Veranstaltungsinfo

Di, 10.05.2016 bis Fr, 13.05.2016
Ausstellung
Eintritt frei
Markus Kühnhardt im bosco - FOTO: Martus Kühnhardt
Markus Kühnhardt

Markus Kühnhardt: Out of focus

Schneller, schärfer, klarer? Markus Kühnhardt entwickelt mit seinen entschleunigten Bildern eine Gegenposition zum Zeitgeist, der alles immer schnell und scharf im Blick haben will. Seine bewegten Arbeiten zeigen, dass Klarheit und Aussage eines Motivs nicht im Bild selbst liegen, sondern in der subjektiven Wahrnehmung des Betrachters entstehen. Sie laden uns dazu ein, aus dem schemenhaften Äußeren unsere individuelle, klare, innere Vorstellung zu entwickeln. Die Auseinandersetzung mit dem (auf verschiedene Art und Weise in Bewegung befindlichen) Motiv regt die eigene Gedankenwelt an und lässt uns mehr und neue perspektivische Wirklichkeiten der im Bild abgebildeten Realität erkennen.

Markus Kühnhardt fotografiert seit vielen Jahren mit großer Leidenschaft, professionellem fotografischen Blick und handwerklicher Fertigkeit. Mit Licht zeichnet er unterschiedliche Themen aus seiner ganz eigenen Perspektive.
Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Nach(t)kritik 

Eine Bahnhofsuhr im roten Gehäuse. Ein in Schemen verschwimmender Mensch auf einer Rolltreppe. Ein Surfer auf dem Wellenkamm. Mal sind es Menschen in Bewegung, die auf den Fotografien des Gautinger Markus Kühnhardt zu sehen sind, mal sind es Momente größtmöglicher Ruhe - in diesem Fall dann in der Regel ohne Personen, reine Natur. 

„Out Of Focus“ lautet der Titel der Fotoausstellung, die am heutigen Montag im bosco eröffnet wurde. Im Fokus, so Kühnhardt in seiner Einführungsrede, seien gegenwärtig Tempo und Effizienz: „Der Zeitgeist versucht uns einzureden, dass alles möglichst immer schneller vonstatten gehen soll, dass die Themen möglichst eindeutig auf den Punkt zu bringen seien.“ Mit seinen Bildern bezieht er eine Gegenposition, eine, die sich dem vorherrschenden Fokus entzieht. Der Betrachter wird regelrecht zum langsamen Wahrnehmen herausgefordert und dazu, den eigenen Blick in Frage zu stellen. Um dies zu erzielen, nimmt der Fotograf eine Perspektive aus der Unschärfe heraus ein, aus dem gezielten Nicht-Fokussieren. So muss der Betrachter selber das Auge schärfen, es zur Linse werden lassen. Den Mechanismus hierzu liefern die Titel. „Pause“, heißt ein Bild, das verschwommen zwei Menschen zeigt, die eine Position zueinander einnehmen. Oder nicht? Entfernen sie sich voneinander? „Herbstlauf“, heißt ein anderes Bild: ein Läufer bewegt sich rasant auf den Betrachter zu. Aber vielleicht bewegen sich auch die Bäume rechts und links, und der Läufer ist längst am Ziel eingetroffen oder verharrt noch am Start. Ist es überhaupt ein Läufer? Oder gaukelt unser Bildgedächtnis uns die scheinbar wahrnehmbare Bewegung, das rasante Tempo nur vor?

Ganz rätselhaft wird es bei dem Werk „Vaterland“. Die Grundfarbe dieses Bildes ist wasserblau, es lässt sich eine Wasseroberfläche wahrnehmen, die sich in viele winzige Wellen auflöst. Unter der Oberfläche ist etwas Goldgelbes. Menschliche Haut? Ein Schwimmer, der bei einem internationalen Wettbewerb antritt? Oder hat sich hier kurz zuvor eine Tragödie abgespielt? Wurde etwas ins Wasser geworfen? 

Niemand geht hier mit einem raschen Nicken zum nächsten Bild weiter, jeder bleibt stehen, kneift mal die Augen zusammen, tritt mal einen Schritt zurück, versucht zunächst noch zu fokussieren und dann einfach einzutauchen. Wie das Mädchen in dem Doppelbild „37 Grad - 1“ und „37 Grad - 2“. Das erste Bild zeigt noch relativ eindeutig den Brunnen am Münchner Stachus und ein Mädchen im Sommerrock, das durch die Fontäne läuft. Das zweite Bild ist dann Sommer pur, Wassernebel, Tanz, ein einziges Eintauchen in das, was Erfrischung verspricht und für Lebensfreude steht wie wohl kaum etwas. Eintauchen in ein Bild, wie das Mädchen eintaucht in die kühle Wasserfontäne.

Die Ausstellung „Out Of Focus“ ist bis zum 13. Mai im bosco zu den Öffnungszeiten und während der Abendveranstaltungen zu sehen. Die Bilder sind käuflich zu erwerben, eine Preisliste liegt aus. Als Besonderheit gibt es ein Gewinnspiel, bei dem am Ende der Ausstellung ein Bild verlost wird; der Gewinner kann sich hierzu sein Lieblingsbild aussuchen. Gewinnkarten liegen in der Ausstellung aus.