Veranstaltungsinfo

Fr, 24.11.2017
20.00 Uhr
Schauspiel
30,00 / 15,00 €*
* Vorverkauf ab 08.07.2017

Gardi Hutter: So ein Käse

Was dem Mensch das Gold, ist der Maus der Käse. Hier der Goldrausch, dort das Käsefieber. Beider Leben sind hindernisreiche Rennen nach Gold, Geld oder Käse. Die Schweizer Clownfrau begeisterte uns bereits mit »Die tapfere Hanna« und »Die Schneiderin«.
Eine hungrige Maus beobachtet sehnsüchtig durch ein Fern-ofen-rohr einen runden Käse, der so nah und doch so unerreichbar ist: Er hängt in einer Mausefalle! Sie ist süchtig. Sie will mehr, mehr… ein Fondue! Ihre Gier macht sie unachtsam. Plötzlich steht sie in der Falle. Ihre Seele flattert schon höhenwärts. Doch die Falle schnappt nicht zu. Sie hat Rost angesetzt. Jetzt kann das schöne Leben im „Einfallenhaus“ beginnen! Die „Wohlstandsmaus“ richtet sich häuslich in ihrem Paradies ein: Schaukel, TV, Blumen, Fahne: alles Käse! Langeweile schleicht sich ein. Dann sieht sie den goldenen Mond am Himmel: „So ein Käse!!!“

Was dem Menschen das Gold, ist der Maus der Käse. Hier der Goldrausch, dort das Käsefieber. Beider Leben sind hindernissreiche Rennen nach Gold, Geld oder Käse. Dabei riskieren sie oft Kopf und Kragen.Und wenn sie es schaffen viel davon anzuhäufen, wird die Hauptsorge, wie sie das Erworbene erhalten, schützen und vermehren – und sich gleichzeitig alle Träume erfüllen können ….und da beisst sich der Teufel in den Schwanz. Die Maus auch!

Seit 1981 tourt Gardi Hutter mit ihrem clownesken Theater durch die halbe Welt, über 3500 Vorstellungen in 33 Ländern.Sie hat 8 Stücke kreiert und 15 kunstpreise erhalten. In ihren fast wortlosen Solos erfindet sie kleine, absurde Universen.

Stückdauer: 1.20 Std., eine Pause
keine Einführung

Regie FERRUCCIO CAINERO
Mit GARDI HUTTER
Bühnenbild ROLI BEETSCHEN
Musik  FRANCO FERUGLIO
Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2017

Nach(t)kritik 

Die Falle. Wer kennt nicht die Panik, drin festzusitzen? Wer wüsste nicht von der Verlockung, das aus dem Innern der Falle Lockende zu ergattern? Urangst und Urlust begegnen einander in der Falle. Und urkomisch ist, wie Gardi Hutter in einer gut wie ein reifer Käse abgelagerten Produktion, in ihrem „Klassiker“ mit dem Titel „So ein Käse“ diese Geschichte erzählt.

Auf der Bühne steht eine gigantische Mausefalle. Ein riesiger runder Käseball ist darin aufgehängt, ein Käse gewordenes Ausrufezeichen hinter der falschen Botschaft „Hol es dir doch“. Die Clownin, eine mit Ofenfernrohr und dressierter Fliege ausgestattete Maus, beobachtet dieses Objekt der Begierde mit wachsendem Verlangen und der Gewissheit, dass jeder Annäherungsversuch so enden könnte wie bei den nur noch als gerahmte Photographie vorhandenen Verwandten. Eines Tages jedoch, mehr aus Zufall, sitzt die Maus drin in der Falle, ohne dass diese zugeschnappt wäre. Käse ohne Ende fortan, Käse als Hängematte, Käse als Blumenkasten, Käse als Markise am hochgeklappten Fallentor - der Mechanismus war längst verrostet. Oh les beaux jours! 

Doch so lächerlich wie im Sprichwort vom selten gut tuenden Übermut schnappt am Ende die Falle doch noch zu. Da hat die Maus längst den nächsten Käse ins Auge gefasst, den vollen Mond himself, hat die männliche Hälfte des Publikums zu Komplizen gemacht, nachdem die dressierte Fliege den Weg allen Irdischen gegangen worden war, hat versucht, die Schwerkraft zu überwinden und an Höhe zu gewinnen. Und musste doch scheitern. An der Gier und der eigenen Unbeherrschtheit. Denn den wirklich guten Käse gewinnt doch nur, wer sich selber beherrscht.

Gardi Hutter hat in Gauting einen käsegroßen Fanclub, und auch aus dem benachbarten München sind die Fans angereist. Sie haben sich gern und zu Recht in die große Falle der wunderbaren Clownin locken lassen und gemeinsam mit der Maus festgestellt, dass es kaum eine größere Freiheit gibt als die jenseits der Arglist - man darf nur niemals weiter als bis hinter die Grenzen des eigenen Glaubens gehen. 

Es gelingt dieser wohl größten unter den Clowns und Clowninnen, auf dem Drahtseil der Tragikomik zwischen dem Einfachen und dem ganz Hohen gekonnt zu balancieren, immer ohne Netz, aber nie ohne doppelten Boden. Meist auf Clownisch, zuweilen auf Hochdeutsch (wobei auch dies sich hätte getrost ins Nonkommunikative übersetzen lassen können) und oft auch ganz ohne Worte agiert Gardi Hutter mit den klassischen Mitteln der Parodie, Übertreibung und Satire, ohne jemals ihre Figur zu verraten oder auf allzu rasche Effekte zu setzen. Und auch nach all den Jahren ist „So ein Käse“ alles andere als ranzig. Man möchte ewig in dieser Falle sitzen.