Veranstaltungsinfo

Di, 09.01.2018
20.00 Uhr
Schauspiel
Tanztheater
30,00 / 15,00 €*
* Vorverkauf ab 25.11.2017

Companie Johanna Richter: For you my Love!

Tanztheater von Johanna Richter und dem Ensemble Company : genX

Inspiration für diesen Tanzabend sind sechs Theaterstücke von William Shakespeare. Um den Kreislauf der Ausweglosigkeit zu manifestieren, verschmelzen die Stücke ineinander, sodass schließlich auch die Performer mehr und mehr in den Strudel der Macht hineingerissen werden. Die fünf Spieler müssen alle Rollen übernehmen – mit minimalen Veränderungen ihrer Alltagskostüme, in bewegten Bildern, mit den Mitteln des Tanztheaters.
Fünf Performer (drei Schauspieler und zwei Tänzer) reisen in die Welt von Shakespeares Werken. In allen Facetten des Tanztheaters bringen sie die Geschichten der klassischen Helden auf die Bühne – radikal, performativ, zeitgemäß, direkt und spontan, als eine universelle körperliche Erfahrung. Sie stellen sich den Dramen der Menschheit, den Tragödien und Konflikten und wechseln laufend, spielerisch von Figur zu Figur.
So entspinnt sich von Stück zu Stück der immerwährende Kreislauf von Liebe und Tod und im Wirbel dieser Ausweglosigkeit wird klar: alle tragischen Konflikte, in die Shakespeares Helden geraten, und für deren Lösung sie kämpfen, beginnen im Namen der Liebe, die zu Hass verklärt und schließlich tödlich endet.
 
Familien kämpfen für ihre Nachfahren, Söhne gegen Brüder, Töchter gegen Väter, Könige gegen Eroberer, Länder gegen Staaten – eine ewige Menschheitsgeschichte! Wo nicht möglich ist, Kompromisse zu finden, das Aufeinander zu zum radikalen Angriff wird, bleibt zuletzt nur Tod und Zerstörung.
 
Shakespeare zeigt uns alle: Romeo, Hamlet, Lear, Othello, Macbeth, Richard ... – wie sie zusammen brechen unter der Last ihrer eigenen kompromisslosen Ideale. Er erzählt die ewig gültigen Geschichten von Menschen, die in ihr eigenes Inferno laufen, weil sie mit Rache, Neid, Eifersucht und Krieg nur dasselbe provozieren.
Im Kreise der Familie wie in der globalen Welt– zu Shakespeares Zeit – wie heute!
 
„For you my love!“ ist inspiriert von sechs Shakespeare Stücken, die im Mikro Kosmos der Familie beginnen. (Romeo und Julia, Hamlet, König Lear, Othello, Macbeth, Richard III)
Um den Kreislauf der Ausweglosigkeit zu manifestieren, verschmelzen die Stücke ineinander, so dass schließlich auch die Performer mehr und mehr in den Strudel der Macht hineingerissen werden. Sie verlieren sich mehr und mehr in den Geschichten und Figuren und überschreiten unmerklich selbst die „rote Linie“ zur Gewalt. Als würde „Pandoras Box“ geöffnet, wecken die Themen der alten Helden auch in den Performern archaische Muster und Kräfte, jenseits der zivilisierten Gesellschaft, die sie nicht mehr kontrollieren können.
 
Aber es gibt einen Punkt, an dem man umkehren kann, an dem man innehält, um das Äußerste zu verhindern – und es gilt ihn zu finden! Shakespeares Helden kehren nicht um. Sie sterben und töten für ihre Ziele. Radikalität vernichtet - damals wie heute! Das lehren uns dieser Stücke und das zeigt uns täglich unsere Welt. „How far would you go for love?“ heißt die Frage am Anfang von „For you my love!“ Wir finden keine Antwort, aber zeigen die Irritation und Erschöpfung gerade eben noch heil aus dem Kampf heraus gekommen zu sein, um sich mit Mühe dorthin zu zurück zu finden, wo wir leben wollen – in der Menschlichkeit.

Mit TIM BERGMANN, SASA KEKEZ, BÚI ROUCH, MORITZ OSTRUSCHNJAK, JANNIS SPRENGLER
Konzept, Regie, Dramaturgie JOHANNA RICHTER
Bühne MARK ROSINSKI
Kostüm JÖRG CHRISTEL, UWE SINN
Videodesign THOMAS GÖBL, FELIX HARTMANN
Kampfchoreographie HEINZ WANITSCHEK
Licht TOBIAS ZOHNER
Assistenz SELINA GEHRING

 

„Und das ist toll, wie die fünf Jungs „Romeo und Julia“ in vielleicht 14 Minuten erzählen, nur mit ihren Körpern, mit Gesten, Mimik und einem bisschen Tanz, etwas mit einem poesieverlorenen Pas de deux....“
EGBERT THOLL, SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

