Veranstaltungsinfo

Mi, 11.05.2016
20.00 Uhr
Klassik
25,00 / 15,00 €
Alexej Gerassimez im bosco, Gauting - FOTO: Daniel Delang
Franciscol López Martin im bosco, Gauting - FOTO: Daniel Delang
Sooyeon Lee im bosco, Gauting - FOTO: Daniel Delang
Ani & Nia Sulkhanisvili im bosco, Gauting - FOTO: Daniel Delang

Konzert der ARD-Preisträger: Alexej Gerassimez, Sooyeon Lee, Francisco López Martin, Duo Ani & Nia Sulkhanishvili

ARD-Presiträger 2015!
Auch in diesem Jahr kommen Preisträger des Internationalen Musikwettbewerbs der ARD im Rahmen des Festivals der ARD-Preisträger für ein Konzert nach Gauting. Die Künstler – die sich für diese Tournee oft das erste Mal als Kammermusikpartner treffen – werden während einer kurzen, intensiven Probenphase ein für das Festival zusammengestelltes Programm erarbeiten. In unterschiedlichen Ensemble-Formationen werden sie in Gauting ein spannendes Programm zur Aufführung bringen.

SOOYEON LEE, Südkorea, Gesang, 2. Preis & Publikumspreis (2015)
FRANCISCO LÓPEZ MARTIN, Spanien, Flöte, 2. Preis & Publikumspreis (2015)
DUO ANI UND NIA SULKHANISHVILI, Georgien, Klavierduo, 2. Preis (2015)
ALEXEJ GERASSIMEZ, Deutschland, Schlagzeug, 2. Preis (2014)

19.00 Uhr Konzerteinführung durch den Kulturjournalisten Reinhard Palmer

Sergej Prokofiev (1891-1953); Sonate für Flöte und Klavier D-Dur, op. 94
Moderato // Presto // Andante // Allegro con brio
 
Kurt Weill (1900-1950): Ofrah’s Lieder für Sopran und Klavier
- In meinem Garten
- Nichts ist die Welt mir
- Er sah mir liebend in die Augen       
- Denkst du des kühnen Flugs der Nacht  
- Nur dir führwahr                          
   
Toshi Ichiyanagi (geb. 1933): Paganini Personal für Marimbaphon (Vibraphon) und Klavier
PAUSE
Alexej Gerassimez (geb. 1987):  Piazonore für Vibraphon und Klavier
Franz Schubert (1797-1828): 
- Frühlingsglaube D 686 (Text: Ludwig Uhland)
- Wonne der Wehmut D 260 (Text: Johann Wolfgang von Goethe)
- Nähe des Geliebten D 162 (Text: Johann Wolfgang von Goethe)
 - Nacht und Träume D 827 (Text: Matthäus von Collin)
 - Du bist die Ruh D 776 (Text: Friedrich Rückert)
 - Seligkeit D 433 (Text: Ludwig Christoph Heinrich Hölty)

Antonín Dvořák (1841-1904) Legenden für Klavier zu vier Händen, op. 59
Legend No.1 in D minor
Legend No.3 in G minor
Legend No.5 in As Major
Legend No.6 in Cis minor
Legend No.7 in A Major          
 
Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2016

Nach(t)kritik 
In gewisser Weise kann das Publikum die Qualität einer künstlerischen Leistung mitbeeinflussen, sofern sie live auf der Bühne vollzogen wird. Am deutlichsten spürte man es im bosco bisher in den ARD-Preisträger-Konzerten, insbesondere im diesjährigen. Die Sympathie, die den jungen Musikern vom Zuschauerraum zuwehte, beflügelte sie zu erstaunlichen Leistungen mit geradezu euphorischer Hingabe. Zumindest was die wundersame Pianistin A-ni-a betrifft, die bei der Geburt wohl aus Versehen in zwei Körper geschlüpft war, in das Zwillingspaar Ani und Nia Sulkhanishvili. Anders ist jedenfalls das Phänomen kaum zu erklären, dass die beiden Georgierinnen sich nicht nur äußerlich gleichen, sondern auch in der musikalischen Auffassung sowie Spiel- und Ausdrucksweise, die Schlussendlich in fünf ausgewählten Legenden für Klavier zu vier Händen op. 59 von Dvořák als lupenreine Homogenität für Superlative mit orchestral gesteigerter Pianistik sorgen sollten.
Das stete Mitdenken für die andere Hälfte dürfte denn auch der Grund dafür sein, dass die Schwestern ebenso einzeln so großartige Kammermusikpartnerinnen und Liedbegleiterinnen sind. Und ganz gleich, welche Rolle sie hier zu übernehmen hatten: Sie taten es stets mit leidenschaftlicher Hingabe, temperamentvollem Engagement und vor allem höchst aufmerksamer Einfühlsamkeit. Und wer die Beiden als schüchterne, doch packend musizierende Teenager bei den sommerlichen Interpretationskursen von Hans-Jürg Strub auf Schloss Weidenkam (bei Ambach) mal erlebt hatte, staunte nun im bosco nicht schlecht über die Wandlung: Welch eine charmante Bühnenpräsenz!
Den Werken tat das ungemein gut, wenn etwa der Spanier Francisco López Martín für die Flötensonate D-Dur op. 94 von Prokofjew eine spitzfindige Unterlage erhielt, die seinen reichen Farbwechseln auf Schritt und Tritt zu folgen verstand. Schon nach den ersten Takten war das Duo im Ausdruck kaum noch zu bremsen. Der Wechsel aus poetischer Melodik zu scharf geschnittener Spritzigkeit in typischer Manier des Komponisten erfolgte hier trotz so extremer Wendungen gänzlich aus einem Guss. Das blühende Kolorit unterstrich die sinnenfreudige Anlage des Werkes, obgleich es in schweren Zeiten des Zweiten Weltkrieges entstanden war.
Auch der virtuose Schlagwerker Alexej Gerassimez fand in der pianistischen Begleitung einen kraftvoll-energischen Gegenpart, der vor allem in Hinsicht auf den perkussiven Charakter ein schlüssiges Ganzes ermöglichte. In der Eigenkomposition von Gerassimez „Piazonore“, der Paraphrase über den „Libertango“ Astor Piazzollas, zudem mit einer beeindruckenden rhythmischen Präzision sowie schmissig mitreißenden Pointierung.
Ein Stück virtuoser hatte der japanische Komponist und einst Schüler von John Cage Toshi Ichiyanagi sein „Paganini Personal“, eine Neubeleuchtung von einem Paganini-Thema, angelegt. Das Duo Gerassimez und Sulkhanishvili lieferte hier eine brillante Interpretation, trotz höchster Komplexität in Stimmführung und Harmonik von absoluter Klarheit und Transparenz.
Als eine Offenbarung erwies sich die Stimme der Sopranistin Sooyeon Lee aus Südkorea, die extrem lyrisch interpretierte. Ihre technische Perfektion gepaart mit warmem Timbre und plastischer Stimmmodellierung tauchten vor allem die Lieder Schuberts in eine fast schon meditative, vor allem romantische Atmosphäre. Die mittelalterliche Lyrik des sephardischen Juden Jehuda ben Samuel ha-Levi aus dem 11./12. Jahrhundert in der Vertonung des gerademal 16jährigen Kurt Weill profitierte aus der tief beseelten Zusammenarbeit von Nia Sulkhanishvili und Lee insbesondere in Hinsicht auf die feinst nuancierte Farbgestaltung mit einem subtil erlebbaren Spannungsaufbau, indem sich letztendlich der Umbruch zur Neuen Musik spürbar ankündigte. Frenetische Ovationen und eine extrem stille instrumentale Zugabe: „Nana“ von Manuel de Falla aus „Siete Canciones Pupulares Españolas“ für Flöte und Klavier.