Presse

 

Kündigung für Bosco letztes Mittel

Erschienen in: 
Starnberger Merkur
Um das Bosco brodelt die Gerüchteküche. Aus dem Rechnungsprüfungsausschuss war durchgesickert, der Vertrag mit den Betreibern solle bis April 2020 einvernehmlich modifiziert werden. Andernfalls stehe eine Kündigung im Raum. In der Gemeinderatssitzung am Dienstag flogen die Fetzen.

Auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung am Dienstag stand nur der nüchternklingende Vermerk: Abschlussbericht des Rechnungsprüfungsausschusses (RPA) für 2017. Das Gremium unter dem Vorsitzenden Richard Eck (UBG) hatte mit den zuständigen Rathausmitarbeitern für das Rechnungsjahr 2017 „stichprobenartig“ die Haushaltsposten Schwimmbad, Feuerwehren, gemeindliche Versicherungen und Bürger-/Kulturzentrum Bosco geprüft, hieß es in der Sitzungsvorlage. Der Ausschuss hatte dem Gemeinderat empfohlen, den Vertrag mit dem Theaterforum als Betreiber des Bosco bis spätestens zur letzten Sitzung des noch bis 1. Mai amtierenden Gemeinderats „neu zu verhandeln und einvernehmlich zu ändern“. Ziel sei es, „die Wirtschaftlichkeit der Einrichtung und die Transparenz der Rechnungsstellung zu verbessern“. Sollte bis April keine Einigung erreicht werden, empfehle der RPA, „den bestehenden Vertrag zum 31.12.2021 zu kündigen“.

Schon vor der Ratssitzung war das Reizwort „Kündigung“ publik geworden. Es kursierten Gerüchte um die Zukunft des Bürger- und Kulturhauses. In der Ratssitzung erklärte RPA--Mitglied Anne Franke (Grüne): Ihre Fraktion werde im Prüfbericht 2017 gegen den Passus zum Bosco stimmen. Denn erst hätte man mit dem Betreiber Theaterforum sprechen müssen, bevor man mit Kündigung drohe. Sie habe sich im Ausschuss um dieses Prozedere bemüht, betonte Franke.

„Schauen Sie, was öffentlich und was nichtöffentlich ist“, rief Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger darauf Franke zur Ordnung. Die Grünen-Sprecherin habe im RPA keinen Antrag für Gespräche mit dem Theaterforum gestellt, goss Stephan Ebner (CSU) Öl ins Feuer. Sie habe sehr wohl im September einen Antrag gestellt, widersprach Franke.

Mit 18:4 nahm der Rat den Prüfbericht 2017 daraufhin zur Kenntnis – mit dem Auftrag, mit dem Bosco-Betreiber Theaterforum neu zu verhandeln.

„An der Zusammenarbeit mit dem Theaterforum als Betreiber des Bosco hat es zu keiner Zeit Zweifel gegeben“, widersprach Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger gestern in einer Presseerklärung „aktuell aufkommenden Gerüchten“, man wolle dem Bosco-Team kündigen. Es gehe vielmehr darum, den seit 2017 bestehenden Vertrag, als das Bosco-Service-Team und das Theaterforum unter ein Dach schlüpften, „in einigen Punkten zu konkretisieren“. Ziel sei es nun, zusammen mit dem Theaterforum-Vorsitzenden Thomas Hilkert „eine einvernehmliche Lösung zu finden und diesen gemeinsam erarbeiteten Vertrag dem Gemeinderat zur abschließenden Beschlussfassung vorzulegen“. Die im Abschlussbericht des Rechnungsprüfungsausschusses empfohlene Kündigung zum 31. Dezember 2021 sei lediglich die „ultima ratio“ im Falle einer Nichteinigung: „Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass es so weit kommt. Ich bin überzeugt, dass wir uns einigen können und werden“, erklärte die Bürgermeisterin.
Christine Cless-Wesle, 21.11.2019