Veranstaltungsinfo

So, 05.03.2017 bis Sa, 08.04.2017
17.00 Uhr
Ausstellung
Eintritt frei

Catherina Hess: Savoir-vivre

Die Sehnsucht nach ihrer zweiten Heimat Frankreich hat die Photographin Catherina Hess dazu inspiriert, auch auf den Straßen und Plätzen ihrer Geburtsstadt nach dem „Savoir-vivre“, der französischen Lebenskunst, zu suchen.
Die Sehnsucht nach ihrer zweiten Heimat Frankreich hat die Photographin Catherina Hess dazu inspiriert, auch auf den Straßen und Plätzen ihrer Geburtsstadt nach dem „Savoir-vivre“, der französischen Lebenskunst, zu suchen. Begeistert von der Idee, schnappte sich Sohn Léon eine Baskenmütze und wurde zum Hauptdarsteller ihrer photographischen „Tour de France“ durch München. Mit den ausdrucksstarken schwarz-weiß-Photographien wirft Catherina Hess einen fast träumerischen Blick zurück auf bedächtigere Zeiten. Ob Café au lait und Baguette, Boule Spiel oder Hut Salon – Paris liegt gar nicht an der Seine möchte man meinen, es liegt an der Isar.
Komplettiert wird die Ausstellung durch Aufnahmen, die bei zahlreichen Aufenthalten in Frankreich entstanden sind.
Die Photographin Catherina Hess lebt in Gauting und arbeitet u.a. für die Süddeutsche Zeitung und das Literaturhaus München.

Der Beitrag in der Abendschau des Bayrischen Rundfunks über Catherina Hess und die aktuelle Fotoausstellung "Savoir-vivre" wurde unter anderem bei uns im bosco gedreht.
Savoir-vivre an der Isar (Abendschau vom 14.03.2017)
Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2017

Nach(t)kritik 

Ein kleiner Junge in altmodischer Kleidung, auf dem Kopf eine Baskenmütze und im Gesicht bezaubernde Sommersprossen, gibt im Treppenhaus Autogramme. Fast meint man, dass der Duft von frischgebackenem Baguette in der Luft liegt. Das ist wohl eine Sinnestäuschung, ausgelöst von den Bildern, die an der Wand hängen. Eines aber darf man wohl sagen: Gauting ist an diesem Sonntagnachmittag – und vielleicht auch noch bis zum Ende der Ausstellung von Catherina Hess – ein Vorort von Paris. 

Jeder Fotograf sollte eine ganze Seite mit Fotos von München füllen, so lautete der Auftrag der SZ-Redaktion im Juli 2016 – eine typische Idee fürs Sommerloch. Catherina Hess, schon auf dem Sprung in den Urlaub, war zunächst gar nicht begeistert von dieser Idee. Vielleicht war sie in Gedanken schon auf dem Weg nach Frankreich, ihrer zweiten Heimat. Jedenfalls beschloss sie, München dort zu fotografieren, wo es aussieht wie Paris. Oder besser gesagt: So zu fotografieren, dass es aussieht wie Paris. Paris, so wie es im kollektiven Gedächtnis als Sehnsuchtsort gespeichert ist. Paris, wie es auf den Bildern von Henri Cartier Bresson zu sehen ist oder auf jenem berühmten Bild von Willy Ronis, das einen kleinen Jungen mit einem Baguette unter dem Arm zeigt, der vor Lebensglück platzend über seinen Schatten springt. Ein Paris der nostalgischen Schwarzweißbilder, könnte man sagen.

Der kleine Junge war schnell gefunden, sein Kostüm aus Knickerbockers und Baskenmütze ebenso. Ein halbes Jahr später bei der Vernissage in Gauting sollte er dann erzählen: „Bei dem Bild mit dem Schatten, da hätte ich die Mama beinahe mit dem Baguette geprügelt.“ Catherina Hess zog für ihre wunderbar inszenierte Bildserie vom französischen München mit ihrem achtjährigen Sohn Leon durch die Stadt. Sie fotografierte ihn im „Café Marais“ im Westend und vor der „Boulangerie Dompierre“ in Schwabing. Mal tunkt er ein Croissant in die Tasse, mal blickt er durchs Schaufenster in den Laden einer Hutmacherin, mal bestaunt er Abendkleider in einer Boutique. Mal mischt er sich unter die Boule-Spieler im Hofgarten und mal läuft er mit einem Baguette unter dem Arm am Fuß der Treppe an der Luitpoldbrücke entlang – immer und immer wieder. Als seine Mutter endlich mit dem „Springschatten“ zufrieden war, da war das Baguette schon in der Mitte durchgebrochen und mit einem Bleistift geflickt, wie Leon im Gespräch mit Hans-Georg Krause verrät.

Vielleicht wird der Geschichtenerzähler Leon später einmal in die Fußstapfen seiner berühmten Großeltern treten. Catherina Hess ist die Tochter der beiden Journalisten Karin Friedrich und Ernst Hess. Sie wählte erst die Fotografie und später den Bildjournalismus als Beruf. Sie wuchs in Gauting auf und lebt mittlerweile wieder dort. Eine Geschichtenerzählerin aber ist auch sie: „Ein Bild muss im Betrachter etwas bewirken, und wenn es nur ein gutes Gefühl ist.“ Meistens ist es jedoch weit mehr, was sie mit ihren Bildern bewirkt. Ihre zahlreichen Dokumentationen zu sozialen Themen entstanden unter anderem im Auftrag des Münchner Stadtarchiv, in Gauting stellte sie bereits 1995 die Bildserie „Fremde Heimat“ aus.

