Veranstaltungsinfo

Sa, 02.12.2017
20.00 Uhr
Kabarett
22,00 / 10,00 €*
* Vorverkauf ab 08.07.2017

Christian Springer: Trotzdem

Die Welt ist schlimm. Aber die Antwort von Christian Springer darauf lautet: Trotzdem! Der Münchner Kabarettist lehnt sich auf gegen die lähmende Ohnmacht. Endlich. Wo es doch so oft heißt: man kann nichts tun. Das stimmt. TROTZDEM!
Die Welt ist schlimm. Aber die Antwort von Christian Springer darauf lautet: Trotzdem! Der Name seines Programms ist nicht nur die Überschrift für einen Kabarettabend. „Trotzdem“ heißt weitermachen, nicht aufgeben, und sich nicht den Schneid abkaufen lassen. Aber keine Angst, Sie sind nicht in einem Coaching-Seminar gelandet, sondern im politischen Kabarett. Ein Mann zeigt Haltung und haut auf unsere Feigheiten drauf. Denn Christian Springer geht’s ums Ganze. Und dafür kämpft er, bis seine Ohren glühen. Er ist der Aufreger unter Deutschlands Kabarettisten, der Trotzdem-Män.

Auf der Bühne sehen Sie einen satirischen Mutmacher, der leichtfüßig Sinn und Unsinn zu skurrilen politischen Kabarett-Geschichten verknüpft, in denen mehr als ein Körnchen Wahrheit steckt. Im echten Leben hat er seine Leidenschaft zur Mission gemacht, und versucht den Flüchtlingen im Nahen Osten mit seinem gemeinnützigen Verein Orienthelfer e.V. ein erträglicheres Leben zu schaffen. In seinem Leben als Kabarettist gräbt er sich tief in die Themen ein und ruht nicht, bis im BR-"schlachthof" die Zuschauer oft den Atmen anhalten. Und wenn es ihm zuviel wird, schreibt er dem bayerischen Ministerpräsidenten gleich einen Brief. Achtzig Seiten lang, das Motto: Landesvater, cool down. Dieser Münchner Kabarettist lehnt sich auf gegen die lähmende Ohnmacht. Endlich. Wo es doch so oft heißt : man kann nichts tun. Das stimmt. TROTZDEM!

Christian Springer: „Wir werden milliardenfach Hinweise zur Entkalkung der Spülmaschine hinterlassen. Große Visionen: Fehlanzeige.“ – „Unsere Geschichte geht so: Steinzeit, Bronzezeit, Oberlehrer-Zeit.“

Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
Galerie 
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2017

Nach(t)kritik 

Was genau ist eigentlich eine Leitkultur? Ist es die deutsche Nationalhymne und die Textsicherheit beim Singen derselben? Oder ist es doch eher der Sonntagsspaziergang? Christian Springer geht der Frage in seinem aktuellen Programm „Trotzdem“ nach - mit der ihn auszeichnenden Ungeduld, die ihn über die Bühne tigern und in atemberaubendem Tempo eine perfekt komponierte Mischung aus Erkenntnissen und Erinnerungen ausstoßen läßt.

Zum Beispiel die Hymne. Sollte sie als Beispiel deutscher Leitkultur dienen, müsste sie in Wort und Musik aus dem kulturellen Boden dieses Landes entsprungen sein. Nun hat aber der Dichter Hoffmann von Fallersleben die Strophen auf der damals englischen Insel Helgoland geschrieben, der Komponist Haydn war Österreicher und hat auch nicht ein Originalwerk geschaffen, sondern ein paar Notenblätter aus der Schublade recycelt. Dieses „Kaiserlied“ wiederum basiert auf der Melodie eines kroatischen Volksliedes. Ein wunderschönes Beispiel für europäischen Geist und vermutlich ganz und gar nicht das, was sich die Schöpfer des Begriffs „Leitkultur“ eigentlich bei diesem gedacht haben.

Zum Beispiel die philosophischen Säulen unserer Geistesgeschichte: Erasmus von Rotterdam und Thomas von Aquin. „Da kann ich jetzt jeden aus dem Saal heraus auf die Bühne holen und ihn die Hauptthesen von Erasmus erläutern lassen“, erklärt Springer, „wir haben das ja alle im Blut, diese Leitkultur.“ Zum Glück musste niemand auf die Bühne kommen.

Und wohin leitet diese Kultur eigentlich? Welche Wegweiser bekommt der Flüchtling, der zu seiner Anerkennung diese zu verinnerlichen hat? Haben diese Wegweiser auch die Nicht-Flüchtlinge hierzulande geleitet, und wenn ja, wohin? Es sind tiefgründige Überlegungen, die Christian Springer anstellt, und sie erzählen weit mehr vom Zustand dieses Landes als so mancher Leitartikel. Sie erzählen, warum selbiges Land nach der jüngsten Bundestagswahl noch immer keine Regierung hat und warum das im Grunde gar nicht zu bemerken ist. Sie erzählen von dem unbemerkten und unbeklagten Mangel an Kultur überall, an Gesprächskultur, Debattenkultur, Kultur im Umgang miteinander.

Es ist ein ganz anderer Kabarettabend, einer, der ohne Gags und nacherzählbare Nummern auskommt und der seine Pointen aus klugen Beobachtungen setzt als das, was sie sein sollten: Zuspitzungen, deutliche Punkte. Einem, der wie Christian Springer von der Beobachtung zur Tat schreitet und mit seinem Verein „Orienthelfer e.V.“ regelmäßig syrische Flüchtlingslager im Libanon aufsucht, einem solchen glaubt man, was er sagt. Und so könnte zur Leitkultur werden, was er am Ende wegweisend mitgibt: auf dem Weg zu bleiben, etwas, das auch ohne Geld funktioniert. „Haben Sie einfach ab jetzt eine Haltung!“