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LOCATION:Oberer Kirchenweg 1\, 82131 Gauting
DESCRIPTION:Mit 331 Einsendungen haben so viel Menschen wie noch nie an der Ausschreibung zum Gautinger Literaturpreis teilgenommen. Die Teilnehmer umfassen alle Altersgruppen\, kommen nat&uuml\;rlich aus dem ganzen W&uuml\;rmtal sowie den Landkreisen\, aber auch aus der ganzen Bundesrepublik. Selbst aus dem Ausland erreichten uns Beitr&auml\;ge: Schweiz\, &Ouml\;sterreich\, Italien\, Tschechien &ndash\; bis aus dem fernen Santiago de Chile kam Post! Das f&uuml\;nfk&ouml\;pfige Jurorenteam unter der Leitung von Werner Gruban las sich durch 4 Ordner voller Literatur zum Thema heim@suchen.de (Heimatsuchende) und hat vier Preistr&auml\;ger/innen gek&uuml\;rt. Bei der Preisverleihung wurden die Sieger verraten und der Rundfunksprecher Peter Veith las die pr&auml\;mierten Texte. Dazu gab es auch noch Musik aus Augusta Laars Plattensammlung.\n
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1. Preis Kategorie Sch&uuml\;ler und Jugend\n
Piwko India-Wiborada\, Zittau\n
Laudatio von Werner Gruban\n
Die Geschichte ist sp&auml\;testens seit diesem Jahr eine der vielen nun deutschen Geschichten. Eine Geschichte\, die ihren Anfang in einem Land nahm\, in dem Zitronenb&auml\;ume Trost spenden\, die nun zu einem Symbol eines Sehnsuchtsortes geworden sind. Hier in Deutschland gestrandet\, sind Fragen zu beantworten\, Fragen von Journalisten\, wie sie im Fernsehen seit diesem Sommer h&auml\;ufig zu sehen und zu h&ouml\;ren sind\, seitdem die Flucht der vielen Not geplagten Menschen aus Syrien\, Afghanistan\, dem Irak und aus Afrika dieses Jahr vor unserer Wahrnehmung nicht mehr auf Lampedusa oder an den Grenzen Europas Halt machte. Vermissen Sie Ihre Heimat trotzdem? Wie war die Reise nach Deutschland? St&ouml\;rt es Sie\, wenn wir beim Essen filmen? In den Antworten des Erz&auml\;hlers bzw. der Erz&auml\;hler spiegeln sich dessen bzw. deren Geschichten. Flucht\, Hitze\, K&auml\;lte\, Zeltunterk&uuml\;nfte\, zusammengepferchte Fl&uuml\;chtlinge. Und dann das Ankommen in der neuen\, fremden\, anderen - Heimat? Splitter\, Gedankenfetzen\, eindringliche Bilder\, kurze\, wie ausgespuckte S&auml\;tze pr&auml\;gen die Erz&auml\;hlung. Eine unglaubliche\, erstaunliche und ausdrucksstarke Erz&auml\;hlung eines - auch dies konnten wir gar nicht glauben - 14-j&auml\;hrigen Talents. Das Theaterforum gratuliert herzlich zu diesem Preis\, mit der Bitte\, unbedingt dieses Talent weiter zu pflegen.\n
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Sonder-Preis LYRIK\n
Faryar Massum\, Berlin\n
Laudatio von Gerd Holzheimer\n
Mit der Lyrik hat es etwas Vertracktes an und auf sich. Sie verf&uuml\;hrt so manche zu dem Glauben\, sie k&ouml\;nnten das auch. Allerdings ist ein Gedicht\, wie schon der Name sagt\, das dichteste Gebilde der Dichtung &ndash\; und von daher auch das schwierigste. Zu den schlimmsten Fehlformen dieser wunderbaren Gattung geh&ouml\;ren gespreizte\, kaprizi&ouml\;se und scheinbar artifizielle Stilfiguren\, am besten noch in auff&auml\;lliger H&auml\;ufung f&uuml\;r eine nicht wirklich vorhandene eigene Wirklichkeit. In dem Text Augenblick und Dauer sucht der Verfasser erst gar nicht nach Metaphern und anderen Stilformen\, eine Wirklichkeit sucht ihn\, sucht ihn heim und entwickelt scheinbar ganz aus sich heraus ihre Sprache\, eine lakonische\, beinahe spr&ouml\;de Sprache\, die um so eindringlicher uns das Geschehen vor Augen treten l&auml\;sst. Das Geschehen ist ein ganz Pers&ouml\;nliches\, zugleich aber\, wenn auch in den Zeilen nur ganz zart angedeutet\, was ungeheuer schwer fallen muss angesichts der