Presse

So, 12.01.2020
15.00 Uhr
Diskussion

Gewerbegebiet scheidet die Geister

Veranstaltung: 
GAUTING 2030 – eine gute Zukunft !?
Künstler: 
Zukunft Gauting e.V.
Erschienen in: 
Starnberger Merkur
Im Gautinger Bosco stellten sich am Sonntagnachmittag drei Bürgermeisterkandidaten den Fragen der Bürger. In vielem waren sie sich einig. Aber nicht in Sachen Gewerbegebiet.

Trotz Bilderbuchwetters waren bis zu 500 Bürger am Sonntagnachmittag ins Bosco geströmt. Teilnehmer der von „Zukunft Gauting“ organisierten Veranstaltung: die amtierende Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger (CSU), ihr Stellvertreter Dr. Jürgen Sklarek (MiFü – Miteinander Füreinander) und Grünen-Kandidat Hans Wilhelm Knape. Tarek Luft, Kandidat von Piraten und MfG, saß nicht auf dem Podium, da er zum Zeitpunkt der Einladung noch nicht nominiert gewesen sei, sagte Moderator Dr. Andreas Albath, Vorsitzender von Zukunft Gauting, auf Anfrage des Starnberger Merkur. Die Fragen hatten die Bürger vor und während der Veranstaltung eingereicht.

„Wir wollen ein lebenswertes, liebenswertes Gauting im Grünen“, betonte Kössinger. Doch um „ein reiches, soziales und kulturelles Miteinander“ zu erhalten, benötige die Gemeinde mehr Gewerbesteuereinnahmen. Zum Beispiel aus dem Handwerkerhof und aus dem Gewerbegebiet Unterbrunner Feld zwischen Asklepios-Klinik und Unterbrunn. „Diese Mittel sind notwendig“, bekräftigte auch Sklarek. Die Gemeinde wolle auch in Zukunft ihre Vereine und Infrastruktur fördern. „Ökologie und Wirtschaftskraft“ müssten sich aber die Waage halten, plädierte Knape. In Zeiten des Klimawandels sollte in Gauting das Projekt „1000 Solardächer“ auf den Weg gebracht werden.

Einig waren sich die drei Kandidaten bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Auf dem Gelände zwischen Apparatebau und Pötschener Straße entstünden „bezahlbare Mietwohnungen“ sowie geförderte Eigenheime etwa für Handwerker-Familien mit bis zu 70 000 Euro Jahreseinkommen, erläuterten Kössinger und Sklarek. Doch in Zukunft müsse man dichter bauen, betonte die Bürgermeisterin.

Knape möchte indessen der Preistreiberei von Investoren Einhalt gebieten. Er forderte eine neue Vielfalt mit Genossenschaftswohnungen. Gemeindliche Grundstücke dürften nicht mehr vermarktet werden. „Auch private Unternehmer können sozialen Wohnraum schaffen“, sagte Sklarek mit Blick auf das Fördermodell „Schmidt Alarm“ in Stockdorf. Auf dem Gautinger Asklepios-Klinik-Gelände seien 120 zahlbare Mitarbeiterwohnungen in Planung.

„Gauting soll Gauting bleiben“, appellierte Kössinger unter Applaus. Mit der Überbauung des Park-and-Ride-Geländes mit Wohnungen sowie einer Kita auf dem AOA-Areal tue die Gemeinde etwas für Leute, „die schon da sind“. Knape plädierte für „Klasse statt Masse“ bei der Entwicklung von Gewerbeflächen innerorts.

Das Gewerbegebiet im Unterbrunner Holz scheidet indes die Geister: Knape befürchtet mehr Verkehr und will Gewerbe auf dem Flughafengelände Oberpfaffenhofen ansiedeln. Es dauere rund zwei Jahrzehnte, bis vom Asto-Eco-Park die erste Gewerbesteuer fließe. Das sei „keine nachhaltige Zukunftsplanung für unsere Kinder“, widersprach Kössinger. Hätte Gauting vor zwei Jahrzehnten Gewerbe geplant, „würden wir heute davon profitieren“, sagte sie unter Beifall. Mit dem Gewerbegebiet „direkt an der Autobahnauffahrt Gilching Süd“ werde keine Gemeinde mit Verkehr behelligt. Kössinger und Sklarek betonten, dass der Nachbar Gilching nicht bereit sei, seine Gewerbesteuereinnahmen zu teilen, um das Unterbrunner Holz zu erhalten. Laut Knape indessen „ist der Gilchinger Bürgermeister gesprächsbereit“.

Den Vorwurf, Kössinger habe das Amt für Öffentlichkeit aufgebläht, wollte die Bürgermeisterin nicht so stehen lassen. Den Stellenplan habe der gesamte Gemeinderat beschlossen. „Ich habe genau so viele Stellen im Presseamt wie meine Vorgängerin.“
Christine Cless-Wesle, 14.01.2020