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Presse

Faszinierend und bald unerreichbar

Erschienen in:   Starnberger Merkur
Veranstaltung:Nachhaltiges Reisen

Diskussion über nachhaltiges Reisen begleitet Online-Fotoausstellung

Unter dem Titel „Dies kann von künftigen Generationen nicht mehr gesehen werden“ zeigt Jana Erb derzeit im Gautinger Bosco faszinierende Bilder vom Klimawandel auf Island. Ergänzend diskutierten die Abenteuerfotografin, Reiseexperte Ovid Jacota und Aktivistin Laura Zwick am Sonntag in einer Videokonferenz über nachhaltiges Reisen.

Die „Gewissheit, dass nachfolgende Generationen unsere atemberaubenden Naturschönheiten nicht mehr erleben können“, treibt Erb zu ihrer unkonventionellen Form der Dokumentationsfotografie. Wegen Corona ist die Ausstellung „This is not to be seen by future generations“ derzeit nur im Internet zu sehen unter www.kontrapixel.de/shop. Am Sonntag lief dazu eine Podiumsdiskussion zum „Nachhaltigen Reisen“. Denn bekanntlich belasten gerade Flugreisen das Klima und damit die Lebensgrundlage künftiger Generationen. Aber sind Kurztrips, für die gerade junge Leute viel Geld ausgeben, um sich an einem außergewöhnlichen Ort in der Natur abzulichten und das Foto anschließend auf Instagram zu posten, etwa nachhaltig? Das fragte sich Ovid Jacota, Experte für nachhaltiges Reisen. Es komme auf „die positive Emotion“ an, sagte dazu Aktivistin Laura Zwick vom gemeinnützigen Verein rehab republic, der sich der Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen widmet. Statt „ewig durch die Pampa zu fahren“, könne man ja auch durchs Zugfenster schauen – und anschließend posten, was man gesehen hat, schlug Zwick vor. Das bringe auch die gewünschte „Selbstbestätigung“ fürs eigene Ego.

„Nachhaltigkeit ist ein Superthema“, erklärte Abenteuer-Fotografin Jana Erb, denn: „Wir müssen handeln.“ Denn wenn es keinen Winter und keinen Schnee mehr gebe, „müssen wir auch keine Skier mehr produzieren“. Moderator Constantin Veitl hakte nach: „Aber es heißt doch immer, der Kunde stimmt mit den Füßen ab.“ Deshalb brauche man Aktionen mit „Wissenstransfer“, wo Leute teilhaben, befand Aktivistin Laura Zwick. Indem man zum Beispiel auf „coolen Postkarten“ vermittle, dass die große Flugreise nach Namibia so viel CO2 verbrauche wie die Versorgung von 130 000 Haushalten mit Brot. Doch das sei auch eine Frage der Preisgestaltung: Solange der Flug München-Berlin 50 Euro billiger sei, als die Zugfahrt, „lasse ich außer Acht, dass ich mit demselben CO2-Ausstoß 22 Mal Zug fahren könnte“, sagte Zwick.

„Und wie wird’s, wenn wir wieder reisen können?“, fragte Moderator Veitl. „Ein sehr heißes Thema“, bestätigte der Experte für nachhaltiges Reisen. Die Branche benötige mindestens bis 2022/23, „bis wieder das Niveau von 2019 da ist“. Es gebe dabei zwei Lager. Eines setzte auf Nachhaltigkeit, damit auch die nächsten Generationen die Schönheit dieses Planeten erleben können. Das andere Lager fürchte, dass die Leute die Corona-Krise schnell vergessen werden. Er hoffe auf die erste Gruppe, so Jacota, aber: „Wir Anbieter sind in der Pflicht. Von alleine wird nicht viel passieren.“

10.11.2020, Christine Cless-Wesle