Veranstaltungsinfo

Sa, 25.11.2017
20.00 Uhr
Klassik
35,00 / 15,00 €*
* Vorverkauf ab 08.07.2017

Pavel Haas Quartet & Boris Giltburg, Klavier: Schubert, Schostakowitsch, Brahms

Das Quartett ist in den wichtigsten Konzerthallen der Welt aufgetreten und hat sechs preisgekrönte CDs veröffentlicht. Über den israelischen Pianisten Boris Giltburg schrieb das
Fono Forum: "Die neue Schumann-Aufnahme zeigt einen Künstler, dessen Interpretationen im Vergleich mit Größen wie Vladimir Ashkenazy und Claudia Arrau bestehen können."
Das Pavel Haas Quartett wurde 2002 gegründet und nannte sich nach dem tschechischen Komponisten Pavel Haas (1899-1944), der 1941 nach Theresienstadt deportiert und drei Jahre später in Auschwitz ermordet wurde. Zu seinem musikalischen Erbe zählen drei wunderbare Streichquartette. Seit dem Gewinn des italienischen „Premio Paolo Borciani“ Streichquartett-Wettbewerbs im Jahr 2005 ist das Pavel Haas Quartett in den wichtigsten Konzerthallen der Welt aufgetreten und hat sechs preisgekrönte CDs veröffentlicht, die von Publikum und Presse gleichermaßen gelobt wurden.

VERONIKA JARŮŜKOVÁ, Violine
MAREK ZWIEBEL, Violine
RADIM SEDMIDUBSKÝ, Viola
PETER JARŮŜEK, Violoncello

19.00 Konzerteinführung durch den Kulturjournalisten Reinhard Palmer

Programm:
SCHUBERT Streichquartett Nr. 13 a-Moll D 804 op. 29 »Rosamunde-Quartett«
SCHOSTAKOWITSCH Streichquartett Nr. 7 op. 108
BRAHMS Klavierquintett f-Moll op. 34

Konzertmitschnitt des Bayerischen Rundfunk
Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2017

Nach(t)kritik 
Zweifelsohne: Es war eine Sternstunde der Kammermusik, die da das Pavel Haas Quartet und der Pianist Boris Giltburg dem bosco-Publikum bescherten. Gegründet wurde das Quartett 2002, und nach bereits drei Wechseln an der zweiten Violine folgte im vergangenen Jahr auch einer an der Bratsche. Umso mehr erstaunt es, dass es dem Ensemble in den 15 Jahren gelungen ist, eine kontinuierliche Qualitätsentwicklung hinzubekommen und ein so hohes Niveau zu etablieren. Höchste Präzision, absolute Homogenität in Zugriff, Ausdruck, Klang, Gestaltung und vor allem grandioser Musikalität: Das ist der kammermusikalische Olymp.
Oberste Gebote waren hier einerseits wohlausbalancierte Klangschönheit, andererseits empfindsame Feinsinnigkeit in der Ausgestaltung. Vor allem in Schuberts Rosamunde-Quartett führte dieser Zugriff zu einem äußerst seltenen musikalischen Erlebnis von betörend kultivierter Klanggestaltung. Das Ensemble nahm sich weit zurück, begeisterte bisweilen mit einem klingenden Pianissimo Piano, wie es nur eine großmeisterliche Bogenführung überhaupt erlaubt. Dieses a-Moll-Quartett bietet auch ein reiches Spektrum an Möglichkeiten seelentiefer und berührender Formung, auch wenn es von Schubert vielleicht gar nicht intendiert war. Möglicherweise ging es Schubert um eine wuchtigere Interpretationsweise, hatte er doch mit den Streichquartetten jener Zeit vor, sich einen Weg zur Sinfonie zu bahnen. So ging es dem Komponisten wohl um mehr Substanz und mehr Volumen. Dennoch ist das viersätzige Werk auf die zarte Weise interpretiert alles andere als sinfonisch denkbar. Offenbar ist es Schubert gelungen, eine Zwitterform zu finden, die in feinster Kammermusikalität genauso aufgeht wie in sonst so fulminant-orchestraler Ausdeutung.
Die große Fülle ist bei Schubert eben nicht per se dem Notentext immanent, wie auch die beiden anderen Werke des Abends einer entschiedenen Ausdeutung bedurften. Schon bei Schostakowitsch wählte das Ensemble eine sanfte, zurückhaltende Interpretation, die sich auch mit den großen, scharf rhythmisierten Passagen als vereinbar erwies. Das Ergebnis war ein erzählerisch-philosophische Duktus, der auch in der Entstehungsgeschichte des Werkes verankert ist. Der verstorbenen ersten Ehefrau des Komponisten zum 50. Geburtstag gewidmet, ist es das erste Werk einer Trias, die für Leben, Tod und Auferstehung steht. Es ist ein Werk voller tiefsinniger Gedanken, denen auch eine eigene Zahlenmystik zugrunde liegt.
Man konnte gespannt sein, wie die Musiker hier das Klavierquintett f-Moll von Brahms zu bewältigen vermochten, schlug doch Clara Schumann angesichts der ausladenden Form und inneren Größe der Themen sogar eine orchestrale Besetzung vor, bevor sich Brahms fürs Klavierquintett entschied. Kein Dilemma für das Pavel Haas Quartet. Es behielt die gestalterische Verhaltenheit und die leisen Töne, öffnete aber das Spektrum zur großen, orchestralen Fülle in satter Substanz. So entstand ein enormer Klangraum, in dem sich noch mehr Nuancen und Zwischentöne tummeln konnten, bisweilen in extremen Kontrasten. Boris Giltburg fügte sich hochkonzentriert stimmig bis ins Detail ein, ohne die Klarheit und Transparenz der Streicher zu gefährden. Ganz im Gegenteil: Der israelische Pianist bemühte nichts anderes als perlende Pianistik dafür. Über die Intensität und Dichte seines Parts konnte auch die orchestrale Wirkung erzielt werden, ohne dass Giltburg allzu oft das rechte Pedal bemühte. Kurzum: Die begeisterten, lang anhaltenden Ovationen waren unvermeidbar.
Pressestimmen 

