Presse

Do, 22.11.2018
19:30 Uhr
Diskussion
Musik

Gautinger Ansichten aus vier Jahrzehnten

Veranstaltung: 
Ortsentwicklung zwischen Tradition und Moderne
Künstler: 
Bürgerforum Gauting e.V.
Erschienen in: 
Starnberger Merkur
Bürgerforum feiert 41. Geburtstag mit Musik, Erinnerungen und einem Festvortrag

Warum nicht auch mal den 41. Geburtstag in größerem Stil feiern? Das Bürgerforum Gauting hat es getan, musikalisch unterstützt vom Tanztee-Syndikat im gut gefüllten Bosco-Saal. Die Vorsitzende Dr. Ulla Ziegler zeigte in Bildern Ansichten aus vier Jahrzehnten Gauting. Vom ursprünglichen Hauptplatz „ist nur noch unser geliebtes E-Werk übrig“, bedauerte sie. Der Abbruch des Gasthofes Zum Würmbad mit Biergarten (heute: Edeka-Komplex) war die Initialzündung für die Gründung des Bürgerforums (siehe Kasten). Bis 1977 stand am Hauptplatz noch das alte Haus der Metzgerei Bernhard – heute ein Gewerbezentrum mit Imbissläden – „nicht gerade unter dem Siegel guter Architektur“.

Statt auf das ehemalige Bauernhaus Grill mit markanter Kastanie blicke man heute von der Würmbrücke auf die fensterlose Wand des neuen Baderhof-Komplexes am Hauptplatz, kritisierte die Vorsitzende. Das benachbarte, denkmalgeschützte E-Werk „muss sich zwischen der hohen Konkurrenz ducken“. Nur das 1982 errichtete Sparkassenhaus des Architekten Rainer A. Köhler an der Bahnhofstraße, das schlicht gestaltete Bauhof-Gebäude, die preisgekrönte weiße Bauhaus-Siedlung von Architekt Jan Chylek an der Wessobrunner Straße, der „einladende, freundliche“ Soziale Wohnungsbau beim Baierplatz in Stockdorf und das 2016 errichtete Breitwand-Kino am Bahnhofplatz seien Beispiele gelungener Architektur. Ziegler hob auch die Wohnhäuser am Würmufer und den Umbau des Don-Bosco-Heims zum Bürger- und Kulturhaus Bosco hervor. In diesem Zusammenhang dankte sie dem Initiator und Theaterforum-Gründer Hans-Georg Krause unter Applaus für sein bürgerschaftliches Engagement.
Bürgerforum feiert 41. Geburtstag mit Musik, Erinnerungen und einem Festvortrag

In mehr als vier Jahrzehnten habe das Bürgerforum aber auch viel erreicht: Den Abriss der Villa von Reichert (heute Sitz des Friseursalons Birner) am Pippinplatz habe das Bürgerforum verhindert, sagte Ziegler. Ebenso den Abbruch des historischen Postgebäudes gegenüber dem Bahnhofplatz. Als der Buchendorfer Wasserturm weichen sollte, „haben wir einen Käufer gefunden, der ihn erhalten hat“. Gemeinsam mit der Jugendzeitschrift „Beißzangerl“ setzte sich das Bürgerforum 1982 für den Erhalt des historischen Gasthauses Zum Bären ein. Der dortige, von Grün geprägte Pippinplatz, der für die Bürger geöffnete Schlosspark samt Remise und der Gaststätte Gennaro im früheren Salettl seien nicht selbstverständlich, betonte die Bürgerforum-Vorsitzende. Deshalb sehe sie die drei geplanten Gautinger Gewerbegebiete und die ab 2024 erweiterte Ammersee-Unterführung sehr kritisch. Das trifft auch für das noch offene Plangutachten zum Bahnhof zu sowie für den den „Verkauf des Gautinger Tafelsilbers“ – Wunderlhof und das frühere Domizil der Tafel oberhalb des Rathauses. „Jeder Einzelne muss auf Maß und Gestaltung seiner Gemeinde Einfluss nehmen“, forderte Ziegler Bürgerbeteiligung.

„Sie üben Ihr Wächteramt aus“, lobte Alt-Bürgermeister Dr. Ekkehard Knobloch in seiner Festansprache. Für ihn seien die Zwischenrufe des Bürgerforums zwar nicht immer bequem gewesen, „aber sie gehören nun einmal zur Demokratie“. Er appelliere an seine jetzige Amtsnachfolgerin, auf finanzielle Einsparungen bei der Kinderbetreuung, an Schulen oder bei der Kulturförderung zu verzichten, sagte Knobloch. Unter großem Beifall der Anwesenden überreichte der Alt-Bürgermeister der Bürgerforum-Vorsitzenden einen Scheck über 500 Euro.
Christine Cless-Wesle, 26.11.2018