Veranstaltungsinfo

So, 18.09.2016
16.00 Uhr
Ausstellung
Eintritt frei

Ausstellungseröffnung: L(i)ebenswertes Leben

Die Fotoausstellung zeigt glückliche, wie auch sensible Bilder von Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Menschen mit Down-Syndrom in deren Alltag
Ausstellungseröffnung durch Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger
Musikalische Umrahmung Erik Berthold & Sandro

"Ein Freund ist jemand, der die Melodie deines Herzens kennt und sie Dir vorspielt wenn Du sie vergessen hast." – ALBERT EINSTEIN
Freundschaft ist nach der Liebe, das intensivstes Gefühl. Ein Mensch der uns liebt, respektiert und unterstützt, egal wie man ist, in allen Momente unseres Lebens, wenn diese gut oder nicht gut sind. Mit einem Freund lachen wir, tanzen wir, feiern wir, kichern wir und wir können auch weinen. Und das schönste ist zu wissen, dass er uns wieder auf die Beine helfen kann, wenn unsere Flügel vergessen haben, wie man fliegt! Das ist für mich FREUNDSCHAFT.
Sie können sich bestimmt erinnern wie es in der Teenager Zeit wichtig war, eine beste Freundin zu haben. Ich kann mich erinnern. Es war ein kleine Welt die man nur zu zwei gehabt habe. Lea und Charlotte, sind zwei beste Freundinnen. Sie lachen, kichern zusammen. Sie beraten sich, hören aufeinander und teilen viele gemeinsame Momente. Als ich bei den beiden ankam, war ein Gekicher über was man anziehen sollte. Einmal hoch gerannt, ein Kleid gewechselt, wieder runter gekommen, sich im Spiegel angeschaut und nach der Meinung gefragt: “Ist das schön? Sollen wir etwas Lippenstift tragen? Oder nicht?" Es war ihre kleine Welt zu zweit. Für einen Moment, bin ich in diese schöne Zeit der Teenager eingetaucht mit all den schönen Funkeln!
Beschreibung des Fotos mit Charlotte und Lea, zwei beste Freundinnen.

Die Fotografin Josée Lamarre:
Ich bin in einem kleinen, verlassenen Ort im kanadischen Wald aufgewachsen. Am Ufer den schönsten Flusses, den es gibt. Ich verbrachte meine Kindheit barfuß, mit einem Vater, der seine Tage mit Fischen und seine Abende am Feuer mit Gitarre spielen verbrachte. Und eine Mutter, die uns in den kalten quebekanischen Winterabenden Wollsocken strickte. Mein freies Herz kommt von dort. In dieser kleinen paradiesischen Ecke lernte ich es, das Leben zu schätzen und die Stille zu hören. Es ist sicher weil wir uns während den Winterabenden dem großen Atlas der Welt geöffnet haben und auf der Suche nach Abenteuer das ich angefangen zu träumen unsere Erde zu entdecken. Meine Faszination für die Menschen, ihr Geschichten und ihr Lebensziel hat eine wichtige teils meines Leben platzt genommen. Dies hat meinen fotografischen Stil sehr stark beeinflusst. Mein Traum war die Welt zu bereisen, um neue Kulturen zu entdecken und in Bildern das verborgene Leben, der Menschen zu erzählen. Eines Tages ist mein Herz in Deutschland geblieben, wo ich die Liebe meines Lebens gefunden habe. Zu zweit haben wir die zwei wundervollsten Kindern zur Welt gebracht. Sie sind mein Herz, mein größter Stolz und meine Inspiration.
Ich bin überzeugt davon dass das Leben ohne Abenteuer nicht gelebt darf sein. Ich habe eine Schwäche für italienisches Essen. Wenn ich könnte, würde ich jede Woche meine Wohnzimmerdekoration ändern. Ich liebe es zu lachen bis ich weine. Ich bin besessen von altem Holz. Ich liebe das prasselnde Geräusch von Regen auf Blechdächern. Ich tue mich schwer Schokoladeneis zu widerstehen. Man sieht mich am Meisten mit einer alten Jeans, ein paar Wollsocken und nicht perfekt sitzendem Haar. Ich springe vor Freude, wenn die Hitze und die Sonne da ist. Ich wäre gerne ein Bär, um Winterschlaf zu halten. Romantische Musik bringt mich zum Weinen. Ich liebe neblige Landschaften. Ich träume davon den Tibet zu entdecken. Und eines Tages möchte ich die Welt mit einem Rucksack bereisen.
Was mich inspiriert ist die Schönheit der Liebe und die Verbindung des Wesens. Ich denke dass die Schönheit sich in der Unvollkommenheit findet und in der Wahrheit jeden Tages. Das Leben ist wahrscheinlich das Schönste, was uns mit seiner Unvollkommenheit und seinen Überraschungen gegeben wurde. So möchte ich es einfangen! Ich möchte sehen, spüren und festhalten. Das ist meine Leidenschaft. Jeder Mensch ist für mich einzigartig und besitzt seine ganz eigene Schönheit. Mit der Lifestyle- / Reportage Photographie, fange ich das tägliche Leben, besondere Augenblicke und die persönliche Lebensart in ganz eigene Bilder ein. Wenn euer Herz euch sagt, ein kleines Stück eurer Geschichte auf meinem Weg mit mir zu teilen, würde ich es lieben es in Bildern zu erzählen. Ich befinde mich die meiste Zeit zwischen München und Montréal, auch wenn sie weit weit weg sind, genügt mir irgendein Punkt auf der Karte und ich würde pünktlich zum Termin erscheinen.
Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Nach(t)kritik 

