Veranstaltungsinfo

So, 09.10.2016
17.00 Uhr
Tee bei Sabine
Eintritt frei

Bettina Fritsche: Tänzerin & Choreografin

Die Tänzerin und Choreografin Bettina Fritsche zu Gast beim Tee mit Sabine Zaplin
Die Gautinger Tänzerin und Choreographin ist dem bosco-Publikum vor allem vertraut durch die Tanztheaterproduktionen für Damen und Herren ab 60 „Bewegtes Leben 2068“, „Gratwanderer“ und "Nr. 3" die sie alle hier auf die Bühne brachte. Außerdem haben zahlreiche Gautinger Kinder bei ihr die ersten tänzerischen Schritte gelernt, in den Kursen für Kreativen Tanz.
Doch Bettina Fritsche, die mit ihrer Familie - dem Schauspieler Matthias Friedrich und den beiden inzwischen schon erwachsenen Töchtern - nach einer Station in Stockdorf mittlerweile lange schon in Gauting lebt, hat wie alle Bühnenkünstler eine bewegte Zeit des Wanderns und Reifens hinter sich. Auf ihre Ausbildung an der John Cranko Ballettschule Stuttgart und der Ballettakademie der Württembergischen Staatstheater Stuttgart folgten Engagements am Theater Ulm , denVereinigten Bühnen Krefeld-Mönchengladbach und der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf. Unter Paolo Bortuluzzi wird sie 1988 Ensemble-mitglied des Staatstheaters am  Gärtnerplatz München wo sie unter anderem in Ballett- und Opernproduktionen von Günther Pick, Jose Limon, Birgit Cullberg, Kurt Joos, Claus Guth, Immo Karaman, und Rosamund Gilmore solistische Aufgaben übernimmt.
Seit Bettina Fritsche in München ist, beginnt sie ihr berufliches Spektrum zu erweitern und arbeitet sowohl als Schauspielerin und Musicaldarstellerin als auch als Choreographin und Tanzpädagogin. 2005 erhält sie einen Lehrauftrag für Bühnentanz und Bewegung an der Hochschule für Musik, München.
Beim Tee wird sie im Gespräch vom Leben in der Künstlerfamilie erzählen sowie einen Einblick geben in die Welt des Tanzes und was diese an Vielfalt und Geschichten bereithält.
 
Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
Bilder der Veranstaltung

2016

Nach(t)kritik 
Gauting – „Tanzt!“, forderte  einst die verstorbene Pina Bausch vom Wuppertaler Tanztheater. Bettina Fritsche musste das niemand sagen: Der Tochter eines Orthopäden und einer Balletttänzerin aus Münster wurde die Liebe zum klassischen Ballett  nämlich in die Wiege gelegt. Mit 12 Jahren war sie bereits Elevin an der renommierten John-Cranko-Schule in Stuttgart. Beim „Tee bei Sabine“ plauderte die mit dem Schauspieler Matthias Friedrich verheiratete Zweifach-Mutter über ihre Erfahrungen an der Ballettstange – und auf der Bühne.     
Zum Gespräch mit Kulturjournalistin Sabine Zaplin hatte Bettina Fritsche ihr eigenes Tee-Geschirr mitgebracht - so wie sie es schon in ihrer Kindheit auf der Nordsee-Ferien-Insel Juist bewundert hatte, denn: „Ich verbinde das mit guten Gefühlen.“
Keine Spur von „ätherischem Wesen“: Ballett-Tänzerin Bettina Fritsche antwortet höchst lebendig – und ehrlich.  
Bei ihrer Mama in Münster nahm sie als Sechsjährige ihren ersten Ballettunterricht. Doch damit war Bettina Fritsche bereits mit dem Virus „klassischer Tanz“ infiziert. Die Tochter verbrachte immer mehr Unterrichtsstunden im Ballettsaal. Irgendwann ließ sich das intensive Training nicht mehr mit der Schule vereinbaren.
„Probier`s!“ hatten ihr deshalb damals die Eltern vorgeschlagen – und die Zwölfjährige bestand prompt die Aufnahmeprüfung am Internat der renommierten  John- Cranko- Schule in  Stuttgart. Sie hatte Heimweh, damals als Kind. Doch die großen Ballettsäle, die am Wochenende völlig frei waren fürs Tanzen, begeistern Bettina Frische noch heute.
Auch bei Aufführungen der großen Stuttgarter Stars durften die Internatsschülerinnen zuschauen –  gelegentlich sogar  mittanzen:
 An „Birgit“ und „Marcia“ schieden sich damals die Geister, erzählt Bettina Fritsche. Prima-Ballerina Birgit Keil war groß, elegant, blond, schön – mit langen Beinen.  Ihre Kollegin Marcia Haydée war nicht minder berühmt - als „uneitle“, großartige Charakterdarstellerin. „Sie hat sich in ihre tragischen Rollen so richtig reingeschmissen“,  sagt Bettina Fritsche über die wohl größte und faszinierendste Primaballerina unserer Zeit. Für Bettina Fritsche wurde Marcia Haydée zum Vorbild – bis heute.
Blond, langbeinig: Das war in den 1980er-Jahren unter den Klassik-Tänzerinnen angesagt: Obwohl klein und brünett, bekam die Absolventin der Stuttgarter Ballettakademie trotzdem ein Engagement am Stadttheater Ulm. „Von 80 bis 100 Bewerberinnen war ich am Schluss unter sieben bis acht Blonden“, sagt Bettina Fritsche lachend.  
In Ulm lernte die Tänzerin auch ihren jetzigen Mann, den Schauspieler Matthias Friedrich, kennen.
Nicht so gern erinnert sich Bettina Fritsche an ihre Zeit im großen Ensemble Düsseldorf: „Da war ich Tänzerin Nummer 73 – und kam wenig auf die Bühne.“ Doch am Münchner Gärtnerplatz-Theater folgte  dann der Karrieresprung als Solistin und Choreographin. Noch am Beginn ihres achten Schwangerschaftsmonats tanzte die werdende Mutter dort auf der Bühne – „mehr im Hintergrund“ des corps de balett.    
 „Mich inspirieren Menschen“: Nach einer Idee von Hans-Georg Krause setzte Bettina Fritsche mit älteren Gautinger Laien den Zyklus „Bewegtes Leben“ am bosco um. Inspiriert war das Gautinger Tanz-Projekt von dem vor 20 Jahren uraufgeführten  „Kontakthof“ von Pina Bausch.
Erstaunt hatte die Choreographin, „wie wichtig“ es diesen 36 Laien war, „das einfach zu machen und sich zu engagieren – und wie viel sie dabei von sich preis gegeben haben.“  Doch das gemeinsam mit den Tänzern entwickelte „Bewegte Leben“ war auch für Ballettlehrerin und Choreographin Bettina Fritsche eine Herausforderung: „Das lässt sich nicht auf eine Unterrichtseinheit reduzieren“ – sondern entwickele sich immer weiter.
Mit dem letzten Teil des Zyklus, von der Kritik hoch gelobt, ist das „Bewegte Leben“ deshalb  abgeschlossen: „Ich mache jetzt erst einmal einen Punkt. Mein Herz hängt am Theater – dafür brauche ich Luft“, sagt die Klassik-Tänzerin mit dem Faible für tragische, aber auch komische Rollen.