Tragweite\, ein eminent politisches\, ein brutal politisches. &bdquo\;geboren wurde ich in einer heimat\, / deren name zu meiner schande geworden ist&ldquo\;\, hei&szlig\;t es\, und dass &bdquo\;das paradies meiner jugend&ldquo\; ein Ende nahm &bdquo\;im april des jahres 1978&ldquo\;. Die Rede ist von einer &bdquo\;volksrevolution\, von der das volk nichts wusste / und nichts wollte / und danach ging ein fluch durch den hindukusch&hellip\; ein gezielter fluch allahs&hellip\;&ldquo\;. Wir ahnen\, dass es sich um den Staatsstreich der kommunistischen afghanischen Volkspartei am 27. April 1978 handeln wird\, der die Republik Afghanistan in eine Demokratische Republik Afghanistan verwandelte und einen Frieden\, der f&uuml\;nfzig Jahre w&auml\;hrte\, in einen seither tobenden Krieg mit wechselnden Fronten.\n
F&uuml\;r eine solche Situation gibt es kaum eine politische L&ouml\;sung\, keine poetische Schlussformel\, nichts Abrundendes\, im Gegenteil: Der Text endet so offen\, wie er begonnen hat als tiefstes Geheimnis eines lyrischen Kunstwerkes: Offenheit auch und gerade bei einer Lage\, die nach Antworten schreit. Milit&auml\;rs und Politiker m&ouml\;gen die Verteidigung Deutschlands am Hindukusch sehen oder gesehen haben\, unser Dank und Preis aus dem W&uuml\;rmtal gilt dem Text eines Menschen\, der nichts als einen Rucksack mit sich tr&auml\;gt\, &bdquo\;als tr&auml\;ger einer verschl&uuml\;sselten botschaft / die ich nicht entziffern\, nicht begreifen kann.&ldquo\; Er will ihn loswerden\, aber das gelingt nicht:\n
Der Verfasser ist ein &bdquo\;dichter kleiner gef&uuml\;hle und gro&szlig\;er qualen&ldquo\;\, er ist im Krieg mit sich selbst\, sucht sich in allem\, was fremd ist und dichtet sein fremdes Dasein zusammen.\n
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heim@preis\n
Zirngibl Roswitha\, Gauting\n
Laudatio von Werner Gruban\n
Schnipsel\, Skizzen\, Bilder\, mehrheitlich kaum zwei S&auml\;tze lang\, dann wieder ein Gedicht. Es sind S&auml\;tze\, so wohlklingend\, dass man sie unbedingt gesprochen h&ouml\;ren muss. Die Sprache spielt\, Metaphern\, Concetti\, Vergleiche\, disparate Wirklichkeiten finden hier zueinander und in dieser Melange aus unterschiedlichsten Gef&uuml\;hlen und Befindlichkeiten wird die Suche nach dem EINEN Ort sp&uuml\;rbar. Ein Ort\, der sich hier Stadt nennt\, aber doch wohl eher in dem ICH-Erz&auml\;hlenden dieser Geschichten selbst zu finden ist. &bdquo\;In meinen Armen liegt seit Jahren ein Kind. Das Kind bin ich. Es hat sich in den Schlaf geweint und atmet sich / Augensalz an den Wangen / in einen noch tieferen Schlaf hinein. Im Blindwinkel der Nachbarn. Im Blindwinkel der Stra&szlig\;en. Die Stadt ist ein Klangschiff. Ruht niemals. Suche Dich. An jedem Ort.&ldquo\;\n
So endet dieser Text einer/eines heim@suchen.de(n). Allein daf&uuml\;r sch&auml\;tze ich ihn sehr. Herzlichen Gl&uuml\;ckwunsch!\n
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2. Preis\n
Richter Verena\, M&uuml\;nchen\n
Laudatio von Marc Sch&uuml\;rhoff\n
Haben Sie Sich schon einmal gefragt\, wie der Plural von &bdquo\;Heimat&ldquo\; lautet? Der Duden gibt eine andere Antwort als dieser Text\, aber das ist die Freiheit der Kunst.\n
Die eigenwillige Beantwortung dieser Frage ist nur der geringste Grund\, warum dieses Dramolett von der Jury ausgezeichnet wird. Der Text geht ungeheuer witzig und sehr hintersinnig mit dem Riesenpopanz &bdquo\;Heimat&ldquo\; um und stellt spielerisch den Verlust des Heimatgef&uuml\;hls in den Kontext unserer durch Gewinnmaximierung getriebenen Zeit. Und das auf dreieinhalb Seiten. Bravo!\n
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1. Preis\n
