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Presse

Boogie-Woogie gegen die Corona-Depression

Erschienen in:   Starnberger Merkur

Ludwig-Seuss-Band stellt im Bosco ihre neue Vinyl-Platte „Funky Boogaloos and Mellow Slow Drags“ vorLudwig-Seuss-Band stellt im Bosco ihre neue Vinyl-Platte „Funky Boogaloos and Mellow Slow Drags“

Spiellust pur im voll besetzten Gautinger Bosco-Saal: Nach zwei Jahren Corona-Zwangspause befeuerten Ludwig Seuss, der legendäre Pianist der „Spider Murphy Gang“, Manfred Mildenberger (Schlagzeug), der erst 21-jährige Viktor Vollmer (Gitarre), Tom Peschel (Bass) und „Special Guest“ Dr. Will ihr Publikum mit groovigem Blues und Boogie-Woogie vom Feinsten. Anlass für dieses mitreißende Livekonzert mit der Ludwig-Seuss-Band in Bestform war die gerade erschienene nostalgische Vinylplatte „Funky Boogaloos and Mellow Slow Drags“.

Zu Beginn der deprimierenden Pandemie haben der geniale Sänger, Pianist und Akkordeonist Ludwig Seuss aus Gauting und Drummer Manfred Mildenberger ihre aufmunternden Songs 2020 im Studio eingespielt – und anschließend auf die gute alte Vinylplatte gepresst. Denn im Gegensatz zur CD müssten sich die Fans halt aus der Komfortzone begeben und ihre eingestaubten Plattenspieler ausgraben und die Scheibe eigenhändig auf die B-Seite umdrehen, scherzt Seuss.

Gleich zum Auftakt des Konzerts heizt Seuss mit seiner groovigen Blues-Stimme am Piano ein. Mit Manfred Mildenberger, dem hervorragenden Gitarristen Viktor Vollmer und Tom Peschel am Bass legt Seuss mit dem „Walking Blues“ einen mitreißenden Song hin. Es folgt ein fantastisch temporeich gespielter Boogie-Woogie am Piano, inspiriert aus den Südstaaten der 1930er-Jahre. Als Seuss den melancholischen Song „Wie die Zeit vergeht“ von der neuen LP hinlegt, bleibt bei seinen begeisterten Fans kein Auge trocken. „Spontan haben wir uns entschieden, einen ,Special Guest‘ einzuladen“, erzählt Seuss. Dr. Will, Blues-Entertainer mit braunem Hut und umgehängtem Waschbrett, betritt die Bosco-Bühne. Und Seuss greift zum Akkordeon.

Die beiden Vollblut-Musiker bieten astreinen Zydeco-Boogie in mitreißendem Südstaaten-Tempo zum kongenialen Rhythmus von Schlagzeuger Mildenberger. Als Seuss sein packendes Fremdgeher-Lied „Had some other baby“ zum rhythmischen Schlagzeug groovt, tobt der Saal bereits. Juhu-Rufe folgen auf den schwungvollen Boogie-Woogie, der vollends die letzte Corona-Depression vertreibt. Aufhorchen lässt Gitarrist Vollmer im „Cloudy Song“ von J. J. Cale.

Seuss stellt auch alte, wieder ausgegrabene Meister vor: Vom Feinsten ist der Anfang der 1950er-Jahre in Louisiana gespielte wehmütige Walzer, den Seuss auf seiner Quetsche intoniert. „My Baby She’s Gone“: Zum Finale heizt Seuss mit seiner mitreißenden Paradenummer zum Dashboard-Solo von Dr. Will nochmals richtig ein. Superstimmung im Bosco-Saal. Als letzte Zugabe folgt ein rasanter Boogie-Woogie, bei dem die Finger des Pianisten bei diesem Gautinger Heimspiel nur so über die Tasten fliegen.

Fazit: Die LP „Funky Boogaloos and Mellow Slow Drags“ für 20 Euro ist nach diesem inspirierenden Konzert ein Muss für jeden Ludwig-Seuss-Fan, der in diesen düsteren Zeiten nach etwas Aufheiterung dürstet.

03.06.2022, Christine Cless-Wesle