Veranstaltungsinfo

Mo, 18.05.2015
20.00 Uhr
Schauspiel
28,00 €*
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Metropoltheater: Unter dem Milchwald
Metropoltheater: Unter dem Milchwald
Metropoltheater: Unter dem Milchwald
Metropoltheater: Unter dem Milchwald
Metropoltheater: Unter dem Milchwald
Metropoltheater: Unter dem Milchwald
Metropoltheater: Unter dem Milchwald
Metropoltheater: Unter dem Milchwald

Metropoltheater München: Unter dem Milchwald von Dylan Thomas

Ausgezeichnet mit dem Monica-Bleibtreu-Preis und dem AZ-Stern der Woche.

Es ist Frühling, mondlose Nacht in der kleinen Stadt, sternlos und bibelschwarz. unter dem Milchwald liegt das walisische Dorf Llareggub im Schlaf. In seiner trunkenen Sprache lauscht Dylan Thomas den Bewohnern des Küstenortes ihre Träume ab. Der Kapitän, der Briefträger, die Krämerin, der Totengräber, die Pensionswirtin, der Organist, der Bäcker, der Pastor, die Lehrerin, das Dienstmädchen, die Schulkinder, die Lebenden wie die Toten: Sie alle tag- und nachtträumen von geheimen und offenen Sehnsüchten, belauschen Selbstgespräche, brechen Briefgeheimnisse, phantasieren Giftmorde … Ein großartiges Gespinst aus banaler Realität, überbordender Lebenslust und trotziger Schwermut. Ein Frühlingstag in einer walisischen Kleinstadt, ein Stück über das Leben überhaupt.
Ausgezeichnet mit dem Monica-Bleibtreu-Preis und dem AZ-Stern der Woche.

Regie ULRIKE ARNOLD
Mit LENA DÖRRIE, MARKUS FENNERT, GERD LOHMEYER, THOMAS MEINHARDT, LISA WAGNER oder ELI WASSERSCHEID
Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2015

Nach(t)kritik 
In der Malerei würde man wohl von Pointillismus sprechen: Der walisische Poet Dylan Thomas hat mit dem fiktiven Fischerstädtchen namens "Llaregubb" und dessen skurrilen Bewohnern ein aus unzähligen Wort-Tupfern zusammengesetztes Bildnis geschaffen, das seinesgleichen sucht - Llaregubb steht offenbar stellvertretend für alle anderen Orte in Wales, eingezwängt zwischen Bergen und dem Meer, im Titel des Thomas-Hörspiels als "Unter dem Milchwald" verortet.

Das Metropoltheater München gastierte im Bosco nun mit einer Inszenierung von Ulrike Arnold, welche diesen Ort immerwährender Ödnis und ewiger Fortzeugung des immer Gleichen im Geiste des farbklecksenden Dichters zum Leben erweckte: So wie einleitend die aus fünf wogenden Leibern bestehenden Gezeiten kommen und gehen, herrscht auch in diesem "Llareggub" ein Kommen und Gehen von Hoffnungen und Enttäuschungen, von Verzweiflung und aufwallendem Mut - ein niemals endender Trott aus Alltags-Agonie: Die Lebensäußerungen seiner Menschen durchzieht dabei ein unüberhörbarer Grundton tiefer Düsternis, der nur gelegentlich von absurder Komik durchbrochen scheint. Der Autor seziert seine Figuren wie Käfer unter der Lupe und schreibt den Akteuren Sätze auf den ausgemergelten Insekten-Leib wie jener illusionslosen Mutter: "Nichts wächst in unserem Garten - nur Wäsche und Babys." Oder er lässt den alles verwertenden "Familienmetzger" auftreten und beiläufig sagen: "Ich muss den Pekinesen abkochen, wegen der Bazillen." Und doch ist Thomas´ Sprache stets auch von großer, zärtlicher Kraft, wenn er die Einsamkeit eines vergeblichen Liebeswerbers umschreibt: "Und er drückt sein eigenes schönes Geld an sein eigenes Herz."

Die fünf Schauspieler des "Metropol" leisten in der begleitenden Action zu all diesen sprachlichen Juwelen (Übersetzung ins Deutsche: Erich Fried) Enormes: Immer in Bewegung, reihen sie mit Hilfe einer Drehbühne im stets gleichen Grund-Tableau Szene an Szene, ohne jedwede durchgängige Handlung. Wer gerade nicht "agiert", schuftet beim Drehen der Welt, also der von Julia Schröder konzipierten Bühne mit. Schätzungs-weise 20 "Rollen" bilden dieses Kabinett des Bizarren - und was das Dichter-Wort nicht schafft, gelingt der Wandlungsfähigkeit der fünf Akteure. Viola von der Burg, schon bei früheren Aufführungen des "Metropoltheaters" ("Black Rider") herausragend, wird diesmal von Markus Fennert, Eli Wasserscheid, Lena Dörrie und Thomas Meinhardt auf Augenhöhe unterstützt, wobei die rasche Szenenfolge es gestattet, dass jeweils eine Figur im Mittelpunkt bleibt.So entsteht eine Art Gesamtschau walisischer Küstenkäffer, eine Vermessung des unrettbar Provinziellen - und eine Liebeserklärung an all diese Hässlichkeit des Seins. In "Llareggub", dieser "Hauptstadt der Dämmerung", die rückwärts gelesen "Bugger, all" heißt und angeblich so viel wie "rein gar nichts" bedeutet. Das Nichts aber, es hat unglaublich viel Farbschattierungen.
Lang anhaltender Applaus am ersten von zwei Bosco-Gastspiel-Abenden des Metropol-theaters München für ein fulminantes Stück Soziographie.