Veranstaltungsinfo

Do, 15.12.2016
20.00 Uhr
Kabarett
20,00 / 10,00 €*
* VVK ab 02.07.2016

Lisa Catena: Gruezi Deutschland

Das liebenswürdige Energiebündel aus der Schweiz hat es faustdick hinter den Ohren, kann bitterböse werden, tritt genüsslich von unten nach oben und findet so einiges merkwürdig in diesem unserem Land.

Lisa Catena gewinnt am  29. Oktober 2015 in München den Kabarett Kaktus. Sie überzeugte mit einem hochaktuellen Programm: Pegida-Demonstranten beim Schweizer Integrations-Test, die Götterdämmerung des Franz Beckenbauer und warum wir beim Thema Flüchtlinge alle an die Grenzen kommen. „Mit ihrer politischen Neugier und ihrer schlagfertigen Lässigkeit zerstreut sie im Nu alle deutschen Bedenken und löst ein ganz wunderbar befreiendes Lachen aus“, schrieb die Jury in der Laudatio.
Der Kabarett Kaktus findet seit 1989 im Kulturzentrum Pasinger Fabrik in München statt. Er hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Karriere-Sprungbrett entwickelt. Ehemalige Preisträgern sind u.a. Claus von Wagner („die Anstalt“), Vince Ebert und Django Asül.

Ihre Bühnenkarriere begann vor 15 Jahren als Gitarristin einer Punkband. Seither hat sie ein paar Gitarrenverstärker entsorgt, zwei Chansonprogramme auf die Bühne gebracht und Satire und Komik für sich entdeckt. Mit der Figur des Hippiemädchens "Luna2, gewinnt Lisa Catena im Mai 2012 das Kabarettcasting der Oltner Kabarett-Tage. Mit dem Förderpreis entsteht das abendfüllende Programm "Wäutfriede".
2013 beschert Preisregen: Als erste Frau überhaupt, gewinnt Lisa Catena den «Swiss Comedy Award 2013», sowie «De goldig Biberflade» der Appenzeller Kabarett-Tage. Der “Wäutfriede” schafft es auf Anhieb ins Comedy Rating 2013 der Sonntagszeitung und wurde auf zahlreichen Bühnen in der ganzen Schweiz gespielt. Im Mai 2015 feiert das 2. Programm „Wahlversprechen“ Première und tourt seither landauf, landab. 2014 begann Lisa in Deutschland aufzutreten. Im November 2015 gewann sie den Kleinkunstpreis „Kabarett Kaktus“ in München.

Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2016

Nach(t)kritik 

„Keine Sorge, morgen bin ich wieder weg.“ Das war als Trost für die AfD-Wähler im Gautinger Publikum gedacht. Aber von wegen. Diese Ausländerin werden wir wohl so schnell nicht mehr los: Die Schweizer Senkrechtstarterin in Sachen Polit-Kabarett Lisa Catena hat jetzt sogar eigens für uns ein Programm geschrieben und schickt sich gerade an, damit auch in Deutschland einen Preis nach dem anderen abzusahnen. Und von wegen neutrale Schweiz: In „Grenzwertig“ wird scharf geschossen. 

Die 36-jährige, nach eigenen Angaben Tochter von Ex-Hippies und selbst Ex-Waldorf-Schülerin und Ex-Punkerin, bedient so ziemlich alle Klischees, die einem über Schweizer und Deutsche einfallen – und noch eine ganze Menge mehr. Dass man ihr trotzdem bis zur letzten „Pointe aus Freilandhaltung“ so gerne folgt, das liegt vor allem an ihrer unverbrauchten, höchst sympathischen Art und an der ehrlichen Botschaft, die sie dabei hat: Wir sollen doch bitte unseren Humor nicht verlieren angesichts von Salafisten, Impfgegnern und anderen Extremisten. Oder auch: „Make assholes small again.“

Überhaupt gäbe es doch so Vieles, was die Schweizer und die Deutschen verbindet. Wir haben die Flüchtlinge, die Schweizer müssen unsere Ossis integrieren. Das fängt dann schon mit dem Sprechtempo an: Gar nicht so einfach, wenn der sächsische Kellner das Essen schon gebracht hat, bevor der einheimische Gast mit seiner Bestellung fertig ist. Aber abschieben kommt nicht in Frage, denn angesichts von Pegida ist Sachsen längst kein sicheres Herkunftsland mehr. „Bürger mit Frustrationshintergrund“ gibt es nicht nur bei uns, sondern auch in der Schweiz. Und der „Phrasomat“, den Lisa Catena als „Nachbau“ vorführt, funktioniert bei den eidgenössischen Politikern ebenso wie bei unseren: Man kombiniere beliebige Phrasen mit den immer gleichen Gesten zu einer Grundsatzrede, die aus nichts als heißer Luft besteht.

Aber es gibt durchaus auch Unterschiede. Die Ergebnisse ihrer „Röscherche“ über uns Deutsche hat Lisa Catena mit Schweizer Gründlichkeit in einem schwarzen Notizbuch zusammengetragen. Wenn sie das zückt, wird es echt peinlich für uns. „Sie sind fast überall Weltmeister“, bescheinigt sie uns, „auch beim Birkenstock tragen.“ Beim Alkoholkonsum liegen wir nur im Mittelfeld, verbringen aber durchschnittlich drei Jahre unseres Lebens im Badezimmer und 9,5 Stunden täglich mit Medienkonsum. Vielleicht gibt es auch da zeitliche Überschneidungen? Wie würden wir sonst noch die Zeit finden, um unserer Lieblingsbeschäftigung nachzugehen, nämlich der Gartenarbeit. Und schließlich die Sache mit Wilhelm Tell: „Wir haben uns eine Menge Ärger erspart, dass wir den Österreicher verjagt haben. Aber wem sage ich das.“