Veranstaltungsinfo

Sa, 30.09.2017
20.00 Uhr
Vielklang
22,00 / 10,00 €*
* Vorverkauf ab 08.07.17

Dreiviertelblut: Finsterlieder

Bananafishbones-Sänger Horn und Filmkomponist Baumann haben sich gesucht und gefunden und bringen seit ihrer Begegnung zeitlos schöne Lieder auf die Welt. Die Texte streifen durch die Höhen und Tiefen des Seins, winden sich vom reinsten Glück zur schwärzesten Verzweiflung. Die Liebe zur Finsternis wird durch einen Hang zum kruden bayrischen Humor verstärkt.
Im zweiten Album "Finsterlieder" (Okt 16) erobern DREIVIERTELBLUT das zurück, was unserer Gesellschaft verloren gegangen ist, nämlich den Mut, den Tod anzunehmen, ihn willkommen zu heißen. Der Mut, dem Sterben, dem Schmerz und dem Abschied humorvoll und lebensbejahend ins Gesicht zu sehen – oder frech ins Gesicht zu grinsen.

„Finsterlieder“ ist eine fröhliche Party am und im Abgrund, eine musikalische Aufbahrung und ein textlicher Totentanz. Die Songs vereinbaren, was als kaum vereinbar gilt: das Bairische als Seelensprache, ein sehnsüchtiges Lächeln in der tiefsten Trauer, Jazz und 70´s Moog Synthesizer, Zwiefacher und Punkschlagzeug, ein süßer Klang und die Fliege, die im Mund eines Sterbenden verschwindet…
Wo man sonst lieber wegschaut, gucken Gerd Baumann und Sebastian Horn mit schonungslosen Texten und stimmungsvoller Musik ganz genau hin: In die klaffenden Wunden des Gekreuzigten, in die Gedanken eines Schafe-zählenden Schlaganfallpatienten und in die einer Leiche unter der Erde.
Sein und Nicht-Sein sind hier keine Gegensätze, sondern untrennbar miteinanderverbunden: denn in der Begegnung mit dem Tod wohnt die höchste Lebensfreude.

„Es geht um Dinge die uns beschäftigen. Und Dancing Queen ist es nicht.“ (Gerd Baumann, 5.8.2016)

SEBASTIAN HORN
Sänger der Bananafishbones, Komponist und Texter zahlreicher Film-Songs (3 Räuber, Easy Day u.v.a.), Theatermusiken (Fahrenheit 451, Jenseits von Eden, Das Fräulein von Scuderi) und des Musicals Rico, Oskar und die Tieferschatten

GERD BAUMANN
Gitarrist, Produzent und Komponist vieler Kinofilme (Wer früher stirbt ist länger tot, Almanya, Zettl, Sommer in Orange, Räuber Kneissl, Spieltrieb, Die Brücke am Ibar u.v.m.), Fernsehfilme (Operation Zucker, Sau Nummer 4, In aller Stille, Die Hebamme, Blaubeerblau u.v.m.) und des Hochwasser-Benefiz-Songs „Weida mitanand“.



GERD BAUMANN, Gitarre, Gesang
SEBASTIAN HORN, Gesang
DOMINIK GLÖBL, Flügelhorn, Trompete, Gesang
FLORIAN RIEDL, Klarinette, Bass-klarinette
FLORIAN REIN, Schlagzeug, Posaune
LUKE CYRUS GOETZE, Gitarre, Lapsteel, Dobro
BENNY SCHÄFER, Kontrabass
Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
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2017

