Veranstaltungsinfo

Fr, 03.02.2017
20.00 Uhr
Jazz
20,00 / 10,00 €*
* VVK ab 25.11.2016
Benedikt Jahnel Trio, Foto: Arne Reimer

Benedikt Jahnel Trio: Release-Konzert "The Invariant"

Mit „The Invariant“ bringt ECM Anfang 2017 das dritte Album des Benedikt Jahnel TRIOs heraus - und zeigt das Trio von einer neuen Seite. Brilliant virtuos die Klavierparts, der Bass wuchtig bis filigran, elektrisierend das pulsierende Schlagzeug - dabei wirkt alles wie aus einem Guss und zu keinem Zeitpunkt auf Effekt aus.
Der deutsch-spanisch-amerikanischen Formation aus Pianist Benedikt Jahnel, Bassist Antonio Miguel und Schlagzeuger Owen Howard war mit Equilibrium einer der Überraschungsfolge der Jazzsaison 2012/2013 gelungen. Dazu hatten nicht nur durchwegs ausgezeichnete Kritiken, sondern auch ausgedehnte Konzertaktivitäten beigetragen, die die Gruppe quer durch Europa sowie in die USA und Kanada führten.
 
War der hochentwickelte moderne Pianotrio-Jazz der Gruppe schon zum Zeitpunkt des Erscheinens von Equilibrium von „traumhaftem Teamgeist“ (AUDIO) geprägt, so hat sich das Interplay der drei Musiker durch die kontinuierliche …der letzten Jahre zu einer geradezu telepathischen Dichte entwickelt. Das sollte Auswirkungen auf die neue Produktion haben. Mit Manfred Eicher als Produzent und Jan Erik Kongshaug als Toningenieur entstand im Rainbow Studio in Oslo ein Album, das der Bandleder voller stolz als „das beste, was wir jemals aufgenommen haben“, bezeichnet.
 
Kompositorisch empfindet Jahnel, der erneut alle Titel geschrieben hat, die neuen Tracks als organische Fortentwicklung des musikalischen Geschehens auf den Vorgängeralben: „Die Stücke sind wirklich über die gesamten fünf Jahre seit den Sessions zu Equilibrium entstanden. Einige Tracks greifen Konzeptionen und Elemente von Stücken auf, die auf Equilibrium beziehungsweise auf Modular Concepts enthalten waren. Diese Elemente klingen hier ausgereifter, homogener im Bandsound und wir spielen sie mit mehr Freiheit und Entspannung.“
 
Andererseits gibt es auf dem neuen Album eine Reihe von neuen Einflüssen, Klängen und Ideen, die es vom Benedikt Jahnel Trio noch nie zu hören gab: auf einigen Stücken Swing (‚Further Consequences‘, ‚The Circuit‘), „wir spielen teilweise sehr Groove-betont – zum Beispiel in ‚Part of the Game‘.“
Vor allem aber hat sich das Gravitationszentrum im Sound der Band verschoben: „Es ist diesmal sicherlich eine Piano-CD geworden. Der Flügel steht unangefochten im Zentrum. Der Bass hat zahlreiche wichtige Stellen sowohl als Solist als auch bei der Präsentation der Themen. Auch die Achse Schlagzeug-Piano ist wie immer sehr wichtig, aber das Schlagzeug hat diesmal vor allem eine unterstützende Roller.“

BENEDIKT JAHNEL piano (D)
ANTONIO MIGUEL bass (ES)
OWEN HOWARD drums (CA)



Preisgewinne unter anderem:
2003 “Jazz Award Tübingen“: 1. Preis, Beste Band
2004 “Möbus Award”, Berlin: 1. Preis, Beste Band
2006 “Brunswick Award for Composition“, New York (USA): 1. Preis
2011 “Creole Jazz Award”, Bundeswettbewerb Berlin: Gewinner
Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2017

