Veranstaltungsinfo

Do, 05.02.2015
20:00 Uhr
Vielklang
19,00 €

Triosence: First Enchantment

Seit Entstehung der Band im Jahr 1999 hat triosence in Deutschland so ziemlich alles abgeräumt, was es an Jazzpreisen zu gewinnen gibt. Nach dem ersten Preis beim Bundeswettbewerb „Jugend jazzt“ folgte der Ostsee-Jazz-Förderpreis, der Studiopreis des Deutschlandfunks, der Kulturförderpreis der Stadt Kassel und viele andere, bis hin zur Nominierung zum Preis der deutschen Schallplattenkritik.

In Japan gehören sie seit ihrer Debüt-CD „First Enchantment“ sogar zu den besten Jazz-Newcomern und „der Band, die den Eindruck vom steifen deutschen Jazz weggewischt hat.“ Was die Musik des Trios neben der Gleichberechtigung der Instrumente vor allem auszeichnet, sind die Stärke und Klarheit ihrer Melodien. Zu einem hohen Grad lyrisch und poetisch bilden sie den Kern aller Kompositionen. In Kombination mit der stilistischen Bandbreite, die von Jazz über Fusion, Folk, Pop und Worldmusic reicht, definiert die Band dadurch einen ganz eigenen Stil, den sie selbst als „songjazz“ bezeichnet. Das begeistert nicht nur Kenner sondern auch jene, die mit Jazz bislang wenig anfangen konnten. 
Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Nach(t)kritik 
Die Konzertankündigungen und die Pressezitate auf der Website des Trios klingen etwas so, als ginge es hier um eine jugendliche Nachwuchsband. Die drei Musiker von triosence sind aber längst gereift und bewiesen eine unterhaltsame und sichere Bühnenpräsenz, die eine Menge Erfahrung im Live-Geschäft verriet. Vor allem aber eine enorme musikalische Reife, die sich gerade nicht durch die Fülle des Materials äußerte, sondern vielmehr im Weglassen, oder umgekehrt: In der treffenden Auswahl genau der Mittel, die der intendierten Wirkung einen optimalen Auftritt zu verschaffen vermochten. Und all die Stücke, die der Pianist Bernhard Schüler komponiert hatte, leben gerade von der überaus einfühlsamen Entwicklung der Substanz und der Klangqualität, ohne sich auf ein Genre festzulegen, als vielmehr sich erfrischend zwischen traditionell, Blues, Swing bis hin zu Pop zu wandeln.

Die Stücke sind weitgehend auskomponiert und durcharrangiert. Aber auch offen genug, in ihrem rhapsodischen Verlauf den Spielern genügend Freiraum zu überlassen, eigene Ideen und Auslegungen einzubringen. Die Dramaturgie eines jeden Stückes äußerte sich zwar in unverhüllter Klarheit, geprägt von einem überaus dynamischen Changieren und schlüssigem Hervorgehen. Die in diesem plastisch geformten Auf und Ab eingebetteten Nischen der persönlichen Entfaltung zeigten sich jedoch so homogen darin eingeflochten, dass ein erfrischender Eindruck spontaner Eingebungen gewahrt blieb und die besonderen Qualitäten eines Live-Auftritts überzeugend in den Vordergrund traten. Auch in der wunderbar komischen Moderation Schülers, die mit einem Augenzwinkern dennoch deutlich machte, dass es dem vielfach ausgezeichneten Wahlbremer stets auch um eine tiefe Wahrheit geht, um eine Aussage, die sich nicht nur übers Ohr Gehör verschaffte. 

Rein musikalisch überzeugte triosence vor allem mit einem überaus imaginativen Ansatz, der – ausgehend vom Vorbild Schülers Keith Jarrett – sich in den Händen der großartig inspirierten Instrumentalisten unentwegt fein nuanciert wandelte und laufend eine überraschende Klanggestalt einzunehmen vermochte. Kein Thema blieb hier exakt gleich, entwickelte sich vielmehr in reizvoller Variationsarbeit immer weiter, durchaus auch als Rücknahme und Reduktion aufs Wesentliche, um sich auch schon mal aufzulösen – um wiederum anschließend ganz neu zu erstehen. Es war vor allem der vor originellen Ideen geradezu überschäumende Schlagwerker Stephan Emig, der hier für die ansprechendsten Effekte sorgte und dabei ungemein pfiffig zu Werke ging. Alles, was Geräusche erzeugt, ist für sein Spiel brauchbar. Das besondere war dabei, dass selbst Fingerschnippen, Händeklatschen oder Schenkelklopfen im Klangbild eine derartige Inszenierung erfuhr, dass man es völlig neu wahrnahm. Mit den Händen, Sticks, Filzschlägeln oder Besen nicht selten gemischt geschlagen, schien sein Set sich immer wieder neu zu erfinden, auch schon mal mit Unterstützung der Mitspieler. Seine Soli begeisterten jedenfalls immer wieder aufs Neue. 

Mit einer solchen Freiheit im Schlagwerk, fiel die oft ostinate Drum-Bass-Rhythmusgruppe verstärkt dem Kontrabassisten Ingo Senst zu. Er war hier die Konstante, die jeder Komposition die konsequente Geschlossenheit unter einem weiten Spannungsbogen verlieh. Mit diversen Zupfarten, Bogenstrich oder Bogenanschlag sowie einem intensivierenden Drive setzte Senst aber auch Experimentierfreude an den Tag, die den vielen atmosphärischen Ausprägungen entscheidende Impulse verleihen konnte. Doch die entscheidende Qualität war die Fähigkeit der Instrumentalisten, als – kammermusikalisches – Ensemble zu denken und gemeinsam Feinsinnigkeit ins Spiel zu bringen. Schüler fiel naturgemäß die perlende Thematik in anschlagstechnischen Finessen kultivierter Formung zu. Ob als Begleitpart mit ostinaten Figurationen oder als Glanzlicht melodischer Fortspinnung zauberte der Pianist einen weiten Klangraum, unter dessen Dach eine Menge großer und kleiner Ereignisse entspannt stattfinden konnte. Begeisterte Ovationen und eine Zugabe.