Veranstaltungsinfo

Fr, 15.09.2017 bis Fr, 27.10.2017
19:00 Uhr
Ausstellung
Eintritt frei

Sophie Image: Kontraste

Sophie Image - so nennt sich die erst 17-jährige Gautingerin Sophie Linckersdorff, die in dieser Ausstellung ungewohnte Blickwinkel und spannungsvolle Ausschnitte zeigt.
Es sind die unscheinbaren, kleinen, versteckten Dinge, an denen man oft achtlos vorübergeht, die in den Werken von Sophie Image gekonnt in Szene gesetzt sind. Detailaufnahmen fallen durch Verfremdung auf. Ein kontrastreiches Schattenspiel setzt vorhandene Strukturen fort, abhängig vom flüchtigen Licht des Augenblicks. Die Bilder entstehen an teils abenteuerlichen Orten und zeichnen sich durch eine erstaunliche Kreativität aus.

2016 gewann Sophie Linckersdorff den Jugend-Kreativitätspreis beim Fotowettbewerb „so sehe ich meine Gemeinde“ der Gemeinde Gauting, sowie den ersten Preis im Fotowettbewerb ,,Hell-Dunkel" im Rahmen der Kulturtage Starnberg.

2017 erfolgte eine erste Einzelausstellung ausgewählter Werke in der Galerie ,, Artefacts" in der Münchner Galeriestraße am Hofgarten.

Eröffnung durch Dr. Brigitte Kössinger, 1. Bürgermeisterin
Dauer der Ausstellung bis 27.10.2017 zu den Öffnungszeiten des bosco und während der Abendveranstaltungen
Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2017

Nach(t)kritik 

Es ist die stille Ästhetik, durch die sich diese Bilder auszeichnen, und es ist der Blick der Fotografin, der scheinbar Banales, eigentlich Unschönes oder einfach nur Strukturhaftes ins Zentrum eines Bildes rückt. Das Ungewöhnlichste an der Ausstellung „Kontraste“ aber ist wohl das Alter der Fotografin: Mit 17 Jahren hat die Gautingerin Sophie Linckersdorff, die unter dem Künstlernamen „Sophie Image“ ausstellt, bereits zwei regionale Fotowettbewerbe gewonnen und eine erste Einzelausstellung hinter sich – jetzt zeigt sie ihre Arbeiten zur Spielzeiteröffnung im Bosco-Foyer. 

Fotografieren, so könnte man meinen, ist heutzutage keine Kunst mehr. Der Medienphilosoph Vilém Flusser bescheinigte uns schon vor dreißig Jahren eine „apparatische Sichtweise“, einen Kamerablick: Wir nehmen die Welt wahr, als blickten wir durch eine Kamera, sind ständig auf der Suche nach Motiven. Das trifft für die jüngeren Generationen noch in weitaus größerem Maß zu: Bei ihnen kommt zum Kamerablick auch noch der einstudierte „Selfie-Blick“, manche junge Mädchen benehmen sich, als wäre das ganze Leben ein Foto-Shooting.

Und gerade das macht die Bilder von „Sophie Image“ umso außergewöhnlicher: Vor zwei Jahren bekam die Gymnasiastin eine kleine Digitalkamera geschenkt, seither fotografiert sie auf Reisen mit ihren Eltern oder einfach in München, in der Oldtimer-Flugwerft in Oberschleißheim etwa oder an der Trabrennbahn in Daglfing. Für ein verlassenes Fabrikgelände in Aubing brauchte sie nicht nur einen Chauffeur, sondern auch gleich einen Bodyguard. „Das ist eigentlich das Schwierigste, dass man an manche Orte nicht alleine hinkommt und auch als Mädchen dort nicht alleine unterwegs sein kann“, erzählt sie. Und wenn niemand Zeit hat, sie auf ihren Fototouren zu begleiten, dann nimmt sie zumindest den Hund als Beschützer mit. Sieht man einmal von der finanziellen Unterstützung bei der Realisierung der Ausstellung ab, dann braucht sie keine Unterstützung und erst recht keine Beratung: Sie kommt ohne ein Bildbearbeitungsprogramm aus und fotografiert, was ihr gefällt. Zuweilen macht sie aus den ursprünglich farbigen Aufnahmen Schwarzweißbilder, manchmal dreht sie nur ein bisschen an den Farben und natürlich weiß sie auch, wie man Kontraste verstärkt – so wie es vermutlich alle ihre Freundinnen am Handy auch machen. Mit dem Unterschied freilich, dass die Bilder von „Sophie Image“ mit dem üblichen Posing und den üblichen Sonnenuntergängen einfach gar nichts zu tun haben. 