Ein kleines Mädchen hockt in einer Wiese inmitten einer Schar von Hühnern. Das Mädchen füttert die Hühner, sie ist ganz bei den Tieren, fast so, als ob sie ihre Sprache verstehen würde. Das Mädchen heißt Tamina, ist sieben Jahre alt und „weiß, wie das Leben zu schätzen ist“ - wie die Fotografin Josée Lamarre in einem kurzen Text zu ihrem Schwarz-Weiß-Portrait von Tamina schreibt. Taminas Bild hängt seit diesem Sonntag zusammen mit einer Reihe anderer Portraits in der Ausstellung „L(i)ebenswertes Leben“ im bosco. Alle Fotografien zeigen Menschen mit Down-Syndrom. Zeigen Menschen in ihrem Alltag, mit ihren Träumen, ihren Leidenschaften, ihrer Arbeit, ihrem Glück.

Karine zum Beispiel. Das Foto zeigt sie mit der Seeharfe, ihrem Instrument. Mit zarten und doch kraftvollen Fingern zupft sie die Saiten an, „wenn sie spielt, meint man, dass die Melodie von Angelhänden kommt“ - so Josée Lamarre in ihrem Text zum Foto, „eine kleine Dame mit einem großen Talent“. Karine ist anwesend bei der Ausstellungseröffnung, und mit dem Begriff „Dame“ ist sie keineswegs einverstanden. „Bin keine Dame“, erklärt sie entschieden und erzählt sehr selbstbewusst davon, wieviel Konzentration für ihr Haufenspiel nötig ist. Im Gespräch mit Patricia und Thomas Vogl, die durch ihre Freundschaft mit der kanadischen Fotografin Josée Lamarre das Projekt der Portraits von Menschen mit Down-Syndrom angestoßen haben, äußern sich Karine und noch einige andere Portraitierte zur Ausstellung. Fünf der Portraitierten leben nämlich in Gauting und Umgebung, drei von ihnen sind anwesend. Karl zum Beispiel. Auf seinem Foto lacht er charmant, schaut verschmitzt zur Seite, hinter ihm eine sonnendurchflutete Baumlandschaft. „Was hast du mit Josée gemacht, Karl?“ fragt Patricia Vogl ihn bei der Eröffnung, „du hast sie verzaubert.“ Er habe ihr sogar einen Heiratsantrag gemacht, berichtet Karl, doch Josée sei leider schon verheiratet gewesen.

Philipp ist nicht da bei der Ausstellungseröffnung. Doch auch er ist in Gauting aufgewachsen. Sein Foto zeigt ihn mit ausgebreiteten Armen auf einem Steg am See, es sieht aus, als wolle er dem Betrachter ein Tor öffnen. Philipp ist ein Profi, was die Arbeit mit Fotographen angeht. Als erstes wollte er die Gage verhandeln, schließlich will er bald als Model arbeiten. Das Verhandeln scheint er bei seinem Vater erlebt zu haben, der bei der Eröffnung mitwirkt: Erik Berthold gestaltet zusammen mit Sandro den musikalischen Rahmen dieser Vernissage.

Jedes der Portraits dokumentiert, was der Titel verspricht: das Leben ist es wert, gelebt zu werden, und es ist so liebenswert wie die Menschen, die hier einen Einblick in ihre Einstellung zum Leben geben. „Es ist normal, verschieden zu sein“, zitiert Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger bei ihrer Einführung den früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Sie berichtet von der jüngsten Schwester ihres Vaters, die das Down-Syndrom hatte. „Sie war das Familienmitglied, das für Herzenswärme und Fürsorglichkeit sorgte“, erzählt sie. So habe jeder Mensch eine Seite, über die er nicht immer spreche, greift Thomas Vogl dies später noch einmal auf; er selber habe beruflich im Bereich Wirtschaft zu tun, ein Gesellschaftsfeld, in dem selten unbekannte Seiten aufgedeckt werden. Und doch sind sie da. Die Menschen auf den Bildern dieser Ausstellung verbergen nichts, weder ihre Fröhlichkeit und Unmittelbarkeit, ihre Herzenswärme und Aufgeschlossenheit, noch ihre Zerbrechlichkeit und die Tatsache, dass sie anders sind, anders aussehen.

Seit die Pränataldiagnostik es künftigen Eltern ermöglicht, lange vor der Geburt ihres Kindes feststellen zu lassen, ob es mit einer Behinderung auf die Welt kommen wird, werden 95, 5 Prozent der Kinder mit Down-Syndrom erst gar nicht geboren. Fotos wie diese werden zu einer Seltenheit werden - Fotos, die den Betrachter zu einem Freund werden lassen. „Ein Freund ist jemand, der die Melodie deines Herzens kennt und sie dir vorspielt, wenn du sie vergessen hast“, sagt Fotografin Josée Lamarre.