Zureich Christine\, Konstanz\n
Laudatio von Luitgard Kirchheim\n
Es ist eine gro&szlig\;e Chance\, eine Erz&auml\;hlung in H&auml\;nden zu halten &uuml\;ber deren AutorIn man absolut nichts wei&szlig\;\, nicht ob Mann oder Frau\, ob alt oder jung. Wir haben eine Geschichte vor uns\, die vermutlich in der Mitte der F&uuml\;nfzigerjahre spielt\, als die Nachkriegszeit noch sp&uuml\;rbar war. Es gibt noch einen Milchladen um die Ecke\, man schl&auml\;ft noch auf dreiteiligen Matratzen und im Fernsehen sieht man Demonstrationen und Lichterketten gegen die Wiederbewaffnung. Schnell wird auch klar\, dass es sich um eine Familie handelt\, die aus den USA r&uuml\;ckwandert nach Deutschland. Erz&auml\;hlt wird aus dem Erleben eines etwa 8-j&auml\;hrigen M&auml\;dchens und seiner Schwester. In zahllosen Details\, die in ihrer Knappheit grandios hingetupft sind\, erf&auml\;hrt der Leser\, wie den Kindern die Unterschiede der beiden Heimaten deutlich werden. Sie erinnern die alte in Philadelphia und lernen die neue in Deutschland kennen\, die sich den Neuank&ouml\;mmlingen oft hart und autorit&auml\;r zeigt. Der Text lebt von den vielen fast tagebuchartig notierten Erlebnissen des M&auml\;dchens\, das in einer Welt ankommt\, die einmal die Heimat des Vaters war.\n
Nur durch wenige W&ouml\;rter werden Situationen angerissen\, die die Vorstellungswelt des Lesers in Gang setzen und gezielt durch Auslassungen historische und kulturelle Gegebenheiten bezeichnen. Immer wieder &uuml\;berrascht die Erz&auml\;hlung\, gerade wenn sie ganz sachlich berichtet\, durch ihren poetischen Ausdruck. So l&auml\;sst sich der Titel zweifach auffassen: Nahlandig einmal als Beschreibung eines F&ouml\;hnph&auml\;nomens und zum andern als ein Zu-Nahekommen\, auf den Leibr&uuml\;cken der neuen heimatlichen Verh&auml\;ltnisse. Kraftvoll ist die kindliche Souver&auml\;nit&auml\;t im Erleben der heimatsuchenden Schwestern eingefangen. Es zeigt sich in dieser Erz&auml\;hlung eine gro&szlig\;e Begabung\, die Sprache und Inhalt in ein wunderbares Gleichgewicht bringt. Wir sind neugierig von der Autorin oder dem Autor noch mehr zu h&ouml\;ren und gratulieren herzlich zum\n
1. Preis!\n
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heim@suchen.de \n
heim(at)suchen.de\n
- heimat verloren -\n
wir haben kein schützendes dach über dem kopf\,\n
wir sind auf der flucht vor krieg\, gewalt und not\,\n
wir haben nichts zu essen und zu trinken\,\n
- heimat verloren -\n
wir haben uns verfangen im digitalen sein\,\n
wir hasten von ort zu ort\, egal ob wir arbeiten oder reisen\, von augenblick zu augenblick\,\n
wir bauen\, beton und glas neben beton und glas\,\n
- heimat suchen -\n
wir vermissen heimat\,\n
die uns nährt\,\n
die uns geborgenheit schenkt\,\n
die uns wiedererkennt\,\n
der wir unsere erinnerungen anvertrauen und\n
die uns licht\, klänge und düfte schenkt\,\n
deren wege zu uns selbst\, zu unserem herzen führen\n
- wir alle sind heim(at)suchen.de -\n
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&bdquo\;Dieses Land hat mich kaputt gemacht\, und ich bleibe solange\, bis man es ihm ansieht&ldquo\;\, hat Herbert Achternbusch einmal gesagt\, der seine Spuren auch in Gauting hinterlassen hat. Gewiss ist sein Aufsp&uuml\;ren von Nähe und Ferne zur Heimat ein besonders schmerzvolles Hineinschreiben in die eigene Landschaft. Sie sei dennoch topographischer Hintergrund für den Gautinger Literaturpreis 2015\, ein Blatt aus der Heimat\, das sich neu beschreiben lässt.\n
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SUMMARY:3. Gautinger Literaturwettbewerb Preisverleihung // Bosco Gauting
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