Sich Zeit nehmen, sich auf ein Thema einlassen und mit Bildern Emotionen zu transportieren, das komme bei der Arbeit für die Zeitung oftmals zu kurz, erzählt sie bei der Vernissage. Mit den stimmungsvollen Schwarzweißaufnahmen vom französischen München, die wie aus der Zeit gefallen wirken, jedenfalls ist es ihr gelungen. Es sind Bilder, in denen der Mariahilfplatz zum Quartier der kleinen Leute im Paris von anno dazumal wird, die Isar aussieht wie die Seine und die Maximilianskirche im abendlichen Zwielicht wie die Kathedrale von Notre Dame. Und ja, vielleicht verströmen diese Bilder ja tatsächlich auch den Duft von frischgebackenem Baguette…

Pressestimmen 
Die SZ-Fotografin Catherina Hess hat aus der Pflicht eine Tugend gemacht und die bayerische Hauptstadt wie Paris in Szene gesetzt. Als Hauptdarsteller der Bildergeschichte diente ihr Sohn Leon. Das Ergebnis ist noch bis zum 8. April im Bosco zu sehen.

Gauting - Ob es eine Last gewesen sei, als Kind zweier berühmter Journalisten aufgewachsen zu sein und immer an deren Leistungen gemessen zu werden, fragt Hans-Georg Krause vom Gautinger Bosco die Fotografin Catherina Hess bei der Vernissage ihrer Ausstellung. Sie sei nicht die einzige, die sich bei der Süddeutschen Zeitung gegen die großen Namen der Eltern behaupten musste, antwortet die 52-jährige Tochter von Karin Friedrich und Ernst Hess - und schließlich habe sie ja erst die Fotografie und viel später den Bildjournalismus als Beruf gewählt. Eine Geschichtenerzählerin aber ist auch sie geworden, das stellt sie in Gauting mit der Ausstellung "Savoir Vivre" sehr eindrucksvoll unter Beweis.In ihrer Bilderserie "Savoir-vivre" zitiert Catherina Hess das Paris der großen Schwarzweißfotos von Henri Cartier Bresson und Willy Ronis. Foto: Georgine TreybalJeder Fotograf sollte eine ganze Seite mit München füllen, so lautete der Auftrag der SZ-Redaktion im Juli 2016 - typisch fürs "Sommerloch". Catherina Hess war zunächst gar nicht begeistert von dieser Idee. Vielleicht war sie auch in Gedanken schon in Frankreich, ihrer zweiten Heimat. Jedenfalls beschloss sie, München so zu fotografieren, dass es aussieht wie Paris: Nicht das der Terroranschläge unserer Tage, sondern das Paris der großen Schwarzweißbilder, so wie es im kollektiven Gedächtnis mehrerer Generationen als Sehnsuchtsort gespeichert ist. Paris, wie es bei Henri Cartier Bresson zu sehen ist oder auf jenem berühmten Bild von Willy Ronis, das zum Impulsgeber für die Fotoserie wurde: Es zeigt einen Jungen mit einem Baguette unter dem Arm, der vor Lebensglück platzend über seinen Schatten springt.Als Hauptdarsteller der Neu-Inszenierungen an der Isar musste ihr achtjähriger Sohn Leon viel Geduld aufbringen. Foto: Georgine Treybal"Ein Bild muss im Betrachter etwas bewirken, und wenn es nur ein gutes Gefühl ist", sagt Hess über ihre Arbeit. Anders als ein Text, in den man sich nach und nach hineinlesen kann, muss es seine Betrachter "sofort erwischen". Sich Zeit nehmen, auf ein Thema einlassen und mit Bildern Emotionen zu transportieren, das komme bei der Arbeit für die Zeitung oft zu kurz, erzählt sie bei der Vernissage. Mit den stimmungsvollen und aufreizend "langsamen" Schwarzweißaufnahmen vom französischen München, die wie aus der Zeit gefallen wirken, ist es ihr jedenfalls gelungen. Es sind Bilder, in denen der Mariahilfplatz zum Quartier der kleinen Leute im Paris von anno dazumal wird, die Isar aussieht wie die Seine und die Maximilianskirche im abendlichen Zwielicht wie Notre Dame.

Der Junge, den Hess als Hauptdarsteller für ihre Geschichte brauchte, war schnell gefunden, sein bezaubernd altmodisches Kostüm aus Knickerbockers und Baskenmütze ebenso. Ein halbes Jahr später in Gauting erzählt er: "Bei dem Bild mit dem Schatten, da hätte ich die Mama beinahe mit dem Baguette geprügelt." Hess zog für die wunderbar inszenierte Serie mit ihrem achtjährigen Sohn Leon durch die Stadt. Sie fotografierte ihn im "Café Marais" im Westend und vor der "Boulangerie Dompierre" in Schwabing. Mal tunkt er ein Croissant in die Tasse, mal blickt er in den Laden einer Hutmacherin, mal bestaunt er Abendkleider in einer Boutique. Er mischt sich unter die Boule-Spieler im Hofgarten und läuft mit dem Baguette an der Treppe der Luitpoldbrücke entlang - immer wieder. Als die Mutter mit dem "Springschatten" endlich zufrieden war, ist das Baguette schon in der Mitte durchgebrochen und mit einem Bleistift geflickt, wie Leon im Gespräch mit Hans-Georg Krause verrät. Kennt man dieses Making-Of, wird man die Bilder mit ganz anderen Augen anschauen: Man kann sich vorstellen, dass das Croissant eine dringend benötigte Stärkung während des anstrengenden Foto-Shootings war und man sieht am Rand eines Bildes die Hand des französischen Bäckers, der Leon auf dem viel zu großen Fahrrad festhalten musste. Und man weiß auch, warum das Baguette für das romantische Picknick auf dem Brückengeländer schon in zwei Hälften gebrochen ist.