Veranstaltungsinfo

Do, 12.11.2015
20.00 Uhr
Musik
Vielklang
18,00 €
Jeff Wilkinson & the Sutterdogs

Jeff Wilkinson and the Shutterdogs: Americana der Sonderklasse

Songwriter mit verstärkten Folkwurzeln. Rückkehr des kraftvollen Balladensängers mit seiner Begleitband „The Shutterdogs“
Unbekannte Namen können eine Entdeckung sein. Dies zeigte sich bereits bei den früheren Tourneen von Jeff Wilkinson, der bereits mehrmals in Europa auf Tournee war: solo, im Trio, mit den früheren „Navigators“ oder im Trio mit „Landscapes“ – jetzt kommt er wieder mit voller Bandbesetzung und das wird ein Konzertleckerbissen!
Jeff Wilkinson ist eine unauffällige Persönlichkeit, ein stiller Mensch, den man im Gespräch nicht immer leicht versteht, dessen ganz ruhige Stimme nie eine derartig charismatische Bühnenpräsenz vermuten lässt. Wie viele seiner Zeitgenossen blüht er auf der Bühne so richtig auf und besticht mit Sicherheit und einer immens breiten Themenvielfalt in seinen Liedern genauso. Jeff Wilkinson singt viele Balladen, Erzählungen aus dem amerikanischen Alltag, die von Footballteams bis zur Postboten-Ballade reichen. Wilkinson hat immer den Menschen beobachtet, den Amerikaner, sei es im Herzen New Yorks oder auch ausserhalb in ländlichen Gegenden. In seinen Liedern fasst er diese Eindrücke packend zusammen. Mit verschiedenen Gitarrentechniken von Rag Über Fingerpicking bis hin zum Blues, mit verschiedenen Rhythmen, die sogar bis zum Calypso reichen können, macht Jeff Wilkinson seine Vielseitigkeit deutlich. Vergleiche mit anderen sind bei ihm schwierig: die Balladen können zuweilen an Jerry Jeff Walker erinnern, der ausbrechende Blues weist mehr in Richtung Dave Van Ronk und die lockeren, aufgestellten Nummern zeigen auf John Prine oder John Hiatt. Sein neues Songschaffen ist dementgegen einiges folkiger ausgelegt. Er hat 1990 mit "Ballads In Plain Talk" seine erste CD vorgelegt, doppelte mit dem Reisser "Brave And True" 1992 nach und präsentierte nach fast vierjähriger Pause 1996 mit "Just Luck" einen weiterer Meilenstein. In den letzten Jahren ist Jeff Wilkinson folkiger oder akustischer geworden und tritt nun Multiinstrumentalist/Bassist Greg Anderson, Dan Fisherman am Schlagzeug und Sängerin/Geigerin Sara Milonovich auf. Americana der Sonderklasse!



www.jeffwilkinsonmusic.com
Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
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2015

Nach(t)kritik 
Wenn die Zuhörer noch kurz den Atem anhalten, ehe sie den verdienten Beifall spenden, dann hat das unbedingt etwas mit der Intensität des soeben Gehörten zu tun: Beim Gastspiel von Jeff Wilkinson & The Shutterdogs konnte man solche Momente der Andacht fast den ganzen Abend lang registrieren – der in Michigan beheimatete Musiker und seine drei Mitstreiter aus dem Raum New York schlugen die Leute immer wieder in ihren Bann. Wilkinson ist nämlich ein Songwriter der alten Folk-Schule im Stile eines Pete Seeger, seine Lieder allerdings kraftvoll garniert mit bluesigen Hobo-Elementen, irischem Blut und einer Prise Rock´n´Roll. Seeger, der zeitweilig nicht weit entfernt von Jeffreys Wohnort Beacon lebte, habe ihm mal gesagt, er solle ruhig Songs schreiben über seine Heimat, auch wenn er offenkundig rein gar nichts darüber wisse, erzählt Wilkinson zwischendurch selbstironisch auf Englisch. Gerade hat er sich mal wieder auf eine drei Wochen dauernde „Europa-Tour“ begeben, die ihn durch die Schweiz, Holland und ein paar ausgesuchte Konzertplätze in Deutschland führt – erstmals tritt er dabei nicht solo auf, sondern eben mit drei vorzüglichen Musikern, die es ihm ermöglichen, die ganze Herrlichkeit seines Schaffens auszubreiten: Da wäre Sara Milonovich, die vor allem an der Geige ein jederzeit wärmendes Feuer entfacht und Wilkinson´s Gesang zusammen mit dem Bassisten Greg Anderson wirkungsvoll unterstützt – Saras leicht rötlich-blonde Haare ließen sie mühelos als Irin durchgehen, und so wurde man auch optisch daran erinnert, wo einige Wurzeln der Folk-Tradition liegen. Ihr Solo „Farewell, Little Sarah“ war herzergreifend – nur ihre klare Stimme und ihre Geige und danach, wie eingangs erwähnt, angehaltener Atem beim Publikum.
Drummer Dan Fisherman komplettiert dieses perfekt harmonierende Quartett, das sich meist in so anrührender Weise den großen amerikanischen Themen widmet: Verlust von Heimat und Natur, Wanderschaft, soziale Verwerfungen und Identitätssuche in einer immer härter werdenden Zeit. Jeff Wilkinson scheint selbst ein solcher Pfadfinder zu sein, wenn er von zerbrochenen Gitarren und einer zerbrochenen Liebe singt („Hatboro Girl“), von endlosen Greyhound-Bus-Fahrten über Land, vom Hudson River oder einem seelisch erfrischenden Waldspaziergang. Bis zu Erlösungsträumen wie in „Giants´ Dream“ oder dem bilanzierenden „That´s All I Had“ reichen die offenbar wettergegerbten Erfahrungen seines Lebens: „Some day I will lay down my head..“ lautet eine Song-Zeile, die fast ins Religiöse spielt. Da hat einer mit 17 Jahren schon Lieder vom Aufbruch geschrieben und ist noch immer unterwegs – mit kraftvoller Stimme und stilistisch einmal quer durch die Musikgeschichte Nordamerikas: Stampfender Squaredance, schaukelnder Bluegrass, kerniger R&B – im Grunde hätte Wilkinson sich damals den „Traveling Wilburys“ um Bob Dylan, Roy Orbison und Tom Petty anschließen können: „Handle With Care“ hätte auch zu ihm gepasst, er hat "ein Händchen" fürs singende Erzählen. Doch Jeffrey, „hauptberuflich“ dem Vernehmen nach in den USA ein erfolgreicher Architekt, war vielleicht zu sehr Einzelgänger und hat manchmal lieber den Mond angeheult. Der letzte Song dieses fantastischen Abends trug jedenfalls den Titel „Moon Child“.