Veranstaltungsinfo

Mo, 29.05.2017
20.00 Uhr
Klassik
25,00 / 15,00 €*
* VVK ab 26.11.2016

Konzert der ARD-Preisträger: Flöte, Harfe, Streichquartett

Agnès Clément (Harfe), Danielea Koch (Flöte) & Aris Quartett
Künstlerisches Miteinander statt Wettbewerbsanspannung: In Gauting musizieren die Preisträger des Internationalen Musikwettbewerbs der ARD gemeinsam. Im Mittelpunkt steht die Suche nach musikalischem Ausdruck und künstlerischer Vollkommenheit.

AGNÈS CLÉMENT, Frankreich, 1. Preis Harfe + Publikumspreis
ARIS QUARTETT, Deutschland, 2. Preis Streichquartett + Publikumspreis
DANIELA KOCH, Österreich, 2. Preis Flöte + Sonderpreis als jüngste Finalistin

19.00 Konzerteinführung durch den Kulturjournalisten Reinhard Palmer

Programm:
PIERNÉ „Variations libre et Finale“ für Flöte, Streichtrio und Harfe, op. 51
MOZART Flötenquartett A-Dur KV 298
BAX Quintett für Harfe und Streichquartett
JONGEN „Deux pièces en trio“ für Flöte, Violoncello und Harfe, op. 80
CAPLET „Conte fantastique d’après ‘Le masque de la mort rouge’“ für Harfe und Streichquartett
BEETHOVEN Quartett für zwei Violinen, Viola und Violoncello C-Dur Nr. 3, op. 59
Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2017

Nach(t)kritik 
Die Motivation der jungen Musiker in den Preisträgerkonzerten des ARD-Musikwettbewerbs bleibt ungebrochen. Dieser Elan, mit dem sie die Bühne betreten und das Publikum erobern ist an sich schon eine besondere Qualität. Und das war in diesem klangfarbenfrohen Programm besonders spürbar und nicht zuletzt in verdichteten, extrem intensiven Passagen mit voller Wucht hörbar. Letztendlich war aber auch ein solcher Zugriff nötig, um das heterogene Repertoire auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.
Harfe im Instrumentarium zu haben, bedeutet schon eine bestimmte Ausrichtung, zeitlich gesehen ab dem Ende des 19. Jahrhunderts, gibt es doch zuvor nur wenig kammermusikalisches Repertoire mit Beteiligung des edlen Instruments. Dies mit Flöte und Streichquartett zu kombinieren, führt geradezu zwangsläufig geradewegs in die Ecke der Raritäten aus Übergangsphasen und Randerscheinungen, zu denen Komponisten wie Gabriel Pierné, Arnold Bax, Joseph Jongen und André Caplet zumindest vordergründig gehören. Ein pauschales Urteil, dass sich im Konzert relativieren sollte. Zumal sich hier vermeintlich eklektizistische „Nachahmungen“ durchaus als individuelle Qualitäten bewährten.
Die Französin Agnès Clément an der Harfe, die Österreicherin Daniela Koch an der Flöte sowie das deutsche Streichquartett mit Anna Katharina Wildermuth sowie Noémi Zipperling an den Violinen, Caspar Vinzens an der Viola und Lukas Sieber am Violoncello zeigten sich in diesem Konzert als überaus begeisterungsfähige Musiker, wenn auch in ihrer Art, sie nach außen zu tragen, doch völlig unterschiedlich. Besonders spannend daher das Changieren in der Wirkung bei wechselnden Besetzungen.
Bedauerlich, dass kein Werk mit Beteiligung alle Musiker zu finden war, hätte man doch gerne die komplette Fülle des Klanges erlebt. Piernés „Variations libres et final“ ohne zweite Violine demonstrierte aber schon den Reichtum des Kolorits in der Konstellation aus Flöte, Harfe und Streichern in einem überaus üppigen Aufgebot an musikalischen Mitteln, die das Ensemble dennoch großartig unter einem weiten dramaturgischen Spannungsbogen aneinander fügt. Vergleichbar packende Werke waren auch die beiden Kompositionen für Harfe und Streichquartett. Zunächst das Quintett aus der Feder des englischen Erforschers keltischer Musik Arnold Bax, der auch den lyrisch-elegischen Impetus dieser alten Musikkultur nicht schmähte. „Conte fantastique“ von André Caplet nach der Erzählung von Edgar Allen Po „Die Maske des roten Todes“ sollte vor allem mit einer fesselnden, bilderreichen Erzählung punkten. Hier trieben die Musiker die Ausdruckspräzision auf die Spitze und kreierten einen ganzen Erlebniskosmos emotionaler Ausdrucksfähigkeit, der nicht zuletzt der Verarbeitung eigener Kriegserlebnisse des Komponisten absolut gerecht wurde.
Eine überaus feinsinnige Konstellation erklang in „Deux pièces en trio“ für Flöte, Violoncello und Harfe vom Belgier Joseph Jongen, der wie Pierné als vielseitiger Musiker vielen Einflüssen ausgesetzt war und sie reichhaltig verarbeitete. Der lyrische erste Satz verwies denn auch deutlich auf Debussy, doch schon das energische Allegro moderato zeugte von einer überaus eigenständigen, kraftvollen Musikerpersönlichkeit. Das musizierende Trio exponierte hier jedenfalls ein Werk von höchster Ausdruckskraft.
Mozarts Flötenquartett A-Dur KV 298 erwies sich in diesem Kontext als geradezu harmlos. Aber dies war denn auch die unterhaltsame Absicht des Komponisten, der hier nach französischer Tradition thematisches Material anderer Komponisten verwendete. Ja nicht zuletzt, sich über diese Komponisten lustig machte, wie im Schlusssatz über Paisiello, dessen Arienthema doch recht kleinlaut daher kam.Bei Beethoven sollte sich das Bild radikal wandeln. Der Komponist hatte schließlich in den drei Streichquartetten op. 59 erstmals eine orchestrale Fülle gewählt, um sich vom häuslichen Kammermusizieren zugunsten des großen Auftritts im Konzertsaal abzuwenden. Das Aris Quartett nahm im dritten Quartett in C-Dur diese Möglichkeit zum Anlass, aus dem Vollen zu schöpfen und mit dramatischer Wucht eine Interpretation höchster Intensität und eruptiver Energetik zu entfachen. Nicht ohne den langsamen, russischen Satz sinnieren sowie das Menuett in mozartischer Art galant tanzen zu lassen. Ein Finale, das dem dichten, ereignisreichen Vortrag des Abends absolut gerecht wurde.
Pressestimmen 
Preisträger des ARD-Musikwettbewerbs glänzen im Gautinger Bosco mit Raritätendes Repertoires für Flöte, Harfe, Cello und Streichquartett