Während nun die Schriftzüge auf den alten Propellermaschinen in der Flugwerft, die altmodische Lichtreklame an der Trabrennbahn oder das Buster-Keaton-Plakat an einem verlassenen Ladengeschäft durch ihre geradezu nostalgische Retro-Anmutung bezaubern, das zugemauerte Kirchenportal in Korsika, die Schatten der Hackerbrücke oder der Blick in eine marode Fabrikhalle in München stellen ein besonderes Gespür für architektonische Details und rhythmische Anordnungen im Bild unter Beweis. Bei der Fensterwand im Prager Veitsdom, wo ein Baugerüst die Motive der bunten Glasscheiben verstellt, unterbricht und zugleich rhythmisiert und in Szene setzt, denkt man bereits an große Architekturfotografie. Windräder und Stromleitungen, Fabrikschlote und riesige Graffitis, ein paar Ruder am nebelgrauen Strand und ein paar alte Maschinen – all das macht die junge Fotografin zu beeindruckenden und zugleich leisen, manchmal melancholisch-schönen Inszenierungen.

Pressestimmen 
Sophie Linckersdorff (17) stellt bemerkenswerte Fotografien im Gautinger Bosco aus

„Wo ich hinkomme, schaue ich mich um“, verrät Sophie Linckersdorff das Geheimnis ihrer Motivsuche. Zum Auftakt der neuen Saison im Gautinger Bosco stellt die 17 Jahre junge, aber schon preisgekrönte Fotokünstlerin unter ihrem Pseudonym Sophie Image Fotos aus. Thema: Kontraste. Zum Beispiel die Momentaufnahme eines Riesenrades im menschenleeren Berliner Spreepark neben einem qualmendem Fabrikschlot. Weil die Anlage abgebrochen ist, „ein verlassener Ort, den es so nie mehr geben wird“, erläutert Sophie ihr persönliches Lieblingsfoto.

Zum Lachen brachte Sophie Linkersdorff schon eine ganze Jury: Beim Gautinger Wettbewerb „So sehe ich meine Gemeinde“ hatte die damalige Realschülerin nämlich einen Schnappschuss von ihrem Labrador eingereicht – und damit 2016 den Jugendkreativitätspreis eingeheimst. „Sammy“, so heißt der Hund, reckt sich auf dem Foto neugierig zur Warntafel „Vorsicht Biber“ im Grubmühlerfeld – mit hängender, lechzender Zunge.

Weitere Meilensteine auf dem Weg der Gautingerin waren der erste Preis im Fotowettbewerb „Hell-Dunkel“ der Starnberger Kulturtage – und 2017 eine erste Einzelausstellung in der Münchener Galerie „Artefacts“ am Hofgarten, sagte Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger bei der Vernissage in der überfüllten Bar „rosso“. „Du zeigst Licht und Schatten an verschiedenen Orten“, bewunderte die Bürgermeisterin die junge Fotografin. Allen Motiven von Sophie Image sei eines gemein: Der Betrachter benötige Ruhe und Muße, um die Schönheit dieser Momentaufnahmen zu erfassen.

Gleich am Treppenaufgang im Bosco hängt das Hochformat einer nostalgischen Holz-Ladentür in Sepia mit Buster Keaton. Auf einem Korsika-Urlaub mit ihrer Familie hat Sophie das Motiv entdeckt – und mit ihrer handlichen Kleinkamera abgelichtet. „Die Kamera hatte ich mir vor zwei Jahren von meinen Eltern gewünscht“, sagt Sophie, die das Münchner Anna-Gymnasium besucht. Weil die zierliche Fotografin auch gern verlassene Industrieanlagen ablichtet, ist ihr Labrador und jemand, der gerade Zeit hat, bei ihrer Motivsuche immer mit dabei.Im Bosco hängt auch ein „lost place“, eine verlassene, zerfallene Münchner Fabrikhalle bei Aubing mit großem Haifisch-Graffiti im Vordergrund. „So sieht‘s da nie wieder aus“, sagt Sophie Linckersdorff. Denn wie auf ihrem Lieblingsbild mit dem Berliner Riesenrad ist auch diese ausgediente Industrieanlage inzwischen abgebaut. Ältere Betrachter, darunter ein Fotokünstler, bewundern die Genialität von Sophie Image: Im richtigen Moment hat die 17Jährige die leuchtende Farbpracht der Oberlichtfenster des Prager Veits-Doms abgelichtet. Oder die gerade menschenleere Eisenkonstruktion der Münchner Hackerbrücke, wo jetzt die Massen zur Wiesn wandern. Perfekt erfasst ist auch diese Schwarz-Weiß-Groß-Aufnahme: Wie Skulpturen ragen zum Trocknen steil aufgereihte Paddel vom Sandstrand in den Wolkenhimmel. Vor dem grauen Meer steht ein Junge. Sophie Image hat das Motiv an der Kurischen Nehrung entdeckt. Strebt die junge Künstlerin eine Profi-Karriere an? „Ja, das ziehe ich in Erwägung.“