Nach(t)kritik 

„Gauting ist schwierig“, kokettiert Sebastian Horn noch vor dem ersten musikalischen Ton seiner siebenköpfigen Formation „Dreiviertelblut“ - als wüsste er nicht ganz genau, dass diese „Mörder-Band“ (O-Ton Horn später am Abend) das bosco gleich im Sturm erobern würde. Apropos „Sturm“: Selten hat man es bei einem Live-Konzert mit derart vielseitigen Leuten zu tun, die vom bayerischen Zwiefachen bis zur ausladenden The Cure-Covernummer „Da Woid“ (Original: „The Forest“) ungefähr alles im Repertoire haben, was die Seele vibrieren und die Ohren wackeln lässt. Dabei weist der Titel der jüngsten CD „Finsterlieder“ (2016) eigentlich in Richtung Düsternis, Innerlichkeit und Depression – doch weit gefehlt: Auf Ludwig Hirschs ebenso tieftraurige wie geniale Sarg-Nummer „I lieg am Ruckn“ (aus  "Dunkelgraue Lieder") samt erstem Wurmbefall mitten im Song folgt schon bald das wiederbelebende „Ned nur mia“, mit dem „Dreiviertelblut“ schon vor zwei Jahren in Anbetracht des Flüchtlingselends gegen den satten Egoismus im Lande angesungen hatten. Und spätestens ab diesem Zeitpunkt entfachen Horn (Vocals), sein Mit-Bandgründer und Mit-Komponist Gerd Baumann (Akustikgitarre, Vocals) zusammen mit Luke Goetze (E-Gitarre), Dominik Glöbl (Trompete, Flügelhorn), Florian Riedl (Bassklarinette, Moog), Benny Schäfer (Kontrabass) und Andi Haberl (Schlagzeuger, den man in Gauting schon von Max BAB kennt) schier Unfassbares: Als hätten sich Tom Waits, La Brass Banda, Guns´n´Roses, Kofelgschroa, der „Dritte Mann“ und natürlich Sebastian Horns „Bananafishbones“ an diesem Abend zu einer wilden Session getroffen, verabreichten diese glorreichen Sieben die aufregendsten Wechselbäder – ein Teil der Erotik geht dabei stets von der Lenggrieser Bass-Stimme des Barfuß-Sängers Horn aus, weitere Spannungselemente sind die wahnwitzigen Trompeten-Ausflüge von Dominik Glöbl und die geschmeidige Bassklarinette von Florian Riedl. Und dann noch die „Darmzupfer“: Wann hat man in einem eher traditionell-alpenländisch angelegten Stück zwischendurch schon mal ein Alwin-Lee-Gedenk-Solo (Luke Goetze) zu hören gekriegt?

Der Spiritus Conrector an der Akustikgitarre, Gerd Baumann, u.a. Komponist von Soundtracks zu Max-Färberböck-Krimis und zu Rosenmüllers „Wer früher stirbt, ist länger tot“ (2007), macht dazu einen auf „unschuldig“ und serviert doch feinste Kost, die im Gesamtgefüge zwischen Landler. Walzer, Barden-Musik, Ska und rasender Polka sämtliche Gangarten drauf hat. Auch Tango ist dabei, auf eine ganz eigene Art. „Dreiviertelblut“ feiert das Leben und umkreist doch auch den Tod und die Sterblichkeit auf eine handfeste Weise, die man als Zuhörer sogar bis in die thematisierte Finsternis hinein begleiten möchte. Diese Musik spiegelt eigentlich alle denkbaren emotionalen Zustände, den gemeinschaftlichen Exzess („Deifedanz“) wie die unrettbare Einsamkeit des Verlassenen in einem trügerischen Sommer („Himmeblau“), den Suff („1,2,3“) und den Verzicht („Wann i dann“), die Alltagsplagen („Blutsauger“) und die Sehnsucht nach den Verheißungen des nächsten Sommers („Hollerkiacherl“). Irgendwie verstehen sich "Dreiviertelblut" auch als Grenzgänger nach dem Motto "Mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben". Musikalische Borderliner. Und dann noch die schön absurden Ansagen Baumanns, dass das nächste Lied ohne Ansagen auskommt. Das „schwierige“ bosco kapitulierte. Inklusive Zugaben fast drei Stunden „Balsam für alle“. Standing Ovations und die Feststellung eines Ohrenzeugen beim Hinausgehen, „dass man die unbedingt live erlebt haben“ müsse. Man kann nur auf die Fortsetzung mit dem Titel hoffen: "Die glorreichen Sieben kehren zurück."