Veranstaltungsinfo

Do, 14.12.2017
20.00 Uhr
Kabarett
22,00 / 10,00 €*
* Vorverkauf ab 08.07.2017

Stephan Zinner: relativ simpel

Eigentlich wäre das Leben doch ganz einfach: Geburt, Pubertät, Fortpflanzungspartner finden, wennʼs klappt Kinder, gutes Bier trinken, in Würde alt werden, dann Sterben...relativ simpel eben! Aber immer, wenn das einer sagt, dann gibt es irgendwo einen Haken – und es ist Vorsicht geboten.
Eigentlich wäre das Leben doch ganz einfach: Geburt, Pubertät, Fortpflanzungspartner finden, wenns klappt Kinder, gutes Bier trinken, in Würde alt werden, dann Sterben. Und bei all dem möglichst keinen Scherbenhaufen hinterlassen ... relativ simpel eben! Aber immer, wenn das einer sagt, mit diesem „relativ simpel“, z.B. beim Regal-Aufbau, bei der Wegbeschreibung oder bei der Samenspende, immer dann gibt es irgendwo einen Haken – und es ist Vorsicht geboten.

Denn das Leben ist ein Hürdenlauf: Seien es nun die schnellen Besuche beim Münchner Kreisverwaltungsreferat, bei denen man schon an der Eingangstür scheitert, oder die kurzen Elternabende, die nur drei Stündchen Lebenszeit kosten. Man muss sich gar nicht so weit in fremdes Territorium wagen, die Probleme warten schon im Treppenhaus: Der Weg zur Biorestmülltonne ist vom Kampfhund des Nazi-Nachbarn versperrt („des is a ganz a Braver“), und über kurz oder lang wird der erste Freund der Tochter vor der Tür stehen. Aber das ist längst nicht alles: Dann sind da noch vegane Shrimps, das Dschungelcamp, der FC Bayern mit seinem depperten Katar-Deal, Schöfferhofer-Alkoholfrei, die Steuer, Lebkuchen im Oktober, die Musik aus dem Radio, Lemmy ist tot, Bowie ist tot, alle sind tot. Tja, ein paar Stolpersteine hält das Leben immer parat ... trotzdem: Attacke!! Weg finden.

Von seinem eigenen, eigentlich ziemlich einfachen Lebensplan und den vielen Hürden berichtet Stephan Zinner in seinem neuen Programm „relativ simpel“. Locker plaudernd und an der Gitarre spielend erzählt der Kabarettist, auch bekannt als Nockherberg-Söder und aus Filmen wie „Dampfnudelblues“, Geschichten vom Leben und seinen Fallstricken. Der gebürtige Trostberger und Wahlmünchner Stephan Zinner hat einen guten Blick für die schrägen Momente im Leben. Er überspitzt sie zu irrwitzigen Szenen. Lügen muss er dabei kaum – jeder kennt diese Situationen im Alltag, bei denen man nicht weiß, ob man nun lachen oder weinen soll.

Musikalisch unterstützt wird der dreifache Familienvater Stephan Zinner auf der Bühne von Andy Kaufman, der für sich ein ganz anderes Daseinskonzept gewählt hat und in wilder Ehe lebt. Die beiden wollen – relativ simpel – einen humorvollen und auch optisch ordentlichen Abend bieten.

