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Presse

Büchertipps und Einblick in den Literaturbetrieb

Erschienen in:   Starnberger Merkur

Corona animiert viele zum Schreiben, weniges taugt etwas – Neue Reihe Boox im Bosco.

„Schön, dass Sie sich in diesen schwierigen Zeiten ins Bosco gewagt haben“, dankte Sabine Zaplin den nach der 2G-Regel kontrollierten 21 Zuhörern mit Maske. Die Literaturfans scheuten den Pandemie-Aufwand nicht, um sich die neue Reihe Boox der Gautinger Autorinnen Sabine Zaplin und Tanja Weber anzusehen. Zu Gast war die Züricher Literaturagentin Marie Arendt, zudem gab es Buchtipps für den Gabentisch.

„Oh, William!“, einen Roman von Elizabeth Strout über eine verwitwete Frau, die ihrem ersten Mann wieder begegnet, empfahl Literaturkritikerin Zaplin ebenso wie „Betongold“ ihrer Gautinger Kollegin Tanja Weber: Dieser Kriminalroman, inspiriert von Zeitungsberichten über das in einer Nacht- und Nebelaktion abgerissene „Uhrmacherhäusl“ in München-Giesing, sei Webers bisher bester.

Im Gespräch mit ihrem Gast Marie Arendt von der Züricher Literaturagentur Mohrbooks, blickten die boox-Moderatorinnen auch hinter die Kulissen des Literaturbetriebs. Arendt skizzierte den aktuellen Trend. „Verlage wollen momentan ,queere‘ Lovestorys und ,Own Voices‘, also Menschen, die aus ihrer persönlichen Perspektive erzählen, außerhalb vom Mainstream.“ Seit Corona gehe eine Flut von Manuskripten bei den Verlagen ein, berichtet Arendt. „Doch die meisten sind nicht verwertbar.“ Beim Roadmovie von Elizabeth Wetmore habe sie den richtigen Riecher gehabt: Obwohl der Roman „Wir sind dieser Staub“ mit einer harten Vergewaltigungsszene beginnt, habe sie das englischsprachige Manuskript bis zu Ende gelesen und für Mohrbooks die deutschen Rechte gesichert. Der in Texas während des Ölbooms spielende Roman sei gut geschrieben, fand auch Zaplin und fragte: „Was ist das für ein Land, das Trump wählt?“ Dazu empfahl die Literaturkritikerin den Roman des US-Schriftstellers Willy Vlautin „Nacht wird es immer“. Er beschreibe Menschen der verarmten Arbeiterschicht in Portland, die aus ihren Häusern ausziehen müssten.

Für Tanja Weber war „Mädchen, Frau etc.“ von Bernadette Efcharisto ihr „Buch des Jahres“. Denn die Autorin gebe sich ganz dem Rhythmus der afrikanischen Frauenstimmen hin. Der Roman beginne in London mit der Tochter, erzähle von der Tante, der Mutter. Diese schwarzen Frauen lebten zwar ähnlich wie die weißen, aber: „Deren Ausgrenzung, den Rassismus, deren Herabwürdigung können wir nicht nachempfinden“, sagt Tanja Weber.

Zum Verschenken riet Weber zu von Kat Menschick illustrierten Büchern. Und wer in diesen Zeiten mit rasant steigenden Infektionszahlen gute Laune benötigt, dem empfahl sie Matthias Horx‘ jüngsten Zukunftsreport mit dem Tenor: „Es wird besser werden.“

22.11.2021, Christine Cless-Wesle