Veranstaltungsinfo

Fr, 16.09.2016
20.00 Uhr
Musik
Vielklang
Eintritt frei

Florian Ostertag & Nasim: Spielzeiteröffnung

Wir laden Sie herzlich ein die neue Saison mit uns mit dem Hybridkonzert von FLORIAN OSTERTAG & NASIM zu starten. In freundschaftlicher Unterstützung werden die beiden einen Abend gestalten, an denen persönlicher Tiefgang und musikalischer Hochsprung groß geschrieben werden. Der Eintritt ist wie immer frei!

Hybridkonzert mit vielversprechenden Kostroben neuer Singer-Songwriter-Melancholien des Multi-Instrumentalisten FLORIAN OSTERTAG und Erstveröffentlichungen des Stuttgarter Newcomers NASIM, dessen arabische Seele in deutscher Sprache an warmen Folksongs ausdrückt, was zwischen Tausendundeinernacht und der schwäbischen Kehrwochenpflicht zu finden ist.

FLORIAN OSTERTAG
Es gibt große Talente, so manch authentischen Songschreiber, viele Teilzeitmelancholiker und noch mehrsympathische Eigenbrötler von Nebenan. Und da gibt es FLORIAN OSTERTAG. Sein Wesen: bodenständiger Künstler. Seine Kunst: handverlesen und facettenreich. Das Gesamtpaket: eine eigenwillige musikalische Persönlichkeit mit ehrlichen Ecken und Kanten und einer gesunden Prise Selbstironie. Eben „einer von Vielen“, wie er sich selbst gerne beschreibt.

Ob auf seinem 2009 erschienenem Debut „The Constant Search“ (Maria Records) oder seiner jüngsten Live-EP „The Maria Sessions“ (Maria Records 2012), ob als Support von Philipp  Poisel  oder  auf  seinen  deutschlandweiten  Tourneen  mit  Band  oder  in  Manier  eines  Ein-Mann-Orchesters: stets berührt Ostertag sein Publikum durch wunderschöne Melodien in harmonisch runden und kreativ  verspielten  Songs.  Mit  einer  Mischung  aus  Perfektion,  instrumentalem  Ideenreichtum  und schelmenhafter Lässigkeit drückt er darin das Leben so aus, wie er es erfährt: intensiv, wohlwollend und mit diversen Hochs und Tiefs.  Jemand, der auf diese feine Weise sein musikalisches Selbst in die Herzen der Zuhörer spielt, darf letztlich wohl doch eher als „keiner von Vielen“ gelten.



NASIM
Deutschsprachig, arabischseelig.
Ob Nasim über den ewigen Begleiter aller Songwriter, die Liebe, singt oder mit Klischees gegenüber Zuwanderern abrechnet, so tut er dies mit einer Stimme, der man alles abnimmt.
Der Orient trifft in Nasims Musik den Okzident und beide atmen auf.

Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2016

Nach(t)kritik 
Die beiden hatten den sympathischen Titel „Weggefährten“ für ihren gemeinsamen Auftritt zur Spielzeiteröffnung im bosco gewählt – klingt ja irgendwie auch besser als „Hybridkonzert“: Florian Ostertag aus Nürtingen und Nasim Kholti aus einem kleinen Dorf bei Stuttgart mussten sich wohl zwangsläufig über den Weg laufen, denn den gelernten Elektrotechniker Ostertag und den sozialpädagogischen Familienbegleiter Kholti verbindet etwas, das im durchökonomisierten Zeitalter selten geworden ist und auf einer Bühne heutzutage geradezu exotisch anmutet – innere Werte, eine bestimmte Grundhaltung, die lieber der eigenen Seele nachspürt als äußerlichen Reizen. Florian und Nasim, beide etwa Mitte 30, bringen diese Werte musikalisch auf wohltuend schlichte Art zum Ausdruck und umschreiben das mit dem „Singer-Songwriter“-Begriff, der sich vom Liedermacher alter Prägung angeblich durch Weglassen politischer Inhalte unterscheidet. Ostertag fügt noch selbstironisch hinzu, dass man durchaus selbstmitleidig um sich selbst kreise – wie es halt die Barden schon immer besonders schön konnten. Akustikgitarren, den gelegentlichen Einsatz einer Mandoline, eines Akkordeons oder eines E-Pianos und zwei wohlklingende Stimmen haben die beiden an diesem Spielzeiteröffnungsabend zu bieten. Florian singt durchweg auf Englisch, Nasim - schwäbisch sozialisierter Sohn einer Badenserin und eines Marokkaners, auf Deutsch; man begleitet einander bei den selbstgeschriebenen Liedern oder überlässt im Wechsel dem Anderen die Bühne für ein Solo. „Wir haben eine Tour durch Bars, Cafés, kleine Clubs und Gärten gemacht“, berichtet Ostertag. Es klingt durch, dass diese „Garten-Tour“ voller intimer Konzerte gewesen sein dürfte, manchmal auch wohl nur vor einer Hamdvoll Leuten, die die zwei Künstler am Ende des Abends alle persönlich beim Namen kannten, wie einmal in Salzburg. Sie sprechen zweifellos Menschen an, die auch bei leiseren Tönen zuhören und bei einem Konzert nicht unbedingt das Spektakel suchen, sondern etwas Erbauliches: „The Constant Search“ (Die unablässige Suche) lautet nicht zufällig der Titel des 2009 erschienenen ersten Albums von Florian Ostertag – ein Titel, der offenbar bis heute für den Nürtinger gilt. Seine Lieder verlassen nur selten den melancholischen Grundton, aber weinerlich sind sie nicht, eher schon ernüchtert. Songs für einsame Nachtfahrten vielleicht, auf denen man über die „großen“ Dinge oder den eigenen Lebenssinn nachdenkt und sich beim Lauschen wohlige Bestätigung für seinen Weltschmerz abholt. Englisch ist da für Deutsche die bessere Sprache, denn sie bringt ein gutes Stück Interpretaionsspielraum mit, eine Prise Ungefähres – Nasim riskiert es trotzdem mit der buchstäblichen, wemiger missverständlichen Muttersprache, die in Gefühlsdingen doch immer recht nahe am Wasser gebaut ist. Man mag das in nüchternen Zeiten anachronistisch finden, doch stimmig ist es allemal. Nasim setzt stärker auf die Eindeutigkeit der Texte als Florian, der dafür Stimmungen zu erzeugen vermag, eine Atmosphäre des dauernden, ironisch nur leicht gebrochenen Zweifelns und eben noch keine Ergebnis-Abgeklärtheit.
Am Ende dieses handgemachten und mit viel Applaus bedachten Doppelkonzerts liefern die beiden noch eine kleine Pointe auf jene typischen Sachzwänge des Lebens, die nur wenige echte Barden auf der Bühne überleben lassen: „Matze“, der Mandolinen-Spieler, wird per Aufzeichnung auf VHS-Rekorder als dritter Mann zugespielt – er hat nämlich Familie inzwischen, muss richtig Geld verdienen und kann deshalb nicht mehr so viel weg von Zuhause. Ein gefährdeter Weggefährte, der vielleicht für immer auf der Strecke bleiben wird. Das wärmende Feuer, es brennt dennoch weiter. Thomas Lochte