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Erhalten, was Gauting stark macht

Erschienen in: 
Süddeutsche Zeitung - Starnberg
Das Bosco ist ein Kulturbetrieb mit Strahlkraft - doch das Rathaus spart ausgerechnet an der Kultur. Das ist der falsche Weg

Gauting hat das Bosco, allerdings hat das Bosco auch Gauting: eine Gemeinde, die aus nachvollziehbaren Gründen sparen muss, aber unverständlicherweise nicht mehr allzu viel für die Kultur übrig zu haben scheint, seitdem CSU-Bürgermeisterin Brigitte Kössinger am Ruder ist. Das musste schon Kinochef Matthias Helwig erfahren. Vergangenes Jahr schlug er einen lächerlich geringen Zuschuss für sein Fünfseen-Filmfestival aus. Das trifft nun auch das Kulturhaus Bosco, das unter Gründer Hans-Georg Krause und SPD-Bürgermeisterin Brigitte Servatius zum einzig wirklich funktionierenden Multi-Kulturbetrieb im Landkreis geworden ist. Die Gemeinderäte sind nämlich auf dem besten Weg, ein Haus mit Strahlkraft zur Mittelmäßigkeit herunter zu sparen. Vor allem die stetig steigende Saalmiete, die das Theaterforum in den nächsten Jahren bezahlen soll, lässt sich nicht mehr durch höhere Kartenpreise auffangen.

Altbürgermeister Ekkehard Knobloch ist nun auf die Idee gekommen, Geld fürs Bosco zu sammeln. Durchaus vorstellbar, dass er damit Kürzungen auffangen kann, denn die Gautinger Bevölkerung, aber auch die Starnberger, Andechser und Wolfratshauser wissen sehr wohl, was sie am Bosco haben. Ob die Lösung langfristig funktioniert und das Spendenaufkommen auf Dauer zu halten ist, steht allerdings dahin.

Weder Brigitte Kössinger noch irgendein Gemeinderat ist gezwungen, sich persönlich für Kultur zu interessieren oder das Bosco zu besuchen. Aber es ist die Pflicht einer Bürgermeisterin und Aufgabe gewählter Mandatsträger, zu erhalten, was ihre Gemeinde stark und unverwechselbar macht. Was Knobloch auf den Weg bringt, wäre Kössingers Job gewesen. Sie sollte endlich für eine höhere Förderung ihres Kulturhauses durch den Landkreis und den Bezirk Oberbayern kämpfen.

Und den Kulturmacher des Bosco stünde es gut an, auf die Barrikaden zu gehen und sich nicht weiter im Leisetreten zu üben. Das Beispiel Helwig lehrt: Wer aufbegehrt, setzt sich ab und zu durch. Gauting genehmigte ihm jüngst Geld für seinen Drehbuchpreis.
Gerhard Summer, 05.06.2019