Musikalische Begleitung
ANDY KAUFMANN, drums

Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2017

Nach(t)kritik 

Jetzt, da der Söder Markus bald am Ziel und „die Macht mit ihm“ sein wird, kann sich sein Nockherberg-Double Stephan Zinner als erklärter „Star Wars“-Fan wichtigeren Aufgaben im Weltall zuwenden. Etwa den „verklebten Faszien“ falsch trainierender Zeitgenossen aus der Muckibude oder diesen grauen Rollkoffer-Zombies, die zu bestimmten Tageszeiten auf den Flughäfen die Mehrheit zu bilden scheinen. Zinner, der gebürtige Trostberger und leidenschaftlicher AH-Fußballer, hat sein Typenkabarett gegenüber dem Programm „Wilde Zeiten“ (2015) noch erweitert: Seine geschmeidige Begabung, solchen Deformierungserscheinungen des modernen Menschen die passende Sprache und Körperlichkeit zu geben, ist schier unbegrenzt – da gibt es den keuchenden Amateurradler im Presswurst-Outfit, die aus KGB-Beständen stammende Krankenschwester-Domina und natürlich den raumgreifenden SUV-Fahrer als ewigen Lieblingsfeind. Hier schwingt das Wort vom Lackaffen unhörbar mit, auch wenn es nur um einen „Lackschaden“ geht: Stephan Zinner hat sie einfach dick, diese Überholspurmenschen der Neuzeit, und das spricht er auch immer wieder aufs Schönste laut aus. Seine „Botschaft“, wenn man so will, lautet auf gut Bairisch: „I glaab, ma ko ganz guat durchs Lebn kemma, wemma´s net so wichtig nimmt.“

Das Programm „Relativ simpel“ setzt diese entspannte Grundhaltung des dreifachen Famlienvaters Zinner konsequent in Szene: Dem Bob-Marley-Epigonen unter den Spezln des Sohnes bietet er an, gemeinsam das Gewürzregal aufzurauchen; für die Paketflut der Lieferdienste macht er fast klaglos den „Präsenz-rentner“, der jede Lieferung annimmt. Zinner arrangiert sich mit den Anforderungen der Ü 40-Generation, alt genug, der eigenen Jugend nicht mehr nachzuweinen, und jung genug, noch mal die Sau raus zu lassen. Bleibendes Element neben AH-Fußball und Begegnungen mit Idioten im weißen Range Rover ist der recht gut intonierte Blues, den Zinner zusammen mit seinem Schlagzeuger Andi Kaufmann immer dann anstimmt, wenn der sonstige Text zu Ende ist, also quasi als Überbrückungskabel zwischen den einzelnen Kabarett-Blöcken: Das ist erholsam, klingt gut und macht auch Zinner großen Spaß, denn in ihm lebt ja auch noch der alte Lagerfeuer-Barde mit der Gitarre und der leichten „Mojo“-Pose fort. Politisch wird der Mittvierziger diesmal gar nicht, abgesehen von einer Björn (oder doch Bernd?) Höcke gewidmeten, schnarrenden Einlage à la Adolf Hitler – vielleicht trainiert Zinner ja auch längst wieder den „Södi“, den er schon als eine Art Samurai interpretiert hat. Was Stephan Zinner vor allem auf Lager hat, sind erstklassige Kurzparodien wie die vom „Bauernbüffe mit Lautauswurf“ oder Plaudereien aus dem familiären Nähkästchen. Die eigene Frau ist Ärztin und offenbar dem Präventionsgedanken anheim gefallen - Zinner berichtet tapfer: „Ich bin einer der weniger Männer, die gegen Gebärmutterkrebs geimpft sind!“

So geht das, durchsetzt von sehr hörenswerten Musikeinlagen, gut zwei Stunden lang dahin. Vergnüglich, harmlos und „relativ simpel“, wie es der Programmtitel versprochen hat. Das Publikum amüsierte sich prächtig über das Leichtverdauliche, war es doch endlich mal nicht intellektuell gefordert. Immerhin sollte man den Marlon-Brando-Sprech dechiffrieren können oder sich wie Sport-Freund Zinner mit den wichtigsten Doper-Namen der jüngeren Tour-de-France-Geschichte auskennen oder mit den „wuisligen“ Pop-Musikern der Heul-Halt-Generation um Xavier Naidoo. Die kann der Stephan nämlich nur schwer ertragen, und das macht ihn einem unbedingt sympathisch, auch wenn er das Geerdetsein ein bisschen zu stark raushängen lässt: Verklebte Faszien muss dieser Mann gewiss nicht befürchten.