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LOCATION:Oberer Kirchenweg 1\, 82131 Gauting
DESCRIPTION:K&ouml\;nigin Elisabeth und Maria Stuart sind von ihrem Selbstverst&auml\;ndnis her beide dazu pr&auml\;destiniert\, als K&ouml\;nigin &uuml\;ber England zu herrschen. Ihr Konflikt um die Herrschaft ist gleichzeitig ein Kampf zwischen katholischen und protestantischen Kr&auml\;ften\, die um die Vorherrschaft auf der Insel ringen. Ihre Welt ist gleichzeitig eine B&uuml\;hne und ein Gef&auml\;ngnis\, denn die Blicke der Welt lassen keinen ihrer Schritte und Handlungen unbeobachtet. In der Welt der beiden K&ouml\;niginnen gibt es kein privates Leben\, keine Trennung zwischen innen und au&szlig\;en. Doch das Beharren auf dem rechtm&auml\;&szlig\;igen Anspruch auf die Rolle der K&ouml\;nigin und der Einsatz von Manipulation und Zwang ist f&uuml\;r beide die einzige Chance\, gegen Feinde und falsche Freunde zu bestehen&hellip\;\n
\n
Regie\n
PETRA-JANINA SCHULTZ\n
mit ULRIKE KNOSPE // FRANZISKA MENCZ // MICHAEL MEYER // MARKUS SEUSS\n
\n
Einf&uuml\;hrung: 19.15 Uhr

Petra Janina Schultz gibt mit Schillers &bdquo\;Maria Stuart&rdquo\; ihr Regiedeb&uuml\;t am Theater am Leibnizplatz\n
Niemand entkommt der Staatsr&auml\;son

