicher ist bei Bläsern nur bedingt möglich. Doch in der Gesamtwirkung gab das Arrangement die impressionistische Tonmalerei überzeugend wieder. In dieser Ausprägung fiel die Vorstellung sogar leichter, dass Debussys Erlebnis der Musik Wagners in Bayreuth zur Ausprägung des ätherisch-atmosphärischen Stils des Franzosen entscheidend beigetragen hatte. Dem hier gespielten Vorspiel zu "Tristan und Isolde" kann eine kammermusikalische Reduktion von Haus aus wohl kaum in der symphonischen Breite und Seelentiefe Wagners gerecht werden, doch der ausgebreitete orchestrale Satz überzeugte mit einem adäquaten lyrisch-epischen Impetus.

An dieses tiefgründige Werk das Vorspiel zur Operette "Die Fledermaus" von Johann Strauss Sohn mithilfe einer Klavierkadenz dranzuhängen, war indes ein vermessener Versuch, die beiden Komponisten aufs gleiche Niveau zu stellen.

Das lustvolle Zupacken der jungen Musiker musste aber sein, um zu Poulenc Humoristik überleiten zu können. Zum Glück folgte schließlich ein begeisterter Applaus, denn die Zugabe sollte ein weiterer Höhepunkt werden: Für Manuel de Fallas "El paño moruno" erwies sich das nun leidenschaftlich glühende Klangkolorit des Ensembles als nahezu ideal.