Nach(t)kritik 
Zweifelsohne: Benedikt Jahnel und sein Trio haben in Gauting mittlerweile eine treue Fangemeinde, sonst hätte sich der Saal zum Nicht-Abokonzert kaum so gut gefüllt. Die sinnenfreudige und klangorientierte Spielweise des zehn Jahre alt gewordenen Trios vergisst man auch nicht so leicht. Die Musik schmeichelt sich geradezu ins Ohr, und dies auf eine überaus vielfältige Weise, angereichert mit überraschenden Wendungen der unterschiedlichsten Art. Das ist sozusagen das Markenzeichen des Ensembles, das von Anfang an auf diese sehr ansprechenden Qualitäten baute. Die Frage, die sich hier nun zur Präsentation der am Freitag des 13. Januar neu erschienen CD „The Invariant“ im bosco stellte, war in etwa so zu formulieren: Wie bleibt sich das Trio treu, ohne sich zu wiederholen und ohne die eigene Stilistik bis zur Erschöpfung weiterzuführen?
Die Antwort darauf hat die neue Scheibe zweifelsohne parat und überrascht weniger mit einem neuen musikalischen Gewand der drei Instrumentalisten, als vielmehr mit der Tatsache, dass die Erneuerung von innen heraus gelungen ist. Das gesteigerte Sich-als-Ensemble-Empfinden der Musiker trug dazu jedenfalls wesentlich bei. Tatsächlich ging es hier weniger um eine homogene Spielweise und Klanglichkeit, sondern vielmehr um ein Austarieren vielfältiger Klangkombinationen und musikalischer Charaktere aus dem Zusammenspiel heraus.
Jahnel am Flügel, der Kanadier Owen Howard am Schlagzeug sowie der Spanier Antonio Miguel am Kontrabass sind drei überragende Virtuosen, die ebenso mit ihren packenden solistischen Einlagen absolut überzeugten. Doch auch in den Soli wurde selten jemand alleingelassen. Zwar nahmen sich die Mitspieler zurück, doch der Zusammenhalt blieb bestehen, ruhte praktisch in Standby mit wenigen, aber dann doch nicht vernachlässigbaren Impulsen.
Man könnte die Spielweise der Musiker im Einzelnen aufführen und mit vielen blumigen Formulierungen in Worte übersetzen. Doch das würde wohl kaum der Ensemble-Leistung näher kommen. Das Trio ist ein lebendiger, lustvoll agierender Organismus, der zuckt, vibriert, swingt, groovt, unentwegt die Form verändert, sich auf gemeinsame Schwingungen einschwört, um gleich wieder mit Rhythmusbrechungen und inhaltlicher Auflösung den Zusammenhalt außer Kraft zu setzen. Dieses Aufbrechen ist aber sogleich auch wieder der Weg zu einem neuen, eben nur anders gearteten Zusammenhang. Das konnte schleichend passieren, um einen rhapsodischen Charakter zu erhalten. Manchmal vollzog sie der Wandel aber auch schnell, plötzlich, in gewisser Weise explosiv, als wollten sich die Musiker selbst überrumpeln und überraschen.
Die Mittel, auf die das Trio zurückgriff, waren bisweilen erstaunlich schlicht in Anbetracht der enormen Wirkung. Manchmal genügte ein Tremolo rasant hintereinander wiederholter Akkorde am Flügel, um mit der Zeit einen eigentümlich schwebenden Charakter zu erhalten. Ähnliche Langzeitwirkungen erzielten auch langsam wiederholte, holprig rhythmisierte Fragmentierungen. Nicht selten waren sie lediglich als Überleitungen vorgesehen, die als Kontrastmittel ihre Aufgabe voll und ganz erfüllten.
Die Musik des Benedikt Jahnel Trios blieb sich in einem Punkt absolut treu: In der Poesie voller Inspiration und weitschweifender Höhenflüge. Und die ist umso erstaunlicher, wenn man weiß, dass Jahnel promovierter Mathematiker ist. Damit erklärt sich der Titel der neuen CD, den Jahnel selbst in einem Interview des Deutschlandradios Kultur darbot: „The Invariant – das ist also die Invariante, das ist was, was mir in meiner Arbeit als Mathematiker oft über den Weg läuft. Das sind irgendwelche Größen, die unter einer Transformation unverändert bleiben.“ Sein Einsatzgebiet in Sachen interagierender Teilchensysteme und mobiler Netzwerke deckt sich zur Gänze mit seiner musikalischen Idee des dynamischen Ensembles. Diese Rechnung ging jedenfalls auf: frenetische Ovationen.