Ob es Zufall ist\, dass derzeit zweimal &bdquo\;Maria Stuart&ldquo\; auf Bremer B&uuml\;hnen zu sehen ist? Und dass zudem beide Inszenierungen Regiedeb&uuml\;ts sind &ndash\; am Theater Bremen das von Anne Sophie Domenz\, am Leibnizplatz das von Petra Janina Schultz? Wahrscheinlich. Eher kein Zufall d&uuml\;rfte es sein\, dass die &bdquo\;Maria Stuart&ldquo\; von Schultz\, die am Donnerstag Premiere feierte\, im Programmheft mit dem Terrorismus konnotiert wird &ndash\; wie gerade erst die &bdquo\;Medea&ldquo\; von Alexander Riemenschneider im Kleinen Haus.\n
Illegitime Gewalt als Mittel der Politik und der Clash der Glaubensbekenntnisse sind Schillers &bdquo\;Maria Stuart&ldquo\; durchaus als zentrale Konflikte eingeschrieben. Im Programmheft verweist ein Textauszug von Ferdinand von Schirach auf die v&ouml\;lkerrechtlich zweifelhafte T&ouml\;tung Osama Bin Ladens durch US-amerikanische Soldaten am 2. Mai 2011. Auch K&ouml\;nigin Elisabeth muss sich schlie&szlig\;lich von der gefangenen Konkurrentin um den Thron vorwerfen lassen\, sie v&ouml\;lkerrechtswidrig festzuhalten. Allerdings l&auml\;sst sich Schultz\, die wir schon als Schauspielerin bei der Shakespeare Company kennen\, nicht zu einer Zuspitzung auf diesen Aspekt verf&uuml\;hren. Sie beh&auml\;lt den Originaltext weitestgehend bei &ndash\; eingeschoben sind lediglich zwei Passagen\, in denen die Protagonistinnen selbst zu Wort kommen\, aus dem Off eingespielte Ausz&uuml\;ge historischer Zeugnisse.\n
Den Kampf der beiden Frauen l&auml\;sst sie in einem reizvoll kargen B&uuml\;hnenbild (B&uuml\;hne und Kost&uuml\;me: Hanna Zimmermann) spielen\, die hier auf einer Ebene verortet sind\, wenngleich nat&uuml\;rlich strikt getrennt\, die eine im goldenen Rahmen auf der rechten Seite\, die andere an der gegen&uuml\;berliegenden Wand auf kargem Klappsitz hockend. Die beteiligten Herren agieren weitgehend vor der B&uuml\;hne\, eine Ebene tiefer\, wie es ihnen zusteht. Wobei sie immer wieder zu den K&ouml\;niginnen vorsto&szlig\;en\, ein jeder mit seinen eigenen politischen Interessen\, mal in der Maske des ehrlichen Polit-Maklers\, mal\, wie Graf Leicester\, als liebender Mann. Ein bisschen ist &bdquo\;Maria Stuart&ldquo\; hier also auch eine Frauenfrage: Denn beide m&uuml\;ssen sich stets auch damit auseinandersetzen\, dass der m&auml\;nnlich dominierte Adel sie f&uuml\;r sich funktionalisieren will.\n
Gewissenhaft behandelt Schultz diese verschiedenen Ebenen des St&uuml\;cks\, der Text ist nur leicht zugunsten der beiden Kontrahentinnen gerafft\, von den M&auml\;nnerfiguren bleiben lediglich vier\, die sich Michael Meyer (sehenswert vor allem als eitler Leicester\, aber auch als ehrpusseliger Paulet) und Markus Seu&szlig\; (Mortimer und Burleigh) teilen.\n
Ulrike Knospe stolziert als Elisabeth auf turmhohen Plateausohlen und in t&uuml\;rkisfarbenem Hosenkleid &uuml\;ber die B&uuml\;hne\, zum Kost&uuml\;m geronnene Staatsr&auml\;son\, der zu entkommen nur unter unw&uuml\;rdigen Verrenkungen m&ouml\;glich und deswegen eigentlich unm&ouml\;glich ist. Nicht einmal einen gem&uuml\;tlichen Thron hat sie. Eine Sitzbank erm&ouml\;glicht zwar einigerma&szlig\;en kommodes Sitzen\, aber so richtig ruhen l&auml\;sst sich darauf nicht. Die Kl&uuml\;fte zwischen privaten und politischen Interessen\, zwischen Moral und Pragmatismus lotet Ulrike Knospe eher k&uuml\;hl aus &ndash\; als reichlich puritanischer Souver&auml\;n ziemt es sich schlie&szlig\;lich nicht\, allzu emotional zu sein. Schwer haben es da individuelle\, emotionale Impulse\, ihren Weg durch die Maske des Offiziellen zu finden. Ganz anders nat&uuml\;rlich Maria Stuart\, dargestellt von Franziska Mencz\, die Katholikin\, die Rebellin\, die Frau\, die ihre Sch&ouml\;nheit auch politisch zu nutzen wei&szlig\;. Wobei leider nicht immer gut zu verstehen ist\, wie sie ihre Ziele verfolgt. Vor allem in der Begegnung der beiden\, beim Besuch Elisabeths in Stuarts Kerker schl&auml\;gt das schauspielerisch durchaus Funken\, die man andernorts vermissen darf\, weshalb einem die rund zweieinhalb Stunden des Abends manchmal lang werden. Zu erw&auml\;hnen w&auml\;re noch die Musik von Stefan Rapp\, der im ersten Teil mit perkussiven Zwischenspiel das Geschehen taktet\, im zweiten vor allem ein stetig wiederkehrendes Grollen unterlegt\, das das scheinbar unvermeidliche b&ouml\;se Ende andeutet.\n
F&uuml\;r die Bremer Shakespeare Company ein durchaus ungew&ouml\;hnlicher Abend\, der ganz auf die sonst im Hause &uuml\;blichen Witzeleien verzichtet. Im Vergleich mit der anderen Bremer &bdquo\;Maria Stuart&ldquo\; der weit weniger unterhaltsame Abend\, daf&uuml\;r aber einer\, der das Drama weit ernster nimmt\, seine Ideen aus dem Text gewinnt\, anstatt sie diesem aufzupflanzen.

Andreas Schnell\, 7. M&auml\;rz 2015


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SUMMARY:Bremer Shakespeare Company Maria Stuart - nach Friedrich Schiller // Bosco Gauting
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