Veranstaltungsinfo

Mo, 23.10.2017
20:00 Uhr
Diskussion
Vortrag
Eintritt frei

Achitektur-Sichten: Ideen zum Gautinger Bahnhof

In Zusammenarbeit mit der AG ArchitekturSichten, gefördert durch die Bayerische Architektenkammer
Der alte Bahnhof prägt seit hundert Jahren das Ortsbild. Er steht an einer wichtigen Stelle: Zusammen mit dem E-Werk am Hauptplatz fassen beide Bauten die Bahnhofstraße wie eine Klammer zusammen. Der alte Bahnhof hat mit neuer Nutzung Zukunft. Diese gilt es zu gestalten. Die Referenten machen dazu Vorschläge.

Referenten
DR. ANDREAS ROMERO, Architekt und Stadtplaner
WOLF-ECKART LÜPS, Atelier Lüps Achitektur + Stadtplanung

Zur Reihe ARCHITEKTUR-SICHTEN:
Wie wollen wir leben? Mit einer neuen Gesprächsreihe über Architektur möchten wir in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe „ArchitekturSichten“ Fakten und Probleme sichten, Fragen stellen, Antworten hören. Gauting verändert sich. Eine gute Gestaltung ist wichtig. Was aber ist gute Architektur? Wir Fragen Architekten und Stadtplaner, Investoren und Mandatsträger, wie sie Gauting sehen und welche Ideen und Vorschläge sie haben. Ausgangspunkt ist unser Ort im Würmtal, die Architektur der Welt ist das weitere Feld. In den Gesprächen geht es um Baukultur und darum, für die Fragen von Architektur und Stadtplanung eine Diskussionsplattform zu schaffen.

Die Reihe wird inhaltlich von der Arbeitsgruppe „Architektur-Sichten“ programmiert, der Theaterforum Gauting e.V. ist Mitveranstalter, weil wir Fragen an die Zukunft für wichtig halten.

Gefördert durch die Bayerische Architektenkammer

Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2017

Pressestimmen 

Ideen zum Bahnhof mobilisieren die Gautinger. Mehr als 200 Besucher drängten zur Auftaktveranstaltung der neuen Veranstaltungsreihe „ArchitekturSichten“ ins Bosco.

Das war ein optischer Anteiz: Zum Auftakt der lebhaften Debatte über Ideen zum Gautinger Bahnhof zeigte Dr. Andreas Romero eine Ansicht der Hamburger Elbphilharmonie des Star-Architekten-Büros Herzog & de Meuron als hochkarätige Zukunftsvision für das örtliche Bahnhof-Entrée. Überwältigt vom Publikums-Ansturm hatten Romero und Theaterforum-Vorsitzender Hans-Georg Krause die Veranstaltung kurzerhand von der Bar in den großen Bosco-Saal verlegt.

Auf dem Podium erläuterte Bürgerforum-Vorsitzende Dr. Ulla Ziegler die Historie des Gautinger Bahnhofs. Die Architekten Wolf-Eckart Lüps und Romero präsentierten bisherige Entwürfe: Von Peck/Lüps stammt ein Modell mit dynamischem Glasfassaden-Baukörper entlang der Gleise. Der Entwurf von Benedikt Sunder-Plassmann erhält das Kopfgebäude des Bahnhofs. Richtung Kino will der Architekt einen Glasanbau als neuen Bürgertreff setzen. Zur Diskussion stehen auch zwei Varianten des Gautinger Architekten Christian Hadlich: Plan eins wäre ein Neubau in ähnlicher Optik wie das jetzige Empfangsgebäude. In Hadlichs Plan B wird das schmale, sanierungsbedürftige Jugendstil-Empfangsgebäude restauriert. Die bisher nur über Stufen zugängliche Schalterhalle würde einem barrierefreien Anbau weichen.

Wenn der historische Bahnhof gut saniert werde, sagte Dr. Ulla Ziegler zum zweiten Hadlich-Entwurf, müsse sich der Bahnhof zwischen dem geplanten fünfgeschossigen Neubaukomplex auf dem Areal der früheren Grundschule nicht verstecken. Ziegler empfahl, die überquellende Gemeindebücherei aus dem Rathaus in den sanierten Bahnhof zu verlegen. Das Kopfgebäude verfüge auch über einen „wunderschönen“ Gewölbekeller.

„Es gibt am Bahnhof keinen öffentlichen Platz, der diesen Namen verdient“, kritisierte Hanne Degkwitz den entstehenden Riegel auf dem ehemaligen Grundschulareal. Bernhard Donhauser vermisst einen städtebaulichen Wettbewerb für den gesamten Ort Gauting. „Wir haben nur noch Kolosse“, ärgerte sich Johanna Krepold über Stückwerk ohne Gesamtkonzept. Auf dem Baderhof-Grundstück am Hauptplatz sei ein „Mordskasten“ entstanden, hinter dem sogar der Kirchturm verschwinde, wetterte die Gautingerin unter tosendem Applaus im Saal.

