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Große Bühne, hohe Kosten

Erschienen in:   Süddeutsche Zeitung - Starnberg

Zur Feier „15+1 Jahre Bosco“ schlägt Mitinitiator Hans-Georg Krause vor, das erfolgreiche Haus zum Landkreistheater zu erheben und damit Gauting von der Finanzierung zu entlasten. Landrat Stefan Frey zeigt sich nicht abgeneigt, will aber erst einmal wissen, um wie viel Geld es geht

Das „Bosco“ hat sich als Bürger- und Kulturhaus etabliert und ist 16 Jahre nach seiner Eröffnung weit über Gauting hinaus bekannt. Die Gemeinde ist mächtig stolz auf ihren leuchtend rot gestrichenen Kulturtempel, stöhnt aber über die Kosten. Vor allem die Personalkosten lasten schwer, was in der Zeit der Schließung während der Pandemie klar geworden ist. Der Vorschlag von Hans-Georg Krause in seiner Festrede bei der Feier zu „15+1 Jahre Bosco“ war also gar nicht so abwegig: Der Mitinitiator und langjährige Leiter schlug vor, der Landkreis solle sich an den Personalkosten beteiligen und das Haus offiziell als Landkreistheater anerkennen. „Es entsteht eine Win-win-Situation für alle Beteiligten: Der Landkreis hat ein Landkreistheater mit der kompletten fertigen Einrichtung. Die Gemeinde Gauting wird entlastet und der Verein Theaterforum kann sich mit seinen Mitteln auf das Programmangebot konzentrieren.“
Als das Bürger- und Kulturhaus vor 16 Jahren seine Türen öffnete, war nicht klar, dass es so gut angenommen werden würde. Der Umbau war noch nicht abgeschlossen, der alte Mief oder – netter gesagt – der zweifelhafte Charme von Vereinsheim und Schulturnhalle hing noch im Gemäuer. Mangels Geld musste es nach und nach in einzelnen Abschnitten umgebaut werden und vom Don-Bosco-Heim zum Bosco mutieren.

Doch bald ist klar, das Haus funktioniert, sogar besser als erhofft. Innerhalb kürzester Zeit hat sich das Bosco zum Mittelpunkt der kulturellen Szene in Gauting entwickelt und ist weit darüber hinaus bekannt, der Bayerische Rundfunk kommt, um Klassik- und Jazzkonzerte und auch Kabarett aufzuzeichnen. Das Bosco ist jedenfalls das wichtigste Kulturhaus im Landkreis. Also warum es nicht auch als solches anerkennen? Schon 2005 bei der Verleihung des Kulturpreises an das Theaterforum – noch vor dem Erfolg des Bosco, hatte Krause dem damaligen Landrat Heinrich Frey den Wunsch für ein eigenes Landkreistheater unterbreitet, doch dieser war zurückgeschreckt. „Er hatte vermutlich sofort alle heftig abwehrenden Kreisräte vor seinem geistigen Auge vorbeiziehen sehen“, so Krause.

Der jetzige Landrat Stefan Frey zeigt sich offen. „Der Landkreis fördert das Theaterforum bereits jetzt projektbezogen mit 23 000 Euro. Das ist eine beachtliche Summe. Ich habe Herrn Krause gebeten, das Anliegen schriftlich zu formulieren, damit ich weiß, über was und über welche Höhe wir sprechen. Dann werde ich das Thema mit den Kreisgremien besprechen“, erklärt er gegenüber der SZ. Krause hatte zuvor festgestellt, dass der Anteil fürs Bosco gemessen am Kreishaushalt von 215 Millionen Euro im Promillebereich liege, und auf die Förderung von Kunst und Kultur in der Bayerischen Verfassung hingewiesen. Frey hatte im Grußwort betont, wer an der Kultur spare, spare an der falschen Stelle.

Der Festakt mit weiteren Reden von Bosco-Leiterin Amelie Krause, der Gautinger Bürgermeisterin Brigitte Kössinger und Stefan Berchtold, dem Referenten für Kultur, bot selbstverständlich auch Beispiele der musikalischen Vielfalt des Bosco-Programms. Die international renommierte Gautinger Geigerin Lena Neudauer, die, wie Amelie Krause betonte, das Konzert der eigenen Tochter versäumte, um ins Bosco zu kommen, erfreute das Publikum mit einer Bach-Sonate und einem Scherzo von Fritz Kreisler. Gern hätten die Zuhörer eine Zugabe gehabt. Viel Applaus gab es auch für die Blues- und Boogie-Einlagen von Ludwig Seuss am Flügel, Drummer Manfred Mildenberger und Stefan Berchtold am Bass. Nicht nur die Geschichte, auch für die Zukunft des Bosco scheint es gut auszusehen.

12.10.2021, Blanche Mamer