Veranstaltungsinfo

Do, 26.11.2015
19.30 Uhr
Literatur
20,00 €
Stefan Wilkening
Maria Reiter

Stefan Wilkening & Maria Reiter: Einfach kindisch ...eine musikalische Lesung für Kindsköpfe jeden Alters

Benefizveranstaltung: Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung e.V.
Kindisch sein ist eine Kunst - Kinder beherrschen diese natürlich vortrefflich, weil sie erst mal gar nichts wollen und sich ungehemmt vom Gedankenspiel forttreiben lassen. Erwachsene haben es da schon schwerer...
Der Schauspieler und Sprecher Stefan Wilkening ist neben seinen Theaterengagements (u.a.: Münchner Kammerspiele, Bayerisches Staatsschauspiel) in zahlreichen Dokumentationen, Hörfunk- und Hörbuchproduktionen zu hören, sowie in verschiedenen Film- und Fernsehproduktionen zu sehen. Er ist auch bekannt für seine Soloprogramme mit kleineren Besetzungen. Seine spezielle Art des Erzählens ist immer ein temperamentvolles, ganzkörperlich betriebenes "Theaterereignis" getreu seinem Motto: "Alles ist Spiel".
 
In " Einfach kindisch ", seinem neuen Programm, kommen nun auch die Erwachsenen in den Genuss einer musikalisch- literarischen Reise mit kindischem Witz und Charme.
Mit der Sprache spielen, wie Kinder mit Sand im Sandkasten. Hier werden eher der Realität, als der Phantasie, Grenzen gesetzt. Zu Wort kommen große Kindsköpfe wie Robert Gernhardt, Heinz Erhardt, Franz Hohler, Axel Hacke und viele andere, die rechtzeitig "ihre Kindheit in die Tasche gesteckt haben und davongelaufen sind".
Bilder und Wortspiele mit Liebe zum Unsinn und Spaß am Quatsch, Literatur ganz bildlich und stark, kurz und knackig, lustig und kindisch, spielerisch und verdreht - und herrlich inhaltsreich. Daraus entstanden ist ein amüsantes und phantasievolles Potpourri von Gedichten und Geschichten.
Die musikalische Reisebegleitung für diese unterhaltsame Lesung übernimmt die Akkordeonistin Maria Reiter.
Veranstalter: 
Adventskalender für gute Werke der Süddeutsche Zeitung e.V.
Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2015

Nach(t)kritik 

Stefan Wilkening habe „irgendwann mal beschlossen, seine Kindheit in eine Tasche zu packen und mit ihr davon zu laufen“, sagt Starnbergs „SZ“-Redaktions-leiterin Sabine Bader zu Beginn des Benefizabends der „Süddeutschen Zeitung“ im Bosco. Wilkening sollte das auf ihn gemünzte Zitat kurz darauf schon allein dadurch bestätigen, dass er regelrecht auf die Bühne stürmte: „Einfach kindisch“ hieß passender Weise das Programm, das der vor Unternehmungslust schier platzende Schauspieler zusammen mit der Akkordeon-Virtuosin Maria Reiter zu Gunsten des „SZ-Adventskalenders für gute Werke“ vom Stapel ließ: Es wurde ein einziges Fest des Nichterwachsenseinwollens, voller Gustostückerl von Heinz Erhardts „Die Made“ bis zu Christian Morgensterns „Galgenliedern“, von Joachim Ringelnatz bis Robert Gernhardt, von Franz Hohlers „Kindergeschichten“ bis Axel Hackes „Besten Geschichten aus meinem Leben“. Die überbordende Gabe des langjährigen Kammerspiele-Akteurs Wilkening, kompakten Reimklassikern noch zusätzlich Szenisches einzuhauchen, feierte an diesem Abend wahre Triumphe, wohltuend eingebettet in die musikalischen Stichworte seiner Begleitung. Gab er physiognomisch überzeugend einen durchs Unterholz tappenden Erhardt´schen „Himbären“, geleiteten ihre Akkordeon-Klänge ihn wieder zu seinem Stuhl zurück und damit zur nächsten Verwandlung - Maria Reiter war quasi das sanft lächelnde Kindermädchen für diesen wunderbaren Springinsfeld an ihrer Seite.
Die ausgewählten Texte zählen fast allesamt zum Kanon deutschsprachiger Humor-Literatur: Manches wie von Morgenstern oder Erhardt konnte das Publikum quasi mitbuchstabieren, anderes wie etwa „Die Folgen der Trunksucht“ von Gernhardt schien für Viele eine echte Neuentdeckung zu sein. Allen Beispielen gemeinsam war indes das gedankliche Hakenschlagen, das Opponieren gegen die hehre Vernunft – und natürlich die pure Freude an der – zumeist gereimten - Sprache. Kostprobe gefällig? Bitte sehr, nochmals Joachim Ringelnatz: „Die Badewanne prahlte sehr / Und hielt sich für das Mittelmeer / Das eingebildete Bassin / Es wohnte im Quartier Latin.“ Wilkening servierte derlei Preti-osen nicht nur, er kredenzte sie in üppiger Deklamationspracht und schien auch selbst einigen Spaß zu haben, indem er sein Lesepult stets aufs Neue rauf- und runterschraubte, als wechselte er gerade mal wieder die Bedeutungsebenen. Großartig sein "Selbstgespräch einer Schnecke", das allen Langsamen und Zögerlichen dieser Welt ein Denkmal setzt, um nicht zu sagen: ein Schneckenhaus baut. Und Maria Reiter war mit ihren melancholischen Musette-Phrasen und der einen oder anderen „Strangers in the Night“-Anspielung für den sprudelnden Wilkening das nachdenklich-versonnene Pendant. Träumerisches Innenleben zum äußeren Furor der Texte. Am Ende fassten sich beide Künstler jedenfalls zur Entgegennahme des ausgedehnten Beifalls an den Händen. Wie Kinder, denen einige richtig gute Streiche gelungen waren. Heinz Erhardt hätte gesagt: „Noch ´n Gedicht...“