„Wie können wir solche Monster in Zukunft verhindern?“ fragte Neu-Bürgerin Angelika Siegmund. „Deshalb machen wir die ArchitekturSichten“, antwortete Romero, „um den Gemeinderat zum Nachdenken zu bringen.“

„Für prominente Plätze in Gauting wünsche ich mir eine Gestaltungskommission“, zeigte Architektin Dieta Richter einen Weg. Nicht immer maximale Bebauung wie am bald abgerissenen Bergmoser-Haus am Hauptplatz oder am Krapfberg, wo die gemeindliche Hofinger-Villa abgebrochen werde, verlangte Nikolaus Biederstett.

„Ich fürchte, wenn das mehrfach sanierte Kopfgebäude bleibt, wirkt der Bahnhof zum Rest wie ein Legohäuschen“, sagte Hans-Georg Krause und er forderte: „Keine Angst vor guter Architektur.“ Romero griff Krauses Gedanken auf: „Gauting liegt am Meer.“ Diesen Titel des jüngsten Literaturwettbewerbs schickte der Stadtplaner als Botschaft an den Gemeinderat.

Es geht um die Zukunft des historischen Empfangsgebäudes beim Gautinger Bahnhof. Beschlossen ist, das Bauwerk zu sanieren. Stadtplaner Dr. Andreas Romero macht das Bahnhofsgebäude zum Thema seiner neuen Veranstaltungsreihe „ArchitekturSichten“. Mit dem Uttinger Architekten Wolf-Eckart Lüps auf dem Podium wird Romero den interessierten Bürgern am Montag, 23. Oktober, im Bosco zunächst Kollegen-Entwürfe vorstellen. Zum Auftakt der Veranstaltung wird Dr. Ulla Ziegler die Historie des Bahnhofs erläutern.

Das Podium wird am Montag leider etwas abgespeckt sein, bedauert Romero. Der im Theaterforum-Programm noch angekündigte Benedikt Sunder-Plassmann habe zurückgezogen. Grund: Der Architekt, der bereits den restaurierten historischen Feldafinger Bahnhof geplant hat, wird sich am laufenden Gautinger Plangutachten beteiligen. Den Sunder-Plassmann-Entwurf wird daher sein Kollege Romero dem Publikum vorstellen. Der sieht vor, das Kopfgebäude des Bahnhofs als Blickachse und Gegenpol zum denkmalgeschützten E-Werk unten am Hauptplatz stehen zu lassen. Diese Idee zum Gautinger Bahnhof hatte Sunder-Plassmann seine Idee schon im Januar im Gemeinderat erläutert. Richtung Breitwand-Kino will er eine neue verglaste Halle setzen, in der wie im Feldafinger Bahnhof ein neuer Bürger-Treffpunkt mit Kaffeetheke entstehen soll.

Zur Diskussion stehen auch zwei Varianten des Gautinger Architekten Christian Hadlich: Plan eins ist ein Neubau in ähnlicher Optik wie das jetzige Empfangsgebäude. Potenzial hätte die Gemeinde zudem für 30 bis 50 Wohnungen nebst Tiefgarage auf der Südseite des historischen Bahnhofsgebäudes. Dadurch entstünde am Bahnhof ein neuer Platz mit Aufenthaltsqualität – für täglich 6000 bis 7000 S-Bahn-Fahrgäste. In Hadlichs Variante zwei wird das schmale Jugendstil- Gebäude mit Dach-Wohnung erhalten – und restauriert. Die bisher nur über Stufen zugängliche Schalterhalle würde einem barrierefreien Anbau weichen, dem künftige Bürgerbahnhof.

Schon in der Gemeinderatssitzung im Januar hatte Schauspieler Sebastian Hofmüller einen Bürgerbahnhof nach dem Landsberger Modell angeregt, betrieben von einer noch zu gründenden Genossenschaft. Den früheren Abrissbeschluss fürs historische Empfangsgebäude hatten Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger und der Gemeinderat damals ausgesetzt – und das geförderte Plangutachten mit Kostenberechnungen in Auftrag gegeben.

„Wir wollen die Bürger für ihren Bahnhof interessieren“, sagt Dr. Ulla Ziegler und freut sich auf eine lebhafte Diskussion zum Auftakt der Gautinger „ArchitekturSichten“ im Bosco. Der Eintritt ist frei. Schade, dass die Veranstaltung mit der Stockdorfer Bürgerversammlung konkurriert.