Veranstaltungsinfo

Fr, 30.06.2017
20.00 Uhr
Kabarett
20,00 / 10,00 €*
* VVK ab 26.11.2016

Helmut Schleich: Ehrlich

„Ehrlichkeit ist ein Minenfeld – und weit und breit kein Räumkommando in Sicht“, sagt Helmut Schleich und hat Recht. Obwohl … so ganz stimmt das auch wieder nicht. In seinem Programm „Ehrlich“ räumt der Münchner Kabarettist nämlich ordentlich auf: mit lieb gewonnenen Vorurteilen, gefährlichen Halbwahrheiten und bequemer Ahnungslosigkeit. Messerscharfes Politkabarett am Puls der Zeit eben.
In seinem sechsten Soloprogramm präsentiert Helmut Schleich top-exklusiv und absolut ehrlich seine pointiert-satirischen Einblicke in eine Politik, die den Vertrauensmissbrauch zur Staatsräson erhoben hat. Er fühlt den mächtigen Vertrauensvampiren zwischen Bayern, Berlin und Brüssel schonungslos auf die Zähne. Dass dabei der ein oder andere faule Zahn gezogen wird, versteht sich von selbst.
Freuen Sie sich auf ein Wiedersehen mit altbekannten Figuren wie Heinrich von Horchen: Angriffslustig wie noch nie referiert der streitbare Methusalem über die Demokratie in der EU und die Kulturgeschichte der Spionage. Oder auf den großen Vorsitzenden Franz Josef Strauß, der posthum mit der bayerischen Selbstherrlichkeit abrechnet und unerhörte Einsichten in seine Gefühlswelt preisgibt …
Daneben schickt Helmut Schleich aber auch neue Charaktere aufs Parkett, die zielsicher ihre zugespitzten Bosheiten verbreiten: Da wirbt beispielsweise ein hochanständiger Spekulant um Ihr Vertrauen und ein weltläufiger Stammtischbruder für seine einfache Sicht auf die komplizierte Welt. Und was hat es mit der ominösen „Bestie von Dodlbach“ auf sich? Lassen Sie sich überraschen!
Helmut Schleich ist eine der markantesten Größen in der deutschsprachigen Kabarett-Landschaft. Dem Fernseh- und Radiopublikum ist er nicht nur als genialer Strauß-Parodist ans Herz gewachsen, sondern vor allem als Gastgeber seiner eigenen Polit-Kabarettsendung „SchleichFernsehen“. Egal ob auf der Bühne, im Hörfunk oder TV – Helmut Schleich nimmt seine Zuschauer mit auf abenteuerliche Reisen in die Tiefen der deutschen Befindlichkeit und führt ihnen ganz nebenbei die ergötzlichen Absurditäten des Alltags vor Augen. Seine Soloprogramme gelten als Meilensteine des Typenkabaretts und wurden unter anderem mit dem Deutschen Kleinkunstpreis 2013 und dem Bayerischen Kabarettpreis 2015 ausgezeichnet.

Pressestimmen:

"Satire vom Feinsten!" General-Anzeiger Bonn

"Ein schonungsloser Angriff auf Hirn und Lachmuskeln." Münchner Merkur

"Der Altgediente des bayerischen Typenkabaretts wird immer aufregender." Süddeutsche Zeitung

"Die Lachmuskeln werden strapaziert, gleich von der ersten Nummer an." Augsburger Allgemeine

"Stürmischer und nicht enden wollender Beifall für ein vergnügliches, von mitunter gallenbitterem Humor durchzogenes Kabarett-Erlebnis." Südwest Presse

"Boshaft, spritzig, hintergründig – und als Sahnehäubchen gibt’s die Ehrlichkeit noch obendrauf. Offenbach-Post „Ehrlich“ ist eine Offenbahrung." Südkurier

Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2017

Nach(t)kritik 

„Franz Josef Strauss hat gerade wenig Zeit, er bereitet sich auf die Ankunft von Kohl vor.“ Helmut Schleich alias „FJS“ hat sich trotzdem mal wieder Zeit genommen für seine berühmten Tiraden gegen die unfähigen Nachfolger und Möchtegerns, die sein Bayern verschandelt haben. Fast 20 Minuten dauert der von allen bosco-Besuchern erwartete Rundumschlag diesmal, und Schleich scheint - Latein muss sein - „posthum und ad hoc“ in der Form seines Lebens zu sein. Bis ins physiognomische Detail kann er den Über-Bayern nachmachen, ja er ist es mittlerweile wohl leibhaftig: schildkrötenhalsig, revers-zupfert, nervöserlgrinsig. Und stets auf der Höhe des Zeitgeschehens. Fast würde man sich wünschen, der 1988 verstorbene Strauss wäre noch auf den präsidentialen US-Donald getroffen,um dem tüchtig einzuschenken mit den Worten: „Bavaria first, aber ich bin der Förster!“