Das Pavel Haas Quartet begeistert das Publikum im Bosco mit Interpretationen auf höchstem Niveau

Kammermusik hat in Tschechien eine lange und auch prominent besetzte Tradition, was die Komposition wie auch die Interpretation betrifft. Die legendären Ensembles wie Smetana-, Böhmisches- (später Tschechisches) oder Ševčík-Lhotský Quartett sind bis heute wohlklingende Namen. Und auch in Tschechien entdecken die jüngeren Generationen wieder das Fach für sich und bringen laufend vor allem großartige Quartette hervor wie Bennewitz, Suk, Vlach oder Pražák. Zu dieser mittlerweile weltweit konzertierenden Elite gehört das preisgekrönte Pavel Haas Quartet, das nun dem Publikum im Gautinger Bosco ein bleibendes Musikerlebnis bescherte.

Das Spiel dieses Ensembles basiert zunächst auf grandioser instrumentaler Beherrschung, vor allem in Hinsicht auf den Bogenstrich. Die vier Musiker haben die leisesten Bereiche für sich erschlossen, die selbst noch im zarten pianissimo piano klanglich nuanciert werden und auch warme, runde Substanz entwickeln. Die Präzision in der Gestaltung eines jeden Tons, die Exaktheit im Zusammenspiel, ja selbst rhythmische Schärfe lassen sogar in den weiten Rücknahmen nicht nach, was für höchste Klarheit und Transparenz sorgt.

Für den großen, symphonischen Bereich bleibt da viel Platz. Mit diesem üppigen Material Schuberts Rosamunde-Quartett (a-Moll, D 804) zu interpretieren, bedeutete denn auch, die innigsten Empfindungen und feinsten Details nicht nur hörbar zu machen, sondern auch in einen schlüssigen Kontext zu bringen. Wobei die Dramaturgie vom ersten bis zum letzten Ton in inhaltlicher wie musikalischer Hinsicht nichts zu viel und nichts zu wenig beinhaltete. Von Schuberts Aussage, er habe sich mit den Streichquartetten - es hätten drei werden sollen - den Zugang zur Sinfonie bahnen wollen, ließ sich das Ensemble nicht beirren. Ob Schubert damit mehr Substanz und satteren Klang meinte, oder doch eher die innere Größe anvisierte, die das Pavel Haas Quartet zweifelsohne aufspürte, bleibt offen. An orchestralem Reichtum der Klangnuancen fehlte es in der Interpretation des tschechischen Ensembles jedenfalls nicht. Die fülligen, sinfonischen Öffnungen blieben allerdings zurückhaltend, betrafen vielmehr Ausdruck und Empfindung von Größe als tatsächlich Lautstärke und Volumen. So vermochte das Ensemble den sinfonischen Gedanken in feinste kammermusikalische Ausprägungen verwandeln.

Schostakowitschs Streichquartette hört man nicht selten in einer falsch verstandenen Modernität, die sich meist in Aggressivität äußert. Sein op. 108 fis-Moll von 1960 bietet dafür - vor allem in der Schlussfuge - auch reichlich Möglichkeiten. Doch das Pavel Haas Quartet ließ sich vom Augenscheinlichen nicht zum falschen Aktionismus hinreißen. Der Komponist gedachte mit diesem Werk seiner verstorbenen ersten Frau zu ihrem 50. Geburtstag, was ihm Anlass zum wehmütigen Sinnieren gab. Als ein leicht schmerzliches Zurückdenken an eine schöne Zeit konnte man denn auch die Auslegung der Tschechen deuten, etwas verträumt, immer wieder zärtlich, manchmal traurig und klagend. Vor allem aber war in dieser philosophierenden Erzählung das Wechselbad der Gefühle absolut nachvollziehbar.

Das traf auch auf das Klavierquintett f-Moll op. 34 von Brahms zu, in dem sich der israelische Pianist Boris Giltburg mit absoluter Hingabe in den Zugriff des Pavel Haas Quartets einfügte. In perlender Präzision und sehr agil entwickelte auch er große klangliche Vielfalt. Dass Clara Schumann ein Orchester als Besetzung des Werkes ins Gespräch brachte, lag an der Gewichtigkeit des musikalischen Materials, das die fünf großartigen Instrumentalisten nun auch mit mehr Fülle ausstatteten, zumal die Instrumentation orchestrale Elemente beinhaltet.

Die Vereinbarkeit mit kammermusikalischer Feinheit, Empfindsamkeit und Präzision sogar in Nuancen war aber auch hier möglich und eröffnete einen schier grenzenlosen Gestaltungsraum, in dem jede Wendung einen neuen Klangkosmos offenbarte. Ovationen waren dem aufregenden Ensemble sicher.