Veranstaltungsinfo

Do, 01.06.2017
20.00 Uhr
Jazz
20,00 / 10,00 €*
* VVK ab 26.11.2016

Thilo Kreitmeier: Mas Que Nada - Samba & Bossa Nova

Die Anfang 2017 erschienene CD ist eine Hommage an Astrud Gilberto, Stan Getz & Antônio Carlos Jobim.
Thilo Kreitmeiers Auffassung und Interpretation des Jazz zeigt Respekt vor legendären Vorbildern wie etwa Charlie Parker, Coleman Hawkins, Ben Webster, Sonny Rollins oder Stanley Turrentine. Seine Kompositionen spiegeln deren Einflüsse wieder.
Kreitmeier sammelte professionelle Erfahrung in der George Greene Hotline Band sowie in der Al Jones Blues Band, mit welcher er seit über 20 Jahren im In- und Ausland auf Tournee ist. er arbeitet außerdem zusammen mit u.a. Al Porcino Big Band, Charlie Antolini, Dusko Goykovich, Jenny Evans, Ludwig Seuss, Christian Willisohn, Louisiana Red, Willy Astor, Claudia Koreck, Symphonie Orchester des Bayerischen Rundfunk, Sönke Wortmann, Orchester Hugo Strasser...

THILO KREITMEIER, tenorsax, flute
SOPHIE WEGENER, voc
DANIEL EPPINGER, piano
STEPHAN EPPINGER, drums
MANOLO DIAZ, bass
Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2017

Nach(t)kritik 

Zwischendurch kann sich Thilo Kreitmeier einen bairisch-portugiesischen Kalauer nicht verkneifen, und der geht so: „Is des a finado?“ - „Naa, aber da Corco waar do!“ Der kleine Scherz spielt auf die beiden Stücke „Desafinado“ und „Corcovado“ von Carlos Jobim an, die Kreitmeier und seine Musiker an diesem Bosco-Abend ebenfalls im Repertoire hatten. Dass „Desafinado“ auf  Deutsch so viel wie „verstimmt“ heißt, soll an Jobims Komposition aus den sechziger Jahren gelegen haben, die von manchen als nicht genügend harmonisch bekrittelt wurde: Vermutlich war die Sache aber ganz anders und das Stück umschreibt nichts anderes als eine seelische Unwucht, wie Kreitmeiers Interpretation auf dem Saxophon sie sehr schön herausarbeitete. Gut so, denn das restlos ausverkaufte Konzert war spürbar mit großen Erwartungen verbunden – der gebürtige Schwabinger Kreitmeier ist ebenso eine international bekannte wie regional verwurzelte Größe, der bald 50-Jährige hat mit fast dem kompletten Who-is-who der europäischen Jazz- und Blues-Szene zusammengespielt und auch schon im Bosco in verfschiedensten Formationen und Stilrichtungen begeistert. Seine neueste CD „Mas que nada“ - Kreitmeier übersetzt den Titel selber mit „Was soll´s?“ - ist nun eine Liebeserklärung an den Anfang der 60er in Brasilien aufgekommenen Bossa Nova, genauer gesagt an jene Spielart aus Rio de Janeiro, die das unverwüstliche „Girl from Ipanema“ hervorbrachte: Sängerin Sophie Wegener serviert den Evergreen mit dem wohl berühmtesten Schmacht-Seufzer der Musikgeschichte, als wäre sie selber am Strand aufgewachsen, der Jobim einst inspirierte – ihr „brasilianisches“ Portugiesisch fand jedenfalls anerkennende Zustimmung von Muttersprachlern im Publikum, und singen konnte sie auch noch ganz hervorragend!

Thilo Kreitmeier, seinem Pianisten Daniel Eppinger, dem Drummer Stephan Eppinger und dem Kontrabassisten Manolo Diaz bekam die erfrischende weibliche Stimme hörbar gut, denn sonst wäre die „Männerwirtschaft“ an diesem Abend womöglich in technisch keimfreier Nabelschau verhaftet geblieben: Zu beanstanden gab es ja auch im Grunde nichts, jeder Musiker war auf der Anforderungshöhe dessen, was auf den Notenblättern stand – und doch fehlte, zumindest bis zum aufmunternden Erscheinen Sophie Wegeners, ein wenig der lässige Schlenker, der Groove - das, was eben nicht auf dem Papier steht. Samba & Bossa Nova verlangen etwas ungeheuer Schweres von den Interpreten: Sie sollen komplexe Klavier- und Saxophon-Linien meistern und zugleich „leichtfüßig“ spielen, den Kopf zu Gunsten des Gefühls ausschalten – für Europäer manchmal eine allzu hohe Hürde. Um richtig verstanden zu werden: Kreitmeiers „Mas que nada“-Projekt ist gewiss auf diesem hohen Niveau unterwegs (auch live), doch es vermochte das Angestrengt-Akademische zumindest an diesem Abend nicht gänzlich abzustreifen. Der Meister selbst, ein bekennender Perfektionist, wirkte irgendwie unzufrieden, nicht nur mit seiner Querflöte. Dabei hätte er allein wegen seiner Glanznummer „Stardust“ gegen Ende noch versöhnt sein dürfen mit sich und der Welt. Die wirklich großartigen Einzel-könner um ihn herum, sie wurden ein wenig „verschenkt“, trotz der obligatorischen Solo-Passagen: Der Funke sprang „mannschaftsmäßig“ nicht so recht über.

