Veranstaltungsinfo

Sa, 31.10.2015
20.00 Uhr
Heimspiel
Klassik
20,00 €
Lena Neudauer - Foto: Marco Borg
Paul Rivinius - Foto: Josep Molinanet

Lena Neudauer, Violine & Paul Rivinius, Klavier: Mozart, Ravel, Schubert & Fauré

Die Gautingerin, Lena Neudauer, die bereits seit Ihrem dritten Lebensjahr mit dem Geigenspiel begonnen hat, passt in keine Schublade. Sie spielt Musik, die aus einer inneren, tiefen Überzeugung entspringt, mit „einer solchen Wahrhaftigkeit ihres Ausdrucks, einer solchen Reife der Gestaltung sowie mit einem solchen Verständnis für musikalischseelische Dimensionen.“ (SVZ) Sie musiziert kammermusikalisch neben Paul Rivinius mit Julius Steckel (Cello) und mit vielen namhaften Orchestern wie z.B. der Deutschen Radio Philharmonie, den Münchner Philharmoniker, dem Münchner Kammerorchester, dem Deutschen Kammerorchester und vielen mehr. Ihr in München lebender Duopartner, Paul Rivinius ist ein namhafter Pianist. Als Gründer des „Clemente Trios“ und Preisträger beim ARD-Wettbewerb gastierte er in den wichtigsten Konzertsäle darunter die Carnegie Hall in New York und die Wigmore Hall in London. Er musiziert zusammen mit seinen Brüdern im Rivinius Klavier-Quartett, den Cellisten Johannes Moser und Julian Steckel und war viele Jahre Professor für Kammermusik an der Musikhochschule „Hanns Eislen“ in Berlin.
Programm:
W.A. Mozart       Sonate A-Dur
M. Ravel             Sonate pour violon & piano
F.  Schubert        g-moll Sonatine D 408
G. Fauré              Sonate Nr. 1 op. 13

Lena Neudauer spielt Musik, die aus einer inneren, tiefen Überzeugung entspringt, mit „einer solchen Wahrhaftigkeit ihres Ausdrucks, einer solchen Reife der Gestaltung sowie mit einem solchen Verständnis für musikalischseelische Dimensionen“. (SVZ) Auf der Bühne fasziniert ihre Natürlichkeit und die Selbstverständlichkeit mit der sie ihre Geige spielt, als ob sie ein Teil ihres Körpers wäre.
Lena Neudauer, 1984 in München geboren, passt in keine Schublade. Obwohl sie schon früh eine außergewöhnliche Begabung zeigte, sah sie sich nie als Wunderkind. Im Alter von drei Jahren begann sie mit dem Geigenspiel. Mit 11 Jahren kam Lena Neudauer in die Klasse von Helmut Zehetmair an das Mozarteum Salzburg. Internationale Aufmerksamkeit errang Lena Neudauer als sie 15-jährig spektakulär den Leopold-Mozart-Wettbewerb in Augsburg nicht nur gewann, sondern auch nahezu alle Sonderpreise erhielt.
Bis hier klingt ihr Werdegang ähnlich dem vieler anderer Musiker. Das Außergewöhnliche war jedoch ihre mutige Klarheit, mit der sie sich als Teenager gegen den frühzeitigen Beginn einer Star-Karriere entschieden hat. „Ich wollte nicht mit 15 in Hotels leben und ständig auf der Bühne sein“ sagte sie. Stattdessen ging sie ihrem Geigenunterricht nach – sie studierte bei Christoph Poppen, Helmut und Thomas Zehetmair, spielte viel Kammermusik und Neue Musik, spielte Schlagzeug und Keyboard in einer Rockband, heiratete und erfreute sich über die Geburt ihrer zwei Kinder. Sie nahm sich schlicht Zeit zu reifen.
Ihre Offenheit für die unterschiedlichsten musikalischen Richtungen hat Lena Neudauer immer weiter entwickelt: sei es bei Boulez und seiner Lucerne Festival Academy oder bei intensiven Studien der Musik Mozarts, zu der sie eine besondere Affinität hat. Wenn Lena Neudauer  Mozart spielt, passiert etwas Magisches, als ob sie entschwebt und nur noch die Musik  hinterlässt in deren Bann man hineingesogen wird.
Im Mai 2010 erschien ihre Debüt-CD bei Hänssler Classic gemeinsam mit der Deutschen Radio  Philharmonie unter der Leitung von Pablo Gonzalez mit einer Gesamteinspielung der Werke  für Violine und Orchester von Robert Schumann. Die Aufnahme gewann den International  Classical Music Award (ICMA) für die beste Konzerteinspielung 2011. 2013 folgte eine Kammermusik-CD, ebenfalls bei Hänssler Classic mit Einspielungen der Werke für Violine und Klavier, sowie der Sonate für Violine und Violoncello von Maurice Ravel. Die Aufnahme entstand gemeinsam mit den beiden herausragenden Musikern Paul Rivinius (Klavier) und Julian Steckel (Violoncello). 2014 erschien ihre Einspielung der Mozart Violinkonzerte mit der Deutschen Radio Philharmonie (Hänssler Classic), die sich insbesondere durch eigene, stilsichere Kadenzen auszeichnet und verwirklichte damit einen langgehegten Traum.
Lena Neudauer musizierte mit Orchestern wie der Deutschen  Radio Philharmonie, den Münchner  Symphonikern, den Nürnberger Symphonikern, dem MDR Sinfonieorchester, dem Münchener Kammerorchester, dem Deutschen Kammerorchester Berlin, dem Orchestre National de Belgique, der Philharmonie Zuidnederland, dem Berner Symphonieorchester, dem Collegium Musicum Basel, dem Orchestra di Padova e del Veneto, dem Symphonie Orchestra of India und dem Tampere Philharmonic Orchestra unter Dirigenten wie Dennis  Russell Davies, Mario Venzago, Mariss Jansons, Hannu Lintu, David Stahl, Wojciech Rajski, Bruno Weil, Howard Griffiths, Christoph Poppen, Ari Rasillainen, Dirk Kaftan und Pablo Gonzalez.
Festivals bei denen Lena Neudauer mitunter zu Gast war, sind die Mozartwoche Salzburg, die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, das Schleswig-Holstein Musik Festival, Braunschweig  Classix, das Kammermusik Festival Hohenstaufen, Euroclassic Pirmasens, Gaia Kammermusikfestival Thun, Musical Olympus Festival in St. Petersburg, Chopin and his Europe Festival Waschau und das Flandern Festival.
Zum Wintersemester 2010 wurde Lena Neudauer (26jährig) als Professorin für Violine an die Hochschule  für Musik Saar berufen. Lena Neudauer spielt eine Lorenzo Guadagnini von 1743.