„... mit FOR YOU MY LOVE! Ist wieder ein lebendiger, mit allen stilistischen Wassern gewaschener Abend gelungen. ... Körpersprache ist eine Disziplin, in der sich jeder Charakter und jede Situation ausdrücken lässt. Die zwei Tänzer und drei Schauspieler machen das perfekt....
Es ist ein Vergnügen zu beobachten, wie (Johanna Richter) ihre Männergruppe führt, das Gockelhafte herauskitzelt, das ewig „Der-Erste-Sein-Wollen“...
Die Musik, die Beleuchtung, die an die neuesten Filme erinnernden Gewaltszenen . alles passt“ 
BEATE KAISER, TZ

Veranstalter: 
Theaterforum Gauting e.V.
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2018

Nach(t)kritik 

Der ganze Shakespeare in einem Abend, von Romeo und Julia bis Richard III. in gut eineinhalb Stunden. Die Companie Johanna Richter hat sich mit diesem Tanztheater viel vorgenommen. Von Poesie bis Persiflage, von Slapstick bis Pyrotechnik und Männerfantasie mit großem Wumms ist in diesem höchst verwegenen Unterfangen alles dabei. Aber, um das gleich vorwegzunehmen: Die fünf „Jungs“, die Johanna Richter auf die Bühne schickt, haben das ganz große Ding im Kreuz. Und wenn am Ende eine Zuschauerin in den vorderen Reihen stöhnt: „Es reicht jetzt, wir haben es verstanden!“ Ja, dann haben sie alles erreicht. Mit all seinem Hauen und Stechen ist das Stück ein großes Plädoyer für die Menschlichkeit. 

Aber, um auch das vorwegzunehmen, am besten ist dieser Abend in den Passagen, in denen Shakespeare wirklich nur als Inspiration dient, wie es das Programmheft ankündigt. Seine Schwächen (und auch Längen) offenbart er, wenn er zu viel erzählen will. Das Bühnenbild suggeriert zunächst eine Backstage-Situation, einen Theaterfundus vielleicht oder einen  provisorischen Probenraum inmitten von abgestelltem Krempel, verstaubten Requisiten aus Shakespeare-Dramen: Helme, Fahnen, Thronsessel, ein Pferdekopf, ein Kruzifix, ein Lampenschirm, auch leere Bilderrahmen, Stellagen und Leitern. Wie zufällig ziehen die Akteure im Lauf des Abends hier und da heraus, was sie brauchen, um Shakespeare buchstäblich zu „spielen“. Zunächst aber brauchen sie gar nichts, nur die Sprache ihrer Körper, die in Businessanzüge als „Kostüme“ des guten Benehmens gezwängt sind. Immer wieder knöpfen sie Jacken und Westen auf, werfen Krawatten weg und reißen Hemden aus den Hosen, wenn die Leidenschaft sie packt. Umgekehrt knöpfen sie zu, zurren und rücken zurecht, wenn sie Haltung bewahren wollen. Kein Blut, keine Flecken, keine Risse – Schmerz, Verletzung und Tod werden allein mit körperlichem Ausdruck dargestellt, dabei aber keine nackte Haut und keine Peinlichkeiten.

„Romeo und Julia“ setzt ganz auf den Tanz, beginnt zu harten Beats mit einem Bandenkrieg als Street Dance, es wird ebenso kraftvoller wie feinsinniger Ausdruckstanz und braucht zuletzt nichts als ein grünes Giftfläschchen. Bei „Hamlet“ hingegen sind die fünf Akteure, die in immer wieder neue Rollen schlüpfen und sich dafür buchstäblich vor den Augen des Publikums verwandeln, als Schauspieler gefragt: als dänisch nuschelnder Erzähler, als linkischer Hamlet, als schrille Ophelia, als rumpelnder Geist, als expressiver Fechtkämpfer und als quasselnder Sportreporter, wenn schließlich in der „Häagen-Dazs-Arena“ der finale Zweikampf ausgetragen wird. Für „König Lear“ brauchen sie dann nur noch kaum mehr als fünf Minuten: Eine Stimme aus dem Off fasst die Handlung zusammen, der Rest ist eine höchst kuriose Performance, ein Sitztanz sich räkelnder, schmollender, intrigierender „Damen“ und sterbender alter Herren. Das Intrigenspiel in „Othello“ beginnt als witzige Sprechcollage, erinnert zunächst an Gruppentherapie und wird dann an ein furioses Bäumchen-Wechsel-Dich, geht schließlich nahtlos über in das große Gemetzel, zu dem „Macbeth“ und „Richard III.“ verschmelzen. Das Ganze mit einem Flammeninferno als Videoprojektion und echtem Bühnenrauch, mit dem auch der Zuschauerraum eingenebelt wird. Jetzt nur noch große Schlägerei, zuletzt ein animalisches Abschlachten, jeder gegen jeden mit dem Schwert, was Männer halt so machen. Und alles natürlich aus Liebe: „For You my Love!“