Man darf „Mas que nada“ (zugleich Titel eines berühmten Songs von Ben Jor) als Kokettieren deuten, man kann es auch mit „Was soll´s?“ übersetzen, aber vielleicht passt ja ein „Immerhin“ am besten: Es war ja auf alle Fälle ein heftig bejubeltes Konzert, bei dem nur der Zauber fehlte. 

Pressestimmen 
Thilo Kreitmeier mit "Mas que nada" im Bosco

Sophie Wegener ruft mit Sehnsucht und Herzschmerz Astrud Gilberto in Erinnerung. Foto: Arlet UlfersGauting - Der überraschende Sommereinschlag wirkte sich auf den Konzertbesuch sicher begünstigend aus. Wer verbindet Samba und Bossa Nova nicht mit Urlaubsträumen, Strand, Meer und mehr? Das Gautinger bosco füllte sich daher bis auf den vorletzten Platz, als es da hieß: "Mas que nada" - Oriá raiô obá obá obá. Der Titel stammt vom gleichnamigen Song aus dem Jahr 1963 von Jorge Ben Jor, dem Altmeister der Música Popular Brasileira. In dieser Zeit machte die brasilianische Musik die erste Runde um die Welt und rotiert seither mit großem Erfolg weiter, allerdings längst auch von der Jazz-Szene in Beschlag genommen. So auch vom Saxofonisten und Flötisten Thilo Kreitmeier, der "Mas que nada" auch zum Titel seiner neusten CD machte.

Dort und im Konzert mit von der Partie waren Daniel Eppinger an den Tasteninstrumenten, Stephan Eppinger am Schlagzeug, der Kontrabassist Manolo Díaz und die Sängerin Sophie Wegener. Eine eingeschworene Truppe, die längst keine Absprachen mehr benötigt, um einen schlüssigen Abend packend durchzuziehen. Allerdings nicht gerade eine Latin-Combo, was schon deutlich daran ablesbar war, dass im Schlagzeug-Set keinerlei südamerikanische Perkussionsinstrumente zu finden waren. Aber Stephan Eppingers Schlagzeug verfügt über satt klingende Trommeln, mit denen er einen vielfältig differenzierten Samba-Motor unaufhaltsam rollen lassen konnte.

Es ging dabei aber vielmehr um die Jazz-, bisweilen Jazz-Rock-Variante mit einem mächtig röhrenden Saxofon Kreitmeiers. Wie auch seine Mitspieler, ist Kreitmeier ein musikalischer Tausendsassa, der so ziemlich in allen Genres der U-Musik Erfahrungen vorzuweisen hat, und dies mit wohlklingenden Referenzen wie Albert C. Humphrey, Angela Brown, Ludwig Seuss, Al Jones, Charly Antolini, Jenny Evans, Al Porcino Big Band, Dusko Goykovich, Harald Rüschenbaum und vielen anderen. Griff Kreitmeier indes zur Flöte, wie im Titelsong oder im "Água de beber", evozierte es sogleich auch jene spezifische, blühend kolorierte Leichtigkeit, die gerade die brasilianische Musik des berühmten Antônio Carlos Jobim oder des Bossa-Nova-Meisters Stan Getz ausmacht.

Als bleibende Konstante der Band erwies sich der aus Málaga stammende Spanier Díaz, dessen kantabler Zupfbass einerseits einen soliden Antrieb lieferte, zugleich aber auch den körperhaften Unterbau stellte, von dem aus die verbleibenden Stimmen abheben konnten. Daniel Eppinger tat es zurückhaltend, dafür aber mit einfühlsamer Musikalität und Hingabe.

Auch der Sängerin Astrud Gilberto, die sich mit Jobims "Corcovado", "Desafinado", "Triste" oder "Samba de uma Nota só" weltweit einen Namen gemacht hatte, galt die Hommage, von Wegener entsprechend mit Traurigkeit, Sehnsüchten, Einsamkeit und Herzschmerz überzeugend in Erinnerung gerufen. Dabei weniger lasziv und gehaucht als vielmehr klar und transparent ausgesungen, wie es auch Gilberto mit ihrer lieblichen Stimme verstand, so etwa in den 1960er Jahren zusammen mit Getz in dessen "The Girl from Ipanema", das auch hier erklang. Eine wohltuende Selenmassage, die bis zum letzten Ton der Zugabe volle Begeisterung erntete.