Veranstaltungsinfo

Mo, 06.03.2017
20.00 Uhr
Schauspiel
28,00 / 15,00 €*
* VVK ab 26.11.2016

Bremer Shakespeare Company: "Richard III" von W. Shakespeare

TERMINÄNDERUNG! VERSCHOBEN VOM 07.04. AUF DEN 06.03.2015!
Wer ist Richard III? Richard III – seit Generationen das Inbild des abgrundtief Bösen, der homo homini lupus, der Schlächter. Richard Gloucester - der Missgestaltete, der radikal Einsame in einer Gesellschaft, deren Mitglieder nicht weniger Schuld als er auf sich geladen haben, aber die Unschuldigen spielen. Richard, letzter König des Hauses York, ein Spieler- Virtuose, dessen ideenreiches Machtspiel mit höchstem Einsatz in die Selbst-Vernichtung führt.

Auf seinem Weg an die Spitze eines verkommenen Staatsgebildes ist Richard entschlossen und ohne Skrupel. Er tötet seine engsten Verwandten, schreckt auch vor Morden an Kindern nicht zurück, wirbt um die Witwe eines von ihm ermordeten Prinzen, lässt seine Komplizen nach getaner Arbeit köpfen. Die Frauen in seinem Reich, angezogen von seiner Verführungskraft, abgestoßen von seiner Bösartigkeit, vermögen nicht, ihn aufzuhalten. Als alle Gegner geflohen oder geschlagen sind, England zu einem öden, verlorenen Land zu werden droht, formiert sich Widerstand in Frankreich. In der entscheidenden Schlacht vernichtet Richard sein letztes Opfer, sich selbst.
Weit müssen wir nicht schauen, um die Richards unserer Zeit zu entdecken, die Gesellschaften und politischen Systeme, in denen Vertrauen tödlich sein kann…

Stückdauer: ca. 2,30 Std., eine Pause
Einführung: 19.15 Uhr

Regie RICARDA BEILHARZ
Mit FRANK AUERBACH, CHRISTIAN BERGMANN, ULRIKE KNOSPE, PETER LÜCHINGER, MICHAEL MEYER, THERESA ROSE, KATHRIN STEINWEG
Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
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2017

Nach(t)kritik 

„Och Hastings – n´ Kopf kürzer hättste´s geschafft!“ Dieser Satz ist nicht von William Skakespeare, aber er lockert das mörderische Treiben in seinerTragödie „Richard III.“ wohltuend auf. Die Bremer Shakespeare Company machte bei ihrem zweiten Gastspiel im bosco (nach Schillers „Maria Stuart“) aus einem der blutrünstigsten Stoffe der Theatergeschichte ein mit Ironie und schwarzem Humor angereichertes Stück, das dennoch nicht an epischer Wucht einbüßte: Die Inszenierung von Ricarda Beilharz vertraut weitgehend auf die Qualität ihrer sieben Schauspieler, lässt auch das Melodiöse der Sonette gebührend zur Entfaltung kommen und streut doch immer wieder eine wohltuende Prise Text-“Moderne“ ein: Richard, der blaublütige Renaissance-Psychopath, der sich selber analysiert, als wäre Sigmund Freund sein Zeitgenosse gewesen: „I, that am not shaped for sportive tricks...“ - Ich, der ich nicht zum höfischen Schmeichler tauge....
Dieser Richard also tritt sozusagen die Flucht nach vorne an - einmal ein Monster, immer ein Monster. Meuchelt auf dem Weg zum britischen Thron den Bruder, den Neffen, treue Gefolgsleute, etliche Mitverschwörer und Rivalen, sogar Kinder und indirekt auch den offenbar herzkranken Vater. Die Shakespeare Company lieferte den bosco-Besuchern eigens noch eine Genealogie des Hauses York mit, damit es bei dem flotten Morden den verwandtschaftlichen Überblick behielt. All die „Edwards“, die da zu Tode kommen, kommentiert der als „George, Herzog von Clarence“ soeben selbst dahingeschiedene Christian Bergmann treffender Weise mit: „edwards unübersichtlich“. Überhaupt funktioniert die ironische Brechung dieses wuchtigen Bühnen-Massakers bei den Bremern zweieinhalb Stunden lang ausgezeichnet und bin hin zu der Nummer mit dem Rasiermesser ganz ohne rotes Theaterblut. Bergmann hadert vielmehr mit seinen Mehrfach-Toden als Clarence bzw. Edward senior, indem er mosert „Immer bin ich weiß...“ Dazu bläst er Raumbefeuchter in die bosco-Luft und gibt den Wetterbericht: „Londoner Nieselregen“. Auch schön Makabres hielten die Bremer bereit: Hastings (Frank Auerbach) darf, nachdem er bei Richard in Ungnade fällt und buchstäblich den Kopf verliert, diesen für den fast kompletten Rest des Stückes optisch auf dem (Silber-)Tablett ablegen: „Och Hastings..“, hatte Königin Elisabeth (mal mütterlich, mal sexy, mal queenlike: Kathrin Steinweg) vorher noch gewitzelt.
Es sind solche Regie-Einfälle, die das Ganze ein wenig durchpusten, ohne es zu trivialisieren. Michael Meyer ist ein starker, ein verschlagener „Richard“, dem man zugleich das Gedrungene, den Selbsthass und den Welt-Ekel abkauft: „Was bleibt zu sagen, wo diese Welt nur abwärts rollt?“ Shakespeares Anti-Held durchbricht sämtliche vermeintlichen Tabus und nimmt die durchschaute allgemeine Schlechtigkeit als Rechtfertigung für das eigene maßlose Handeln. Man darf sagen, mit dieser monströsen Figur des Richard ist die Ich-Betrachtung endgültig angekommen in der Theater-LIteratur - Clockwork Orange lässt grüßen, fehlte nur noch, dass man Sinatra dazu eingespielt hätte: „I did it my way. . .“ Shakespeare hat bei seiner „Familienaufstellung“ übrigens auch noch weitere starke Figuren eingeführt: Eine Elisabeth, der noch der Thron-Streit mit Königin Margaret (tragisch umflort, aber immerhin noch lebendig: Ulrike Knospe) nachhängt; einen Herzog von Buckingham, der erst wacker mitintrigiert und dann sehr schön Selbstmord durch den Strick begeht (Peter Lüchinger etwas sprachsteif und wohl leicht gehandicapt mit Gehstock); eine Lady Anne, die erst Witwe des ermordeten Richard-Bruders Edward ist und dann den Mörder ehelichen soll (Theresa Rose gibt dem Herzog von Gloucester, also Richard, ordentlich Kontra). Sämtliche Akteure und Aktricen besetzen mehrere Rollen in diesem mörderischen Geschehen – dem „Täter“ erscheinen sie zum Teil noch als Untote im Traum. Auch Frank Auerbach, der eben noch als „Lord Hastings“ um einen Kopf kürzer gemacht worden war, kehrt am Ende zurück: Als „Richmond“ bringt er Richard den Tod auf dem Schlachtfeld. Ihn haben sowieso längst alle verlassen, sogar die Toten, die ihn so lange heimsuchten, und auch sein Ruf „Ein Königreich für ein Pferd!“ verhallt ungehört. Begeisterter Applaus von einem ebenfallls „dahingerafften“ Publikum.  Thomas Lochte