Schleich macht mit seiner „Kunst der Gedrungenheit“ aber nicht nur die Strauss´sche Epigonen-Abwatscherei zu einem Evergreen, sondern auch andere schier Unsterbliche: Die Figur des Zylinder tragenden „Heinrich von Horchen“ (weitere Markenzeichen sind ein Musical-Spazierstock, ein weißer Schal und ein Taschentuch wegen der feuchten Aussprache) setzt Jopie Heesters praktisch ein Denkmal zwischen Würde und Lächerlichkeit. Der untote Von Horchen ist also ein generationsmäßiger „Verwandter“ des toten Strauss, er blickt ähnlich desillusioniert auf die Welt von heute und berichtet munter vor sich hin tatternd davon, dass seine „Enkel alle längst im Heim sind“. Schleich, der geniale Verwandlungskünstler, wechselt wie schon bei etlichen früheren Programmen auch bei „Ehrlich“ hin und her zwischen diesen beiden Typen und baut noch drei weitere drumherum: Den des klassisch-ernsten Politik-Betrachters, den des Stammtisch-Prolls und, am Anfang und am Ende des Abends, den 14-fachen Mörder mit fränkischem Zungenschlag: Der schildert aus dem Knast heraus (38 Jahre Haft) seinen einstigen Amoklauf mit Pistole als blanke Unvermeidlichkeit – die Opfer hatten einfach genervt. Immerhin: „Beim Wirt wars ´n Querschläger.“

Unter der thematischen Klammer „Ehrlich“ handeln diese fünf Prototypen nun all das ab, was einen von ihnen letztlich zur Waffe greifen ließ: Von „Diesel-Gate“ bis zu Internet-Abzocke, von EU-Krise bis zum 22-stelligen IBAN-Terror, von „grünen Bundesgeschwätzführern“ bis zu Seehofers Fresskorb für den Papst. Schleich lässt seinen Strauss dazu poltern: „So was hätten wir zu meiner Zeit in die DDR geschickt!“ An der enormen Fallhöhe zwischen verklärten Größen der Vergangenheit und heutigen „Zwergen“, die bekanntlich auch lange Schatten werfen, wenn die Sonne tief steht, entfaltet sich Schleichs Bravour: Es ist das Überkommene, ja das längst Hinfällige, das ihn so fasziniert und dem er eine wütende Rest-Energie verleiht. Der Größenwahn, der einen Strauss zu Lebzeiten befiel, gebündelt in dem Satz: „Das bayerische Kabarett verdankt seine herausragende Stellung meiner CSU.“ Dabei sind die FJS-Betrachtungen aus dem Jenseits inzwischen sogar von einer gewissen Selbsterkenntnis durchsetzt – wenn´s um das Volk der Bayern als Ganzes geht, lässt Schleich aber lieber den Stammtischbruder zu Wort kommen: „Wir brauchen gar keinen Ausländer, um fremdenfeindlich zu sein.“ Das hat zweifellos Polt´sche Dimensionen. Und wenn Schleich dann noch den Reliquien-Handel der Kirche geißelt und den Benedikt XVI. als „eine Art Nutztier des Vatikans“ bezeichnet, dann könnten sogar dem aktuellen Papst die Ohren klingen. Das durchaus katholische Gauting war von diesem bosco-Auftritt restlos begeistert. Es war wohl auch die Lust, ein paar besonderen Hinrichtungen und Zertrümmerungen beizuwohnen. Den Schlusssatz sprach dann wieder der Amokläufer aus Franken: „Ich wenn den Abend gstaltet hätt´, säß da jetzt kaana mehr...“  

Pressestimmen 
Helmut Schleich gibt im Bosco den Amokläufer und schlüpft in die Rollen des Landesvaters und des Stammtischbruders

Politik-Erklärer im Karo-Sakko: Helmut Schleich spottet über Strauß und Heesters, Juncker und Macron. Foto: Arlet UlfersGauting - Erst ist da nur ein Mantelständer auf der dunklen Bühne des Bosco. Dann kommt Schleich, Helmut Schleich. Nein, er sei kein Mörder, beginnt er mit "wrängischem" Einschlag und schaut herausfordernd ins Publikum. 38 Jahre sitzt er im Knast, wegen 14-fachen Mordes. Beim ersten Amoklauf hat er zwar acht Menschen erschossen, den Wirt jedoch nur versehentlich getroffen, durch einen Querschläger. Und bei der Hausrenovierung, da haben alle so genervt, von der Schwiegermutter bis zum Bauleiter. "Da hab ich die derschossen. Und dann war der Postbote auch dot. Selber schuld, er war zu spät dran." Er sei kein gewalttätiger Mensch, nicht die Bestie von Dodlbach, wie einige Journalisten über ihn schreiben. Wenn er rauskommt, dann....Vorsicht! Selten beginnen Kabarettisten so bös wie Schleich in seinem sechsten Programm "Ehrlich", das er im längst ausverkauften Haus in Gauting auf die Bühne bringt.

