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Almosen fürs Bosco

Erschienen in: 
Süddeutsche Zeitung - Starnberg
Eine von Altbürgermeister Ekkehard Knobloch gegründete Initiative sammelt Spenden für das Kulturzentrum, das sein Programm wegen der Zuschusskürzung der Gemeinde reduzieren muss

Kein Literaturwettbewerb in diesem Jahr und keine Einführung vor Klassikkonzerten mehr, weniger Ausstellungen und Theatervorstellungen: Das Theaterforum in Gauting muss sein Programm zusammenstreichen, seit die Gemeinde Zuschüsse an den Trägerverein gekürzt und die Raummieten angehoben hat. Nun sollen Spenden das ausgleichen, was an öffentlichen Mitteln fehlt. Altbürgermeister Ekkehard Knobloch hat dazu eine Initiative mit dem Namen "Freunde des Bosco" gegründet, in der sich auch etliche kulturell aktive Gautinger engagieren. Es bestehe "die ernste Gefahr, dass das vielfältige kulturelle und weithin gerühmte Angebot zunehmend ausgedünnt werden muss und dadurch auch die Qualität des Gesamtprogramms leidet", heißt es in einem Aufruf des Freundeskreises, der am Dienstag vorgestellt wurde.

Angesichts knapper Kassen hatte der Gautinger Gemeinderat im vergangenen Herbst pauschale Kürzungen um 20 Prozent bei den Zuschüssen für eine ganze Reihe von Vereinen beschlossen. Darauf hatten sich die Kommunalpolitiker zuvor bei einer Klausurtagung geeinigt und kaum jemanden verschont. Nur den Grünen ging der Sparkurs bei der Kultur dann zu weit. Und nun warnen Knobloch und seine Mitstreiter: "Unser geliebtes Bosco ist in Not". Verantwortlich machen sie dafür das "Sparpaket der Gemeinde".

Die beschlossene Zuschusskürzung hat zur Folge, dass das Theaterforum heuer nur noch 37 600 Euro erhält und nicht mehr 44 000 wie im vergangenen Jahr. Außerdem steigt die Saalmiete im Herbst um zehn Prozent und in den folgenden Jahren jeweils um fünf Prozent. Davon ist wiederum hauptsächlich das Theaterforum betroffen, das eine Doppelfunktion hat: Der Verein organisiert den Betrieb in dem Kulturhaus, mietet aber auch Räume für eigene Veranstaltungen wie Theater, Kabarett oder Konzerte an. Auf die Besucher lassen sich die höheren Mieten offenbar nicht so einfach umlegen. Ironisch kommentierte der Theaterforumsvorsitzende Thomas Hilkert: "Man kann die Eintrittskarten schon immer mehr verteuern - bis halt irgendwann niemand mehr kommt". Diese Entwicklung soll verhindert werden.

Es ist ein breites Bündnis, das sich auf die Initiative von Knobloch hin zusammengefunden hat. Zu den Unterzeichnern eines Spendenaufrufs, der mit dem neuen Programmheft verteilt werden soll, zählen auch Ex-Bürgermeisterin Brigitte Servatius, die ehemaligen Gemeinderäte Jürgen Schade und Stefan Schmid-Burgk, die Puppenspieler Susanne Forster und Stefan Fichert, der Autor Gerd Holzheimer, Hermann Geiger aus Unterbrunn sowie Elke Groebler, die Vorsitzende der Kulturplattform, und Rosemarie Zacher, die Leiterin der Schule der Phantasie, um nur einige zu nennen. Sie eint die Sorge um das Kulturprogramm im Bosco und die Hoffnung auf Unterstützung von Sponsoren.

Mit Kritik an der derzeitigen Kulturpolitik in Gauting hielten sie sich zurück bei der Vorstellung ihrer Ziele. Altbürgermeister Knobloch meinte lediglich, "dass Kürzungen eine Grenze haben müssen". Der Literat Holzheimer mahnte: "Es gab einmal eine Zeit in Gauting, da wurde Kultur nicht als Sahnehäubchen angesehen, sondern als eine soziale Aufgabe, die die Leute zusammenbringt." Grünen-Politiker Schade konnte sich die Bemerkung nicht verkneifen, im Gegensatz zur jetzigen Bürgermeisterin Brigitte Kössinger (CSU) sehe man ihre Vorgänger Servatius und Knobloch oft im Bosco. Und der Ex-Gemeinderat Schmid-Burgk meinte zu den jetzigen Prioritäten bei der Haushaltsplanung: "Die sollten mal zwei Gutachten weniger machen. Dann hätten sie das Geld."

Das Bosco war von Beginn an auf erhebliche Zuwendungen aus Steuermitteln angewiesen. Millionen hat die Gemeinde im Lauf von mehreren Jahren schon in den Umbau des ehemaligen Don-Bosco-Heims investiert. Beim Betrieb des Bürger- und Kulturhauses fällt pro Jahr ein Defizit von mehr als einer Viertelmillion Euro an, das ebenfalls aus der kommunalen Kasse gedeckt wird.
Michael Berzl, 05.06.2019