 
 



 


 
Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
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2015

Nach(t)kritik 
Auch wenn der Pianist Paul Rivinius dem Gautinger Publikum sicher vertraut ist, galt das Heimspiel natürlich der mit Gauting eng verbundenen Geigerin Lena Neudauer. Hier hat sie eine lautstarke Fan-Gemeinde, die ihre Sympathien mit frenetischen Ovationen kundtat. Sie galten gewiss nicht minder der Darbietung, in der erneut klar wurde, wie hervorragend dieses Duo nicht nur aufeinander eingespielt, sondern auch vom musikalischen Charakter her homogen ist. Sowohl Neudauer wie auch Rivinius interessieren sich wenig für die Show im Musikgeschäft. Im Werdegang beider Musiker steht ausschließlich die Leidenschaft für die Musik im Vordergrund. Das besonders erfreuliche daran: Sie sind trotzdem gefragt, beim Publikum beliebt und auf großen Podien erfolgreich.
Auch beim Musizieren hielten sich beide einhellig fern von spektakulären Effekten oder großen Gesten. Es ging hier um feinste Kammermusik, die ihre Kraft von innen heraus zu entwickeln vermag. Zumal das Duo als Ausgangspunkt die Mozart-Sonate A-Dur KV 305 gewählt hat, die im Grunde überhaupt den Anfang der Gattung in einer gleichberechtigten Konstellation markiert. Mit ihren zwei Sätzen noch nicht gattungsbildend, vielmehr mit dem zweiten Variationssatz in gewisser Weise ein Experimentierfeld, auf dem die Schlacht um einen Weg zur Duobildung geschlagen wurde. Neudauer und Rivinius gaben einen stimmigen Konzertabend, doch es ging hier in gewisser Weise um eine konfliktbehaftete Auseinandersetzung mit der Gattung, mit ihren Möglichkeiten und Unmöglichkeiten.
Obgleich die Violinsonate sich sukzessive einen prominenten Platz im Konzertbetrieb eroberte, den sie bis in die heutige Zeit verteidigen kann, wurde sie doch genauso oft totgesagt, wie das Streichquartett, das sich heute in der Neuen Musik wieder höchster Beliebtheit erfreut. Gerade Maurice Ravel, der sein ästhetisches Ideal auf eine knappe Formel brachte, „absolut einfach, nichts als Mozart“, hielt die Kombination aus Klavier und Violine für unvereinbar. De facto deckten Neudauer und Rivinius in dessen Violinsonate jedoch geradezu barocke Pracht in Farben und Substanzcharakter auf, wenn auch immer wieder ins Groteske überspitzt. Die Lineare Entwicklung der Stimmen, wie schon bei Beethoven, verzichtet allerdings auf die im Notenbild vertikale, harmonische Einheit, was die Eigenständigkeit der Instrumente wahrt und hier im Vortrag auch eine breite Farbenvielfalt hervorbrachte. Der Blues überzeugte mit seinem authentischen Charakter, obgleich Ravel stets darauf beharrte, dass dieser doch stark französisch geprägt sei.
Die musikalische Präzision und Detailsorgfalt der Interpretation mochte dies auf der anderen Seite durchaus bestätigen. Diese Attribute waren an diesem Abend auch entscheidend. Wunderbar, wie die zierliche Feinheit Franz Schuberts Sonatine g-Moll D 408, die der Verleger Diabelli um die Bezeichnung als Sonate brachte, ein nahtloses Changieren der Stimmungen und Charaktere herbeiführte. Fließender Gesang kontrastierte vordergründig mit resoluter Rhythmus-Pointierung, während sich im Hintergrund eine feinsinnige Nuancierung abspielte. Insbesondere diese Ambivalenzen waren es, die das Duo Neudauer und Rivinius so überzeugend, vor allem auch in Klarheit und Transparenz herauszuarbeiten verstand.Die Vielfalt im spieltechnischen Sinne sollte in der abschließenden Sonate A-Dur op. 13 von Gabriel Fauré schließlich noch die tradierte Gattung überwinden, um einen französisch-nationalen Stil darin auszudrücken. Die ruhelose Leidenschaft, immer wieder elegische Melodieführung, einfühlsame Rücknahmen ins melancholische Sinnieren, dann wieder energische Ausgelassenheit, geradezu euphorisches Jubilieren, im großen Auf und Ab mit melancholischer Lyrik kontrastiert: All das blieb bis zur wuchtigen Schlusspassage von französischer Kultiviertheit geprägt. Fritz Kreislers „Synkopen“ lieferte in der Zugabe einen pfiffigen Schmiss Wiener Art nach.