Fünf Typen sind es, die Schleich äußerst pointiert zum Leben erweckt. Besonders gut gelingt ihm Franz Josef Strauß, der unvergessene, mehrheitlich betrauerte Landesvater. Stiernackig, mit eingezogenem Kopf, wippend und an seiner Joppe nestelnd lässt Schleich FJS gegen die unfähigen, "sogenannten" Nachfolger wettern. Ob Stoiber, Seehofer oder CSU-Generalsekretär Scheuer ("Wo haben die den ausgegraben?"), ob Waigel oder Haderthauer - allesamt machen sie ihm sein schönes Bayern kaputt. So deppert wie Scheuer kann einer allein gar nicht sein, findet Schleich-Strauß. Der müsse irgendwo einen Zwilling haben. Und Seehofer erst, der dem Papst einen Fresskorb mit bayerischen Spezialitäten mitbringe. Die da wären Dosenweißwurscht, Honig und Kaffee: "Zu meiner Zeit haben wir so was in die DDR geschickt!"

Knapp 20 Minuten Zeit nimmt sich Schleich für den 1988 verstorbenen Ministerpräsidenten, den er mittlerweile so gut nachempfinden kann: "I bin der Franz Josef und da bin i dahoam". Nicht nur seine Epigonen in der Politik, auch sein Bayerischer Rundfunk ist auf den Hund gekommen - darf da doch ein Promikoch Weißwurscht panieren! Dann muss sich FJS vorbereiten - auf die Ankunft von Kohl. Sicher ist jedenfalls, ganz Trump-like: "Bavaria first! Und ich bin der Förster." Einfach schön, diese posthume Selbsterkenntnis!

Und noch einem dahingegangenen Unsterblichen setzt Schleich ein hoch parodistisches Denkmal: Jopie Heesters. Mit Zylinder, weißem Schal, Gehstock in der Rechten und großem weißen Taschentuch in der Linken lässt er ihn als "Heinrich von Horchen" über die Bühne watscheln und immer wieder beschwipst ins Tuch spuckend über die Enkel lästern, die alle längst im Pflegeheim sitzen. Er beschreibt das Krankenhaussystem ("Heute sind das Wirtschaftsunternehmen, früher war's das Siechenhaus") mit den bösen Worten: "Die lassen dich verrecken, nur weil du gesund bist."

Für die entscheidenden Erkenntnisse der aktuellen Politik in Bayern erteilt Schleich sowohl einem Stammtischbruder wie auch einem Politik-Erklärer im roten Karo-Sakko das Wort. Er lässt sie über die EU und die Schnapsdrossel Jean-Claude Juncker spotten, über Martin Schulz, dem er eine spezifische Art des Staubsaugervertreters zuschreibt. Schleich nimmt die EU-Kommission auseinander oder analysiert die Finanzkrise. Er mimt einen Spekulanten, der mit Palmöl und Schweinehälften Milliarden macht. Wahrer Zorn blitzt auf, wenn er von Macron redet, der als Investmentbanker für 11 Milliarden Dollar die Babynahrungssparte von Pfizer an Nestlé verhökerte. Und erst die endlosen "Bic und Ban-Zahlenreihen" beim Online-Banking... Wenn der Kabarettist die Widrigkeiten des täglichen Lebens schildert, kugelt sich das Publikum vor lachen.

Von der weiten Welt gehts zurück ins schöne Bayernland, wo man am Stammtisch ganz richtig feststellt: Wir brauchen gar keine Ausländer, um fremdenfeindlich zu sein. Das beginnt hier beim Fremdenzimmer, in dem der norddeutsche Urlauber nächtigen muss, und geht weiter mit "Der Saupreiß, der verreckerte!" Am Ende darf der fränkelnde Sträfling noch mal ran: "Ich, wenn ich den Abend gestaldet hädd, dät da jetzt kaana mehr sitz'n...." Mal ehrlich, soll man sich das zweimal sagen lassen? Schleich hat großes Kabarett gemacht und das Publikum um den Finger gewickelt.