Das Festival von Preisträgern des ARD-Musikwettbewerbs im Gautinger Bosco hat schon besondere Qualitäten. Da ist zunächst die gesteigerte Begeisterung der jungen Musiker, die im Spiel entspannt und voller Tatkraft ihren Erfolg auskosten und das Publikum daran teilhaben lassen. Und das ist zum anderen das Programm selbst, das wegen der nicht selten ungewöhnlichen instrumentalen Kombinationen viele Raritäten auf den Plan ruft. Obgleich Flöte, Harfe und Streichquartett nicht gerade eine exotische Besetzung ist, gibt es offenbar keine anspruchsvolle Originalliteratur für diese Konstellation.

Was also im Kulturzentrum Bosco zu hören war, stellte diverse klangspielerische Zusammensetzungen aus dem gegebenen Instrumentarium dar. Doch selbst bei diesem flexible Umgang war es notwendig, auf Raritäten zu setzten, ist doch der Einsatz der Harfe in der Kammermusik selten und im Grunde erst vom Ende des 19. Jahrhunderts an zu finden.

Musikliteratur, die vor allem aus dem spätromantischen Erbe heraus mehr oder weniger den Weg in die Moderne sucht, hat packende Qualitäten, ist aber auch bisweilen mit Ideen und musikalischen Mitteln überfrachtet. Dennoch und trotz ihrer unterschiedlichen Temperamente fanden die jungen Musiker immer eine klare Linie, in dieser Dichte und Intensität Ensemblehomogenität zu kreieren. Meist in erzählerischer Manier, ist doch gerade das klangmalerische Erzählen ein spezifischer Aspekt dieser Übergangsperiode. Explizit im "Conte fantastique" des Franzosen André Caplet, der darin die Poe-Erzählung "Die Maske des roten Todes" letztendlich dafür nutzte, seine eigenen Erlebnisse im Ersten Weltkrieg zu verarbeiten.

Aber auch der Brite Arnold Bax war ein musikalischer Erzähler. Zumal seine Vorbilder die Kelten waren, deren elegisch-melancholisches Erbe der Barden dem klagenden Quintett für Harfe und Streichquartett von 1919 spezifische harmonisch-melodische Besonderheiten verlieh, vor allem aber die atmosphärische Dichte. Diese zu gestalten, fiel zumeist der kecken Französin Agnès Clément zu, da der Charakter des Harfenklangs darin entscheidend ist, gerade bei einer derart ausdrucksstarken Interpretin.

Der Flöte gehörten nicht nur die Glanzlichter, sondern auch die Neigung zu überschwänglichen Höhenflügen. Besonders in den geistreichem "Variations libres et final" von Gabriel Pierné, der zusammen mit Debussy und Ravel zu den großen französischen Meistern gehört, trug die euphorische Österreicherin Daniela Koch viel zur feinsinnig changierenden Farbigkeit bei. Zusammen mit dem expressiven Cellisten des Aris Quartetts, Lukas Sieber, nahmen Clément und Koch dann spektakulär die Herausforderung an, "Deux pièces en trio" op. 80 des Belgiers Joseph Jongen ein Zeugnis für kompositorische Gewandtheit, Ausdrucksvermögen und packende Dramaturgie auszustellen. Insbesondere aus dem Kontrast vom langsamen, an Debussy erinnernden Satz und dem vitalen, heiteren und virtuosen zweiten Stück schöpfte das Trio eine packende Gesamtwirkung.

In puncto Unterhaltungswert gab das Repertoire ohnehin viel her. Ein Highlight war dabei zweifelsohne Mozarts Flötenquartett A-Dur KV 298, das der Komponist nach dem Vorbild des französischen Quatuor d'airs dialogués aus Themen anderer Komponisten kreierte. Ein musikalischer Spaß, der für einen privaten Zirkel gedacht war und von den Preisträgern mit dem adäquat galanten Augenzwinkern gespielt wurde.

Nach Caplets hochdramatischem "Conte fantastique" war aber auch der Weg zum absolut ernsten Streichquartett geebnet. Im C-Dur-Quartett op. 59/3 von Beethoven machte das Aris Quartett - neben Sieber die Geigerinnen Anna Katharina Wildermuth und Noémi Zipperling sowie der Bratschist Caspar Vinzens - seinen vitalen Zugriff deutlich. Aber auch den klanglichen Reichtum und die Ausdruckspräzision, vor allem im volkstümlich-russischen Andante, aber auch im mozartisch anklingenden Menuett.

Der Schlusssatz demonstrierte Beethovens orchestralen Anspruch in diesem Werk mit einem packenden Kehraus voller Wucht und Energie. Lang anhaltender, begeisterter Schlussapplaus im Gautinger Bosco.