Veranstaltungsinfo

So, 06.03.2016
15-18.00 Uhr
Ausstellung
Eintritt frei
Sammeln macht glücklich: Hermann Geiger und die 50er Jahre

Sammeln macht glücklich: Hermann Geiger und die 50er Jahre

Hermann Geiger aus Unterbrunn ist ein leidenschaftlicher Sammler und Archivar! Manches Heimatmuseum wäre froh, einen Bruchteil seiner Sammlung vorweisen zu können.

Hermann Geiger aus Unterbrunn ist ein leidenschaftlicher Sammler und Archivar! Seine gesammelten Schätze sind schier unüberschaubar vielfältig. Manches Heimatmuseum wäre froh, einen Bruchteil der Sammlung vorweisen zu können. Zum ersten Mal öffnet er sein „Schatzkästlein“ in Gauting für eine Ausstellung im bosco. Die auswahl beschränkt sich auf die Wiederaufbaujahre, die 50er und 60er Jahre: Automobile, Küchenausstattung, Kinderspielzeug usw. Lassen Sie sich von Hermann Geigers Schätzen überraschen, denn „Sammeln macht glücklich“! (Goethe)
"Geiger spürt es geradezu körperlich, wenn ein Stück Heimat verloren zu gehen droht, wenn die Zeitläufte etwas für immer vernichten könnten. Dann geht er hin, spricht die Leute an, dokumentiert mit Fotos und Kamera, lässt Augenzeugen zu Wort kommen, ehe sie vielleicht für immer verstummen. […] es geht ihm nicht um Ehren, es geht ihm ums Sammeln. Darum, es für die Menschen aufzuheben, um ihnen zu zeigen, was sonst verschütt zu gehen droht: „Ich sammel ja nicht, dass ich’s versteck, sondern dass ma’s oschaugt, dass i’s herzoag“, sagt er beim Gespräch. Drei große Scheunen auf dem Geiger-Hof hat er mittlerweile voll mit seinen heimatlichen Fundsachen, „nur das Wohnhaus ist tabu“. THOMAS LOCHTE

Öffnungszeiten:
bis 06.03.2016 zu den Öffnungszeiten des bosco und während der Abendveranstaltungen und zusätzlich
Samstag, 05.03.2016: 15.00-18.00 Uhr
Sonntag, 06.03.2016: 15.00-18.00 Uhr

EINTRITT FREI

Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Nach(t)kritik 

Man braucht nur den Kopf durch das Fenster in das feuerrote Goggomobil stecken. Flash.  Zeitreise. So haben Autos früher gerochen. Aber das ist erst der Anfang. Man betritt den Ausstellungsraum. Flash. Wie bitte kommt die Frisierkommode aus dem Schlafzimmer der eigenen Großmutter ins bosco? Für einen klitzekleinen Augenblick sieht man sie, wie sie in dem dreiteiligen Klappspiegel ihre Frisur begutachtet. Und natürlich steht da auch ihr Fläschchen mit Kölnisch Wasser auf der Glasplatte. Und die übrigen Schönheitsutensilien.
Dann in der Küche die Schranktüren in Pastellfarben. Die drei Schubfächer für Zucker, Mehl und Salz. Auf dem Tisch der trichterförmige Messbecher von Dr. Oetker. In einer Ecke der mechanische Teppichkehrer und an einem Haken die geblümte Kittelschürze. Wahrscheinlich gerade Frühjahrsputz. An der Wand die schnittig geformte Küchenuhr mit der eingebauten Eieruhr. Auf dem Herd der ebenfalls schnittig geformte Wasserkessel. Flash. Spargelröllchen. Russische Eier. Fliegenpilze.
Im Wohnzimmer stehen auf dem schnittigen Nierentisch schon die Likörgläschen und hinter Glas die Flaschen mit Dornkaat und Eierlikör. Salzstangen in einer Glasschale. Die Glasschale auf einem Spitzendeckchen. Ein weiteres Spitzendeckchen auf dem Radio und noch eins auf dem Fernsehschrank. In einer Ecke auf dem Blumenständer das Usambaraveilchen und in einer Ampel die Grünlilie. Auf dem Wohnzimmerschrank ein Bowle-Set und eine tickende Uhr. Im Schrank das gute Geschirr. Und dazu die Musik von Heidi Brühl, Vicco Torriani und Gus Backus. Als wären die Bewohner dieses Zimmers nur für einen Moment hinausgegangen, um den Ausstellungsbesuchern Platz zu machen. Als dann oben bei der Eröffnung tatsächlich der echte Gus Backus in der ersten Reihe saß und fröhlich winkte – da war das nur noch die letzte rasante Kurve einer unglaublichen Zeitreise. 
Möglich gemacht wurde das alles durch Hermann Geiger aus Unterbrunn. Der passionierte Sammler zeigt im bosco „ein Promill seiner Schätze“, so Hans Georg Krause bei der Eröffnung der Ausstellung „Sammeln macht glücklich“ am Samstagnachmittag. Die Auswahl beschränkt sich auf Alltagsdinge aus den Fünfziger und Sechziger Jahren – von Autos über Möbel und Spielsachen bis hin zu Zeitschriften und Zeitungen, Warenkatalogen, Plakaten, sogar alten Rechnungen. Wobei natürlich „beschränkt“ angesichts einer schier unglaublichen Fülle nicht das richtige Wort ist. Rosemarie Zacher und Sybille Sommer haben für Geiger die Zeitreise-Wohnung im bosco eingerichtet und die übrigen Exponate in Vitrinen im ersten Stock arrangiert. Zur Ausstellungseröffnung waren gleich mehrere Generationen von Gautingern gekommen. Die einen mögen sich an ihre eigene Jugend erinnert haben, die anderen daran, wie Eltern oder Großeltern gewohnt haben. Und die ganz jungen werden wohl keine Ahnung gehabt haben, wer Lurchi, Mecki und die echten alten Mainzelmännchen waren.
Wer in dieser wunderbaren Wirtschaftswunderwelt immer noch nicht von der Welle der Nostalgie erfasst worden war, für den gab es am Eröffnungstag stilecht Marmorkuchen, Obstschnitte mit Banane und Käse-Sahnetorte. Und dann noch einen bezaubernden Werbefilm aus den Fünfzigern. Hans Georg Krause aber hielt die Ausstellungseröffnung für den richtigen Moment, um sich für Gauting einen Ausstellungsraum zu wünschen: „Allein für Hermann Geiger bräuchten wir einen.“